Archiv der Kategorie: Leinenaggression

Gedanken zum “Zeigen und Benennen”

Dieser Beitrag war ursprünglich nur eine Facebook-Notiz. Ich wurde aber drum gebeten, ihn auch außerhalb Facebooks zu veröffentlichen. Hier ist er :) .

„Zeigen und Benennen“ wird mittlerweile gerne als eine Art Allheilmittel für problematisches Verhalten empfohlen. Ich sehe diese Entwicklung eher kritisch. Dieses Werkzeug mutiert zu einer isolierten Technik und ist als solches nichtgedacht.

Ich habe dieses Trainingswerkzeug, entwickelt von Dr. Ute Blaschke-Berthold,  2008 erstmalig kennengelernt und natürlich ist es auch Teil meiner Ausbildung bei ihr.

Letztendlich ist die Idee dahinter sehr simpel. Wäre jedoch Training mit Hunden so einfach, müsste ich mich nicht um Ausbildung und Fortbildungen kümmern, um meinen Kunden Wissen zu vermitteln und mit ihnen zu trainieren.

Wir Trainer haben eine große Verantwortung den Hunden und Menschen gegenüber. Im Training selber ist das Analysieren von Situationen und das Schulen des Menschen für mich nicht immer einfach. Noch schwerer tue ich mich daher, Anleitungen für Anfragen in Foren oder auf Facebook zu geben, wenn es um Verhaltensfragen geht. Mir wird häufig vorgeworfen, ich würde mein Wissen im Netz zurückhalten, da ich damit Geld verdienen würde wollen. Vor ein paar Jahren hätte ich vielleicht ähnlich gedacht.

Zeigen und Benennen – es gibt mittlerweile einen schönen Artikel in der SitzPlatzFuss Ausgabe 14 http://www.sitzplatzfuss.com/die-themen/ausgabe-14/ von Ute dazu – hat seine Tücken. Diese erlebe ich live, wenn Menschen zu mir kommen, die es an ihren Hunden aufgrund von Tipps aus dem Netzausprobiert haben. Hunde, die bei der Benennung des Auslösers in die Leine preschen und sich arg gebärden, Hunde, die andere Hund fixieren und die Spannung immer größer wird.

Es gibt fortgebildete Hundhalter denen ich es zutraue, selbstständig neue Ideen imTraining ihres eigenen Hundes umzusetzen, aber das ist nicht der Großteil der Menschen, von denen ich so häufig Fragen zum Verhalten und Training ihrer Hundeim Netz lese.

Vor dem Verhaltenstraining sollte die funktionale Verhaltensanalyse stehen.

Zeigen und Benennen ist ein kleines Werkzeug, keine isolierte Methode, um Verhalten zu ändern. Es ist daher weniger vergleichbar mit den Trainingstechniken BAT, CAT oder LAT – wem diese Abkürzungen was sagen sollten.

Daher meine Bitte, auch wenn es Geld kostet, holt euch im Zweifelsfalle einen Trainer, der in dieser Thematik steckt, ins Haus, damit er sich eure Situation anschaut undeuch schult, damit ihr mit eurem Hund weiter trainieren könnt. Die Basis solltet ihr, je nach Kenntnisstand, in ca. 3-5 Stunden verstanden haben. Nagelt euren Trainer aber nicht darauf fest. Training ist sehr individuell.

So, nun ein paar Worte zum Zeigen und Benennen, die ich vor längere Zeit in einem Blogartikel verfasst hatte:

Im Aufbau gibt man das Markersignal, sobald der Hund den Auslöser entdeckt hat (Zeigen) und belohnt ihn dann. Hat man dieses mehrmals wiederholt, wird der Hund in Erwartung an das Markersignal beim Anblick dieses Auslösers sich leicht zu seiner Bezugsperson orientieren – z.B. durch eine leichte Kopfbewegung, das Zucken eines Ohres. Dieses wird dann markiert. Mit der folgenden Belohnung führt man den Hund mit der Belohnung in ein Alternativverhalten. Das ist die Stufe, in welcher mit der Benennung des Auslösers begonnen werden kann (Benennen). Benennt man zu früh, also in der Phase, in welcher der Hund noch sehr erregt ist, hat man mittels klassischer Konditionierung die Erregung mitdem Signal für den Auslöser verknüpft. Ist das passiert… shit happens! DieDeutsche Sprache hat so viele tolle Worte. Nehmt dann eine Neues!

