Archiv der Kategorie: Angst

Verpflichtung

Ich wollte es mir nicht anschauen, das “neue” Cesar Millan Video mit Holly, welches auf Facebook die Runde machte… So passierte es dann doch. Ich kann nicht verstehen, wie ein “Trainer” sich und seine Mitmenschen so in Gefahr bringen kann!

Wenn es eine Verpflichtung gibt, welche ich mir als Trainer auf die Fahne geschrieben habe, dann die, dass ich keine unschönen Nebenwirkungen forcieren möchte. Das Training muss so ablaufen, dass möglichst niemand zu Schaden kommt – Mensch wie Hund. Und letztendlich ist es auch meine Pflicht als Hundehalter meinen Hund so in der Gesellschaft zu führen, mit ihm so zu trainieren, dass möglichst niemand zu Schaden kommt.

Ich kann meinen Menschen keine Mittel für das Training mit ihrem Hund an die Hand geben, welche Aggressionen auslösen und Angst steigern können (körperliche Bedrohungen, Leinenimpulse/-rucke, Rappeldosen, Lendenkneifen, …). Die Gefahr, dass diese Art des Trainings eskaliert und der Hund seine Zähne einsetzt ist mir einfach zu groß. Das Problem sind zum einen die Verletzungen welche entstehen können. Zum anderen ist es nun mal so, dass die angegriffene Person zurück zuckt und der Hund mit seinem Verhalten Erfolg hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass er seine Zähne in der nächsten Situation wieder einsetzen wird liegt recht nahe.

Auch bei einem Hund, welcher bereits gelernt hat, dass der Einsatz von Zähnen ihn weiter bringt, kann ich Menschen keine Mittel an die Hand geben, welche Aggressionen auslösen und Angst steigern können. Wo soll das hinführen?

Wird man von dem eigenen Hund angeknurrt, gebissen, ist das für viele Menschen extrem belastend und ich kann verstehen, dass sie ihm sagen möchten “So nicht, mein Freund…!”.

Ich versuche meine Menschen anzuleiten, in diesen Situationen über ihren Schatten zu springen und tatsächlich auch in kritischen Situationen mit Belohnungen und nicht mit Strafe zu arbeiten. Das geht! Management dort wo es nötig ist und dann geht es los, kleinschrittig, deeskalierend! Alles ohne diese unschönen Nebenwirkungen.

Wenn es andere Wege im Training gibt, warum sollte ich auf ein Training zurückgreifen, welches zu einer Gefahr für Mensch und Hund werden könnte?

Seid für eure Hunde da! Fangt sie auf! Gerdade auch in schwierigeren Situationen. Sie haben sonst niemanden ausser euch…

“Ist ja unglaublich, wie der Hund den Besitzer konditioniert hat…!” – über Kontrolle und Konditionierungen

“Ist ja unglaublich, wie der Hund den Besitzer konditioniert hat…!”

So durfte ich es in einer Facebook-Gruppe lesen als kritischen Kommentar zu dem Video “mit Tali in Heiligenhafen“. Was soll ich sagen, der Verfasser dieser Worte hat recht!

Ob Mensch oder Hund, beide müssen mit ihrem Verhalten die Umwelt kontrollieren lernen, ansonsten fällt ihnen das Überleben recht schwer. Verliert man die Kontrolle über sein Leben, über die Dinge, welche um einen herum passieren, ergeht es den Hunden nicht viel anders als uns Menschen. Das “Burn Out”-Syndrom“ z.B. ist in aller Munde und viele Menschen leiden darunter. So mancher Hund, welchen ich draußen beobachte, zeigt ähnliche Symptome. Ob man beim Hund vom Burn Out sprechen kann ich nicht sagen, aber es lohnt sich darüber einfach mal nachzudenken.

Zurück zu – mein Hund kontrolliert mich:

  • Er agiert – Er zeigt mir ein Reh an, da er gelernt hat, beim Anblick von Rehen nicht gleich durchzustarten.

Ich reagiere – Ich markiere sein Verhalten mit einem Markersignal und belohne ihn.

  • Er agiert – Er sieht einen Hund entgegenkommen, wendet sich ab, läuft einen leichten Bogen, anstelle loszupoltern.

Ich reagiere – Ich markiere sein Verhalten mit einem Markersignal und belohne ihn.

  • Er agiert – Ein Mensch kommt plötzlich um die Ecke; anstelle loszupoltern, da mein Hund eigentlich Probleme mit schnellen Distanzunterschreitungen seitens Menschen hat, hält er kurz inne und nimmt sich zurück.

Ich reagiere – Ich markiere sein Verhalten mit einem Markersignal und belohne ihn.

Kontrolliert mein Hund nur mich? Schaue ich mir andere Mensch-Hunde-Teams an:

  • Ein Hund knurrt einen Artgenossen an und springt in die Leine, er agiert.

Mensch reagiert, ruckt an der Leine/ zischt Worte/ kneift in die Lenden/ nennt einen mit positiver Strafe belegten Negativmarker.

  • Ein Hund soll hinter seiner Bezugsperson laufen, der Hund schwenkt kurz zur Seite aus.   Mensch reagiert, zischt/ tritt nach hinten.

Zugegebener Maßen hinkt mein Vergleich etwas. Mein Hund hat gelernt, dass wenn er ein Verhalten zeigt, die Chance sehr groß ist, dafür belohnt zu werden. Also zeigt er es. Gerne. Er weiß, dass seine Bedürfnisse zum großen Teil mit meiner Hilfe befriedigt werden können, wenn er sie schon nicht selbstständig aus der Umwelt befriedigen kann. Mir ist es halt nicht möglich, ihm z.B. “Wild hetzen” erlauben zu können. Ich bin zu einem wichtigen Punkt in seinem Leben geworden.

Der Hund, welcher in die Leine springt und mit einem anderen Artgenossen lauthals kommuniziert tut es nicht, um von der Bezugsperson einen Leinenruck o.ä. zu bekommen. Trotzdem richtet der Mensch sein Verhalten auf die Reaktion des Hundes aus.

Aber – Reaktion, Aktion, alles ist im Fluss und bedingt sich gegenseitig. In dem Moment, in welchem wir mit einem anderen Lebewesen zusammen sind, zusammen leben, geht es nicht anders. Ich habe glücklicherweise die Wahl, welchen der Wege ich einschlagen möchte!

Ich habe meinen Hund auf diverse Markersignale konditioniert – mich habe ich dabei gleich mit konditioniert. Klassische Konditionierung. Sie erwischt einen irgendwie immer. Mein Gehirn kann sich dagegen nicht wehren. Jedes von mir gegebene Markersignal kommt in meinem Gehirn ebenso positiv an wie beim Hund. Ich brabbel sogar intermediäre Brücken vor mich her, wenn ich selber Dinge auszustehen habe – Blutabnehmen beim Arzt z.B. .

Ich trainiere Entspannungssignale mit meinem Hund – Der leichte Geruch von Lavendelöl und das Nennen des Entspannungssignals wirken auch bei mir in den Momenten, in welchen ich sie anwende. Sehr nützlich in Situationen, welche auch für mich schwerer zu überblicken sind und ich auf ein gut funktionierendes Vorderhirn angewiesen bin.

Gerne verstärke ich das erwünschte Verhalten meines Hundes mit positiver Verstärkung. Mein Hund zeigt ein Verhalten aus eigener Anstrengung, er agiert. Ich füge für den Hund Angenehmes hinzu, etwas, dass ihm Freude bereitet und seine Bedürfnisse befriedigt. Was passiert dabei mit mir? Ich freue mich mit ihm und genieße die Stimmung dabei. Unsere Belohnungsliste ist lang und sie beinhaltet bei weitem nicht nur verschiedene Arten von Leckerlies. So wird es uns beiden nicht langweilig! Bedürfnisse sind vielfältig.

Verstärkung ist ein Prozess und dieser Prozess braucht Zeit. Jedes Mal wenn ich mich freue, dass ich das Verhalten meines Hundes mittels positiver Verstärkung einfangen konnte, verstärkt es auch mein Verhalten. Ich zeige es öfter, bin immer häufiger auf der Suche nach erwünschtem Verhalten! Mein Hund bekommt mit jeder Wiederholung noch mehr Gutes hinzugefügt. Er wird sein Verhalten immer häufiger zeigten; es wird von Mal zu Mal sicherer.