Je nach Motivation des Hundes ist es erstrebenswert, wenn funktionale Verstärker(beispielsweise Distanz geben oder auch zum Auslöser hin gehen/pendeln) genutztwerden. Ein Keks als Verstärker für erwünschtes Verhalten ist in dem Rahmen, indem Zeigen&Benennen angewandt wird, oftmals nicht ausreichend. Bei Angstund Aggression teils sogar kontraproduktiv!

Was kann manmit Zeigen und Benennen erreichen, wenn man aus der Anfangsphase bei bestimmten Auslösern raus ist? Wie schaut es aus mit der Anwendung?

Bin ich mitZara unterwegs schaue ich sehr genau hin, wozu sie in der Lage ist. Wo braucht sie wie meine Unterstützung, in welchen Momenten kann sie alternatives Verhalten schon von alleine anbieten, wenn sie einen Auslöser selber gefunden hat, welches ich dann verstärken kann. Oder hat sie sogar einen Auslöser wahrgenommen, hat sich ins Alternativverhalten gebracht und ich sehe, dass sie mit ihrer Entscheidung sehr glücklich ist und ich dann “nur” noch ein verbales Lob hinter schicke. Es kommt mittlerweile immer häufiger vor, dass wenn ich mit Zara durch die Straßen gehe und sie einen Hund auf der gegenüberliegenden Straßenseite erblickt, die beiden sich kurz Anschauen, Zara sich abwendet und schnüffelnd weiter trottet. Da lobe ich sogar teilweise nicht mehr verbal, sondern lächle vor mich hin. Sollte Zara mich anschauen, wird sie dieses Lächeln verstehen!

Fragen nach einem Auslöser tue ich, wenn ich mir sicher bin, dass Zara ihn nicht wahrnehmen könnte und sich erschrecken wird, oder wenn sie was entdeckt hat und es nicht einordnen kann. Bei letzterem senkt dann das Signal für das Etwas deutlich das Erregungsniveau und ich warte dann oftmals auf ihr Alternativverhalten (Abwenden, Bogenlaufen, Schnüffeln, Handtouch..). Hinschauen lasse ich auch, wenn sie eigentlich nicht hinschauen möchte und den Auslöser meidet. Ich möchte nicht, dass sie Dinge meidet. Meidet/ignoriert sie Auslöser weiß ich, dass ihretwas nicht behagt. Hat sie hingeschaut, sich mit dem Ding/Person/Tierauseinandergesetzt, ist es für sie dann ok! Sie konnte lernen!

Bei Tali entwickelt es sich in vielen Bereichen sehr ähnlich. Das Suche lassen von Hunden nutzen wir bei ihm jedoch häufig als Belohnung. Tali möchte ja Kontaktzu anderen Hunden. Dieses ist jedoch aus verschiedenen Gründen nicht immermöglich. Anstatt ihn im Fuß an anderen Hunden vorbei zu führen, möglichst noch ohne Blickkontakt zum Auslöser – ich schreibe das hier jetzt so, da ich diesen Wunsch von vielen Menschen lese – darf er, nachdem er ein Alternativverhalten angeboten hat, gerne wieder hinschauen! Noch toller für ihn ist es, wenn derdort schnüffeln darf, wo sich der Artgenosse befunden hat.

Im Wald zum Thema Jagdverhalten ist“Zeigen und Benennen” in so fern praktisch, als dass wir:

a) “Bambi gucken”, “Häschen gucken” als Belohnung einsetzten können

b) Tali fragen, wo ist das XY? Schaut er in den Wald, schnuppert hinein und schaut uns danach mit fragenden Augen an, ist es eine wertvolle Information für uns. Das Gebiet für ihn “wildfrei”, er hat nichts gefunden undsomit darf er gerne offline des Weges ziehen.

Ein Punkt bezieht sich auf beide Hunde, unabhängig von der Örtlichkeit. Als Mensch ist man dazu geneigt, auch nicht immer die volle Aufmerksamkeit auf den Hund undauf die Umwelt zu haben. Mir ist es nicht möglich! Es gibt sie, die Momente, indenen ich vor mich hin träume, in denen meine Augen am Hinterkopf nicht funktionieren oder mir der Wind mein Gehör irritiert. Gut, wenn die Hunde dannfür einen aufpassen!