Solange der selbstbelohnende Anteil im gezeigten, bereits erlernten Verhalten gering ist, und das ist es nun manchmal, muss ich, möchte ich es aufrecht erhalten, regelmäßig weiter verstärken/belohnen. Aber mal ehrlich, ist das so schlimm? Ich gönne ihm seine Belohnungen und bin gerne großzügig.

Menschen nehmen sich so häufig das Recht heraus zu strafen, zu hemmen, zu zischen, zu rucken, körperlich zu drohen. Da nehme ich mir gerne das Recht heraus, meinem Hund regelmäßig für sein Verhalten zu belohnen.

Noch etwas zum Schluss:

In dem Moment, in welchem das Verhalten eines Hund durch die Einwirkung seiner Bezugsperson mit einem Leinenruck und/oder Zischen etc. erfolgreich gehemmt wird, wird diese Person es immer häufiger anwenden, da es augenscheinlich in der Situation funktioniert hat. Ob im Anschluss ein gezeigtes Alternativverhalten belohnt wurde, spielt in dem Moment der Hemmung weniger eine Rolle. Das Verhalten auch dieses Menschen wird mit den Wiederholungen verstärkt werden.  Die Strafen verselbstständigen sich und nehmen zu. Oder es wird vielleicht heftiger gestraft, wenn es nicht mehr funktioniert. Dass der Hund bei all dem unerwünschten Verhalten, welches gehemmt wird, auch viele erwünschte Verhaltensweisen zeigt, wird dadurch oftmals von seiner Bezugsperson kaum mehr wahrgenommen.

Ich steckte seinerzeit in dieser Falle und würde es fast als Teufelskreis bezeichnen. Dann zeigten mir meine Hunde, dass die “Hemmung” mal nicht so funktioniert, wie ich es all die Jahre gewohnt war. Ich begann zu verzweifeln. Was hätte ich tun sollen? Heftiger in meinen Aktionen werden, so wie es mir empfohlen wurde? Für mich war das keine Option.

Ich danke ihnen von Herzen, dass sie mich dort raus geholt haben und dass es Menschen gab, die mir dabei geholfen hatten und immer noch unterstützend an meiner Seite stehen.

Die Kontrolle über Situationen zu verlieren ist ein sehr unangenehmes Gefühl…

“Es ist ein Unterschied, ob ein Hund seinem Menschen folgt aus Angst wegen eines Fehlers bestraft zu werden oder ob der Mensch der attraktive Mittelpunkt im Leben eines Hundes ist.

Dr. rer. nat. Ute Blaschke-Berthold

Das bin ich, das sind wir! Zu verbergen haben wir…. nichts.

In einem Hundeforum zum Thema “Geschirrgriff” wurde sich teilweise sehr kritisch darüber geäußert. Auch zu unserem Zusammenschnitt von Geschirrgriffen in Anwendung:

http://umtali.wordpress.com/2011/12/23/verhaltensunterbrechung-mit-dem-geschirrgriff/ .

Ja, der Geschirrgriff enthält, wie bereits im Artikel beschrieben, die negative Komponente der körperlichen Einschränkung, daher wird dieser Punkt mit Belohnungen im Aufbau gegenkonditioniert. Das ist mit Verlaub etwas anderes, als wenn ich zur Verhaltensunterbrechung einen Negativmarker gebe und dem Hund einen aversiven Reiz wie Wasserspritzen, Lendenkneifen etc.  zukommen lasse. Dieser Reiz wird im Aufbau nicht gegenkonditioniert und soll direkt wirken. Berichtigt mich, wenn ich falsch liege.

Das Video selber entstand ursprünglich auf einer Anfrage einer lieben Trainer-Kollegin, welche nach Videos fragte, in denen man den Geschirrgriff bei einem “großen Hund in Action” in Anwendung sehen könnte. So schnibbelte ich ein paar Szenen aus Videos zusammen. Aus dem Zusammenhang genommen wirken sie recht dramatisch – fast wie im Fernsehen – “Tali, the Red-Zone-Dog” oder so ^^ .

Tali hatte viele Baustellen und mein Papa hat mit ihm erst im Frühjahr letzten Jahres komplett einen anderen Weg im Training eingeschlagen. Diverse aversive Trainingsmethoden hatten deren Beziehung über die Jahre nicht gut getan.

Ich habe mit Tali ab und an seit 2008 trainiert, aber ich sehe ihn einfach zu selten, um wirklich Fortschritte zu erreichen. Nachdem mein Papa sich richtig drauf eingelassen hatte und intensiv mit Markersignalen und Belohnungen trainierte (seit 2008 hatte er natürlich das eine oder andere von mir bereits übernommen gehabt), war deren Erfolg in kurzer Zeit in meinen Augen unglaublich. Er musste viel lernen, Tali musste viel lernen und lernen braucht Zeit. Diese haben sie sich genommen. So, dass beide lernen konnten und sich nicht überforderten.

Vor kurzem hatte ich mir Tali geschnappt, um mal wieder selber einen Spazi mit ihm zu machen. So schaut das jetzt aus:

(die Leerclicks sind keine, nur mein stimmliches Lob hört man durch den Wind nicht) und so in der Trainingsgruppe:

Bevor jetzt jemand schreit, aber die Hunde in einer Trainingsgruppe “kennt” Tali ja alle – 1) das stimmt nicht, wir haben regelmäßig Neuzugänge 2) Tali ist offline sehr verträglich. Sein größtes Problem war der enorme Frust durch die Einschränkung der Leine bei Hundsichtung – egal wie weit weg sie waren und ob er die Hunde kannte oder nicht. Frustration und Aggression liegen eng beieinander.

Ich dokumentiere gerne unser Training, auch das mit Zara. Wir haben nichts zu verbergen. Das bin ich, das sind wir. Manches läuft super, manchmal denkt man – mensch, wo hattest du deinen Kopp eigentlich gerade. Auch Hundetrainer/Innen sind nicht perfekt. Aber so ist das. Nichts geschönt, hindrapiert – real life training :) .

Wem es nicht gefällt, muss sich keine Anregungen davon holen. Niemand wird zu etwas gezwungen, auch nicht zum Artikellesen und Videosanschauen. Wer interessante Alternativen auf Video von seinem Training hat, darf diese aber ebenfalls gerne teilen!

Ich möchte diesen Artikel mit folgendem Zitat von Dr. Ute Blaschke-Berthold schließen:

“Dir ist der Weg des Lernens egal, weil nur das Ziel zählt? Der Weg ist mindestens so wichtig wie das Ziel, denn es ist der Lernprozess, der das Gehirn verändert!”

Ein kurzer Jahresrückblick und der “Wasser-Drache”!

Ein aufregendes, ereignisreiches, sehr lehrreiches und inspirierendes Jahr ist vorüber. Zara und Tali haben den Jahreswechsel sehr gut überstanden – sie haben tatsächlich so gut wie alles verschlafen :) !

2011 ist viel passiert. Sehr nette Menschen habe ich kennenlernen dürfen, bestehende Beziehungen haben sich vertieft und mir wurde es ermöglicht, die Ausbildung starten zu dürfen, welche mir so sehr am Herzen lag.

Zara durfte erfahren, dass die Anwesenheit und Nähe fremder Hunde durchaus ertragbar ist und sogar Spaß machen kann. Für uns beide war dieses ein ganz großes Geschenk! Die Entwicklung von Tali und meinem Papa erleben zu dürfen zielt ebenfalls in diese Kategorie! Was die beiden seit dem Frühjahr geschafft haben ist ein ebenso großes Geschenk für mich! Ich bin echt stolz auf die beiden! Das Training auf Basis von Markersignalen ist nicht nur etwas für die jüngere Generation!

Dieser Blog hatte allein 2011 über 29.000 Klicks! Was für eine unglaubliche Zahl! Vielen Dank an alle, die nicht nur hierher gefunden haben, sondern sich auch aktiv an Artikeln beteiligt haben! Damit meine ich nicht nur das Schreiben von Kommentaren hier, sondern auch die anregenden und interessanten Diskussionen auf Facebook! Dieser Blog ist mein “Tagebuch”. Ich hatte ihn seinerzeit für meine Familie und mich begonnen. Dass mittlerweile so viele daran Anteil nehmen  und Spaß am Stöbern haben, freut mich sehr!