Der Auslöser wird zum Signal für alternatives Verhalten!

Stehe ich irgendwo dumm rum und genieße die Aussicht, weiß ich, wenn Zara mir mit der Pfote auf den rechten Fuß tippt oder meine Handfläche zum Anstubsen sucht, dass sie mir sagen möchte – Hey, ich hab ‘nen Hund gesehen!

Trödel ich träumend mit Tali durch den Wald, beobachte vielleicht noch das rege Treiben der Tierchen zwischen den Blättern auf dem Boden, bin ich sehr dankbar, wennTali stehenbleibt und geduldig in Richtung Rehe schaut, bis mein Gehirn mirfunkt – Tali hat was gefunden, sich sollte reagieren!

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Prüfung bestaaaanden!!! | Hundeführerschein nach IBH e.V. Richtlinien

Tali, mein Papa und ich haben haben heute die praktische Prüfung des Hundeführerscheins nach den Richtlinien des IBH e.V. bestanden! Zara mein Häschen, du hast gut über uns gewacht ♥ ! Der heutige Tag hätte auch dir viel Freude bereitet…! Wir sind sehr sehr glücklich!

Lieber Talismann, es war schön, die Prüfung mit dir heute laufen zu dürfen. Wir beiden hatten zwar keine wirkliche Vorbereitungszeit, aber gelernt ist gelernt, wie wir heute wieder einmal merken durften ♥ . Du bist großartig!!!

IBH Training

Liebe Diana Timmermann, lieber Gerd Schreiber und liebe Ute Blaschke-Berthold, vielen Dank, dass ihr unseren Weg begleitet habt (und auch weiterhin begleiten werdet). Ohne euch wäre der heutige Tag nicht möglich gewesen. Liebe Gerda Buse, danke, dass du uns Tali damals anvertraut hast. Er ist sooo toll ♥ !

Wer hätte vor einigen Monaten gedacht, dass mein Papa hat die Prüfung mit Tali laufen und bestehen wird… Auf ihn bin ich ganz schön dolle stolz! Wenn ich an die Anfänge des Trainings vor knapp 2 Jahren denke, die Entwicklung, die Tali und er in der Zeit durchgemacht haben…!

Die Umstellung von seinem aversiv-lastigen Training auf ein positiv-verstärkend-lastiges Training ist ihm nicht leicht gefallen, aber er hat sich durch gebissen, hat an sich gearbeitet – für seinen Tali. Nicht, dass ich schon vorher wusste, was die beiden geleistet haben und leisten können – der Alltag ist immer präsent und sie können noch mehr, als in der Prüfung heute gezeigt wurde, aber trotzdem ist so eine Prüfung doch immer etwas Besonderes.

Liebe Diana, dir noch ein speziellen Dank dafür, dass du uns beide angeschubst hast, nach der theoretischen Prüfung auch die praktische zu laufen. Deine Beharrlickeit war goldwert, denn die Trainingsziele mussten wir somit höher stecken. Es war auch Zeit dafür. Wir sind im Training dadurch einen großen Schritt weiter gekommen. Deine Prüfungsvorbereitungen waren toll!!! Ebenso wie der gesamte Ablauf der theoretischen und praktischen Prüfung. Ganz großes Kino, wirklich!

Vielen Dank auch an Kirsten Berger-Demski und Carmen Scherb! Ihr seid tolle Prüferinnen, die einem schnell den Druck nehmen und die Atmosphäre der Prüfung sehr angenehm werden lassen! Und zum Schluß auch vielen Dank an die Hospitanden! Es war ein richtig schöner Tag heute mit euch!

Nun heißt es neue Ziele stecken :) !

PS: Jetzt, wo ich den gesamten Prüfungsablauf einmal selber mit Hund erlebt habe darf ich sagen, dass ich jetzt noch mehr von der Qualität dieses Hundeführerscheins überzeugt bin!

http://www.ibh-hundeschulen.de/fileadmin/Media/PDF/Hundefuehrerschein/Flyer_HF_2012.pdf

Tali’s Vlog April 2013: 2008 war einmal – Prüfungsvorbereitung die Nächste

Wir schreiben das Jahr 2008. Unser erstes Seminar mit Ute. Für mich, die ich Tali mit dabei hatte, eine Katastrophe. Ich war maßlos überfordert – Anweisungen von hier, Hinweise von dort, von hinten mein Papa, welcher ständig dazwischen quatschte – und ich mit dem tobenden, gestressten Tali mittendrin.