Ein leicht bitterer Nachgeschmack hat die oben genannte Zahl, denn der Cesar Millan Artikel schlägt mit knappen 10.000 Klicks zu buche. Ich habe seit der Artikel 2009 verfasst wurde, nur 2 Kommentare nicht freigeschaltet. Man darf gerne unterschiedlicher Meinung sein, aber bei argen persönlichen Beleidigungen hört bei mir der Spaß auf. Ich bitte dafür um Verständnis!

Wenn ich einige Kommentare zu ihm lese bin ich teils wirklich erschrocken, wie abgestumpft so manche in unsere Gesellschaft zu sein scheinen. Körperliches Einwirken oder Einwirken über Hilfsmittel um Angst beim Gegenüber auszulösen und/oder sogar Schmerzen zuzufügen, damit Verhalten gehemmt bzw. gestoppt wird, ist für mich ein absolutes No-Go! Es wird in den Kommentaren oft angeführt, dass das was Cesar Millan so treibt für die Hunde gar nicht so schlimm sein kann, da sie ihn immer noch zu “lieben” scheinen. Ich hoffe wirklich sehr, dass mit der Zeit auch diejenigen lernen “zu sehen”!  Es ist möglich! Ich weiß das! 1999 sah die Welt für mich dahingehend sehr ähnlich aus.

2012 ist nach der chinesischen Astrologie das Jahr des „Wasser-Drachen“! Ein tolles Element und ein schönes Symbol! Ein Jahr der Aufbruchsstimmung!

Für mich wird es das Jahr sein in dem ich beginnen werde, mein bisheriges Wissen an Menschen weiter zu geben und sie im Umgang mit ihren Hunden zu schulen. Ich freue mich sehr darauf. INUTO will come!

Mal sehen, was das Neue Jahr so alles bringen wird! Ich werde es mit offenen Armen empfangen!

In diesem Sinne, euch allen ein Frohes Neues Jahr! Und vielen Dank an alle, die mich bisher so lieb unterstützt haben!

Nicole ☆彡

Dr. Ute Blaschke-Berthold über den “Social Support” – Trösten erlaubt!

Dr. Ute Blaschke-Berthold (CumCane®) hat auf Facebook einen wichtigen Beitrag zum Thema “Angst und Trösten” geschrieben! Ein Thema, welches gerade auch jetzt zum nahenden Jahreswechsel aktuell ist! Mir liegt es sehr am Herzen! Steht euren Hunden bei, wenn sie Angst haben und ignoriert sie nicht! Gebt ihnen Social Support!

Mit freundicher Genehmigung von Dr. Ute Blaschke-Berthold:

Unvermeidlich … Silvester!

Nicht nur am 31. Dezember wird das neue Jahr lautstark begrüßt, sondern bereits Tage, ja Wochen vorher bemerken wir, dass Krach machen für viele Menschen offensichtlich ein selbstbelohnendes Verhalten ist. Für viele Tiere allerdings bedeutet dies eine Konfrontation mit Angstauslösern. Knallgeräusche lösen bei vielen Tieren Schreck und Angst aus, weil es Geräusche sind, die sehr plötzlich sehr intensiv auftreten. Das Gehirn eines Hundes ist darauf vorbereitet, auf genau solche Reize mit Alarmiertheit, Anspannung, Vorsicht und Fluchtverhalten zu reagieren.

Jeder Hundehalter sollte sich darauf einstellen, dass sein Hund auf Knallgeräusche reagiert. Auch Hunde, die bislang nicht offensichtlich ängstlich reagierten, könnten beim nächsten Feuerwerk betroffen sein. Denn Angst wird durch viele verschiedene Faktoren graduell abgeschwächt oder verschlimmert. So werden unterschwellig vorhandene Ängste auch für den oberflächlichen Beobachter offensichtlich, wenn der Hund zusätzlich krank ist, mit Stressoren in seinem Umfeld zu tun hat, gerade mitten in seiner Jugendentwicklung steckt oder aber zu altern beginnt.

Egal wann, wie und wo ein Hund beginnt, Angst zu zeigen, die Empfehlungen für den Umgang mit dem Tier in diesen Situationen ähneln sich sehr. Der zentrale Punkt dieser Anleitungen lautet: Ignorieren Sie Ihren Hund, wenn er Angst hat, trösten Sie ihn keinesfalls. Trösten würde dem Tier zeigen, dass seine Angst berechtigt ist. Und so handeln viele Hundehalter gegen ihre Intuition und kümmern sich nicht um ihr Tier in den Stunden seiner Not.

Was ist dran?

Nun, zuerst stellt sich die Frage: WAS ist Trösten? Wie sieht es aus? Ist es ein typisch menschliches Verhalten oder hat es Wurzeln im Tierreich?

In der Verhaltensbiologie gibt es für das Phänomen des Tröstens einen Fachausdruck, Social Support! Das bedeutet “Soziale Unterstützung” und ist eines der Kriterien für kooperatives Verhalten in Gruppen. Menschen zeigen dieses Verhalten, aber auch viele andere Tiere, die in Gruppen leben, sind dazu fähig, geben und holen sich Social Support. Social Support bedeutet, Gruppenmitgliedern in stressenden Situationen durch körperliche Nähe und Zuwendung zu helfen. Körperliche Nähe und Zuwendung durch Bindungspartner senkt Blutdruck, Herzfrequenz und Spiegel der Stresshormone, und hilft, beängstigende Situationen besser zu bewältigen. Würde Social Support zu einer Verschlimmerung von Angstzuständen führen, hätte sich dieses sozio-positive Verhalten im Verlauf der Entwicklungsgeschichte nicht erhalten können! Keine Gruppe kann es brauchen, dass ihre Mitglieder immer ängstlicher werden.

Hundehalter sollten sich am Wissen über Sozialverhalten orientieren und ihren Tieren ausreichend Social Support geben, um ihnen durch die stressende Silvesterzeit zu helfen. Alles, was den Hund wirklich entspannt, ist Social Support und damit erlaubt. Ignorieren oder gar Wegschicken beschädigen die Beziehung zwischen Mensch und Hund, und sind darüberhinaus auch noch asozial!

Hundetraining im Jahre 1999 – da war die Welt noch in Ordnung, oder…?

Wir schreiben das Jahr 1999. Damals war die Hundetrainings-Welt noch in Ordnung!

Ich musste mir keine großen Gedanken um die Bedürfnisse meines Hundes machen. Die Tatsache, dass ich nett zu Shiwa war wenn sie sich so verhielt wie ich es mir wünschte, musste reichen. Nette Worte, häufiges streicheln und betätscheln, wenn sie was gut gemacht hat und wenn nicht, wurde halt korrigiert. Mit Bällen und anderem Spielzeug konnte ich Shiwa eh nicht erfreuen und das Mitführen von Leckerlies war irgendwie lästig. Zudem wollte ich mich nicht abhängig von Leckerlies im Training machen. Der Hund folgt dem Rudelführer Mensch aufgrund seiner Ausstrahlung und Persönlichkeit, nicht aufgrund von Leckerchen. Im Welpenalter war das Belohnen mit Leckerlies ja ok, aber 1999 war sie schon fast erwachsen, da musste sie so gehorchen. Das Ausbleiben einer Strafe ist doch Belohnung genug.

Unsere Hundeschule, zu der wir über eine Stunde Fahrtzeit in Anspruch genommen haben, war toll. Das meine ich wirklich so, wie es dort steht. Für damalige Verhältnisse war sie sehr fortschrittlich. Wir haben lange gesucht, da im Pinneberger Raum in vielen Schulen Schläge mit Hand oder Leine normal waren. DAS wollten wir nicht. So haben wir in unserer erwählten Hundeschule dann auch wirklich nicht trainiert. Zudem gab es viel Theorieunterricht. Wir lernten, dass wir mit dem Spielen beginnen und aufhören mussten, dass der Hund erst nach uns essen durfte, dass wir zuerst durch die Tür zu gehen haben und so weiter. Respekt und Bindung sollten so gefördert werden.

Wir haben fast “sprachlos” trainiert. Der Trainer legte viel Wert auf Handzeichen, loben mit Stimme und Streicheln, bei den erwachsenen Hunden, wenn sie eine Übung schon beherrschten, nur noch ab und an ein Leckerlie.

Aber war das, was wir getan haben, gewaltfrei?

Wir haben Videos von unserem Training 1999 gefunden. Shiwa macht im ersten Video toll mit, oder?

Und wie freudig sie ist, wie oft sie mich mit leuchtenden Augen anschaut! Kein einziges Mal in dem 30 minütigen Video!!!