Dazu all die neuen Informationen. Ich sollte versuchen nicht mehr an der Leine zuppeln, Tali nicht mehr mit den Finger anpieksen und ihn auch nicht mehr mit einem lauten HIIIIIER oder HEY zurück zu lotsen. Tali war oft am Toben, nicht ansprechbar und ich sollte versuchen „leiser“ zu werden. Ehrlich, das war so zum K*****. Nicht die Sache an sich. Ich war fasziniert von den neuen Gedankengängen, den neuen Trainingsansätzen. Alles ergab plötzlich einen Sinn, war in sich schlüssig. Nicht ohne Grund stehe ich heute dort, wo ich stehe und wandere mit Kunden und ihren Hunden durch die Welt. Aber all die neuen Informationen, der tobende Tali an der Leine, den ich Mühe hatte zu halten… Diana Timmermann war häufig während des Seminars an unserer Seite. Das gab ein Stück weit mehr Sicherheit.

Alles hat mal ein Ende

Das Seminar war irgendwann vorbei. Schreck lass nach. Alles hat mal ein Ende. Mein Papa fertig mit den Nerven. Wir geben Tali ab, sagte er. Das geht so nicht. Einen RR-Rüden ins Haus zu holen war ein Fehler… Es war nicht wirklich so gemeint, aber der Druck war enorm hoch.

Wir besuchten nach dem Seminar bei Diana einen kleinen Gruppenkurs. Einführung in das Training mit Markersignalen. Jedes mal über 80 km quer durch Hamburg und zurück. So schlecht konnte das Seminar nicht gewesen sein… Ich „durfte“ Tali in dem Kurs führen. Mein Papa hatte es sich nicht zugetraut und er war noch nicht wirklich überzeugt, dass es ohne Leinenrucke, lauter werden und Schnauze zu halten klappen könnte.

Die Zeit verging. Wenn ich mit Tali unterwegs war habe ich versucht, mit ihm zu trainieren. Aber es ging nicht oft. Und es ist eben suboptimal, wenn die eigentlichen Bezugspersonen nicht dieselbe Sprache mit dem Hund sprechen und doch aversiv tätig werden. 2009 waren wir auf einem weiteren Seminar mit Ute in Harmsdorf. Tali war schon deutlich ansprechbarer und mein Papa hatte eine Idee davon, dass das Training auf Basis der positiven Verstärkung vielleicht doch funktionieren könnte.

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(Tali und Diana 2013)

Eine neue Zeitrechnung beginnt

2011 im frühen Sommer hatte mein Papa sich einen Ruck geben. Das erste Training mit Tali zusammen bei Gerd Schreiber. Warum nicht bei Diana? Man darf nicht vergessen, dass auch hier die Klassische Konditionierung wirkt. Das Seminar war noch in seinem Kopf. Mit Gerd war es unvorbelasteter und die beiden kannten sich von dem Seminar 2009. Drei Männer unter sich plus Kamerafrau :) . Es war eine sehr wichtige Zeit für uns und Gerd hat Wundervolles geleistet.

Nach ein paar Stunden bei Gerd habe ich das Training der beiden übernommen. Innerhalb einer Familie ist manches anders, als wenn man Kunden betreut… Aber es ging voran und wir haben uns gut zusammengerauft :D . Wann immer es möglich war haben wir versucht, die Zeiten zum Training zu nutzen. Vieles haben sich die beiden jedoch zusammen erarbeitet.

Die letzten Wochen haben Tali und mein Papa noch mehr trainiert, da sie nach bestandener Sachkundeprüfung des IBH Hundeführerscheins nun auch in der Praxis antreten werden.