Im folgenden Video sollte Shiwa Platz machen. Sie steckte in der Pubertät und so ein Mißachten eines “Kommandos” war nicht zu dulden. Wenn man sich da nicht durchsetzt, tanzen einem die Hunde ein Leben lang auf der Nase herum…

Ich war damals sehr stolz auf unsere Leistung. Wenn ich mir die Videos heute anschaue, stimmen sie mich sehr nachdenklich. Wie konnte ich so “blind” sein? Ich habe so gehandelt da ich der Überzeugung war, etwas wirklich Gutes zu tun – für Shiwa und mich.

Bei Shiwa hat diese Art des Trainings augenscheinlich für uns “funktioniert”. Sie hat sich kaum gewehrt, sie hat ertragen.  Shiwa lief oft ohne Leine, ohne Halsband – sie zeigte wenig Erkundungsverhalten. Sie hatte viele Freiheiten. Wie “frei” war sie wirklich?

Zara wurde von mir ebenso behandelt, wie ich es über die Jahre gelernt hatte. Auch sie hat es ertragen, hat mich aber sehr deutlich immer mehr gemieden. Ihr Verhalten anderen Hunden und Menschen gegenüber wurde jedoch stetig unangenehmer.

Tali zeigte uns, dass das was wir taten, auch mal nicht funktionieren kann. Naja, er ist ein Rüde, da muss man dann halt deutlicher werden. Nein. Ging nicht. Er zeigte uns ganz klar seine und unsere Grenzen. Es wäre definitv eine Frage der Zeit gewesen bis es eskaliert wäre. Zum Glück haben wir diesen deutlich winkenden Zaunpfahl wahrgenommen. Wir begaben uns erneut auf die Suche und wurden von lieben Menschen an die Hand genommen. Sie zeigten uns, wie wir mit einem Training auf Basis der positiven Verstärkung wieder Zugang zu unseren Hunden bekommen konnten.

Jedem steht es frei, so oder so mit seinem Hund zu trainieren. Ich wünschte mir nur, dass Menschen, die noch ebenso trainieren, wie wir es 1999 getan haben, ihre Hunde einmal wirklich “anschauen”, sie wahrnehmen und dann für sich entscheiden, ob sie das wirklich möchten. Wenn der Hund gehorcht in der Hoffnung, dass Strafe ausbleibt, ist das nicht wirklich erstrebenswert. Zeigt der Hund wenig Erkundungsverhalten, ist es ebenfalls nicht erstrebenswert.

Ziel des Trainings mit dem Hund sollte es sein, dass er sich den Situationen angepasst verhalten kann – nicht, dass er nichts tut.

Wie fühlt man sich, wenn man durchs Leben geht und man bei allem was man tut befürchten muss, dass man bestraft wird? Wie viel traut man sich noch auszuprobieren, zu erforschen, zu erkunden? Wieviel Spaß hat man da beim Lernen neuer Dinge? Wie fühlt es sich für einen an, wenn man mit jemandem zusammen lebt, der völlig unberechenbar reagiert? Gerne würde ich für Shiwa die Zeit zurück drehen. Ich kann es nicht. Das tut weh.

Damals, 1999, war die Hundetrainingswelt nicht in Ordnung…

“Es ist ein Unterschied, ob ein Hund seinem Menschen folgt aus Angst wegen eines Fehlers bestraft zu werden oder ob der Mensch der attraktive Mittelpunkt im Leben eines Hundes ist.
Dr. rer. nat. Ute Blaschke-Berthold

Entspannung

Heute hat Große Freude die Camera in die Hand genommen, um ihrem Freund in Japan zu zeigen, wie sie mit mir die “konditionierte Entspannung” trainiert. Durch dieses Entspannungstraining ist es mir möglich, selbst in ganz aufregenden Situationen auf ein Signal soweit entspannt zu werden, dass ich wieder klar denken kann und meine Menschen mich so wieder besser “erreichen” können.

Es mag vielleicht wie ein einfaches In-die-Decke-Kuscheln aussehen, es hat aber alles seinen Sinn :oops: !

Für mehr Informationen könnt ihr euch auch hier belesen  http://www.cumcane.de/ :) !

Nach und nach werde ich weitere Videos von mir und meinem Training posten. Vielleicht ist ja die eine oder andere Idee auch für euch dabei!