Das Wiedersehen

Heute waren wir alle vier das erste Mal nach dem Seminar 2009 zusammen. Tali, mein Papa, Diana und ich. Diana sollte mal einen Blick auf die beiden werfen. Supervision. Wichtig! Ich bin in einigen Bereichen mit Tali zu befangen – ähnlich wie mit Zara. Es tut gut, wenn dann eine neutrale Person drauf schaut. Dienstag waren wir mit Zara bei ihr. Es lief phantastisch – mein Ömchen… Mein Papa jedoch war danach ein bisschen demotiviert. Tali kann das nicht, die Anforderungen zu hoch. Wie sollen wir die Prüfung schaffen, das wird nie klappen. Die fremden Menschen…

Der Tag heutige war wichtiger als die kommende Hundeführerschein-Prüfung. Ich hatte nur die Kamera in der Hand und hab die Drei machen lassen (das auf der Linse im Video ist im Übrigen SCHNEE! Tsss…). Unbekanntes Gebiet mit recht hohem Wildbestand. Die beiden wurden mit vielen Situationen konfrontiert, die wir so nie geübt hatten… Diana hatte sich wieder fiese Geschichten ausgedacht :D . Mein Papa war recht angespannt, da Tali auf fremde Menschen bei Distanzunterschreitung aggressiv reagiert hatte. Zu fremden Menschen zählte alles, was nicht direkt Familie ist. Es war so schön zu sehen, was Tali trotzdessen umsetzen konnte und angeboten hat!

Es hat so wunderbar geklappt, wir haben viel zusammen gelacht und uns gefreut. Harmsdorf hat für meinen Papa den Schrecken von 2008 verloren! Ich bin durch die wunderbaren Ute-Seminare in Harmsdorf eh schon gegenkonditioniert. Was die beiden in der kurzen Zeig geleistet haben ist großartig. Vom Gegeneinander zum Miteinander. Der eine oder andere kann sich vielleicht vorstellen, was es für uns bedeutet.

Ob es am Tage der Prüfung eben so läuft steht in den Sternen, aber den heutigen Tag kann uns keiner nehmen. Ich danke allen von Herzen, die unseren Weg bisher begleitet haben! Im Speziellen Ute, Diana und Gerd!  Das Training geht weiter…! Ende April zum Arbeitsspaziergang mit mehreren Mensch-Hund-Teams und dann High Noon im Mai :D  !

Wir waren über eine Stunde unterwegs – hier ein Mini-Ausschnitt:

Tali’s Vlog März ’13: Generalisieren von Signalen | Prüfungsvorbereitung

Ich bin immer wieder überrascht wie prima Tali sich macht, wenn ich mal wieder sehe. Berichtet wird mir häufig über Trainingserfolge und auch über Dinge, welche noch intensiver trainiert werden müssten.

In Anbetracht dessen, dass wir uns für die IBH-Hundeführerschein-Prüfung angemeldet haben, die an einem Ort stattfinden wird, der uns nicht vertraut ist, werden nun neue Trainingsziele gesteckt, damit wir auf möglichst vieles vorbereitet sind. Die Anforderungen an Hund und Halter sind nicht gering. Mittlerweile freue mich wirklich auf die Prüfung, denn die Vorbereitung macht ziemlichen Spaß. Wir müssen uns nun mit Dingen im Training auseinander setzen, die vorher in unserem Alltag nicht so wichtig waren.

Tali und Zara sind halt Land- und Waldhunde. Da dieses die Orte sind, wo wir uns vornehmlich aufhalten, trainieren wir vornehmlich auch nur das, was uns aktuell wichtig ist. In der Stadt sind wir selten, noch seltener mit Hund.

Neues Ziel – erweitere Trainingsaufgaben :) !

IBH Training

Mein Papa hat ein paar neue Werkzeuge wie das seitliche Pendeln, den Seitenwechsel hinter der Bezugsperson und isometrische Übungen in für Tali vertrauter Umgebung trainert. Da Hunde sich schwer tun im Verallgemeinern, müssen diese Werkzeuge auch dort sorgsam trainiert werden, wo man sie im Realeinsatz braucht.

So ein Tag war heute. Samstag vormittag, 5°C im Minus, gefühlte Minus 20 bei sehr eisigem Ostwind, die Finger mit wenig Gefühl und langsam in der Bewegung – beste Trainingsvoraussetzungen ;) . Man kann leider nicht alles haben. Der Frühling wird schon noch kommen :D !

Neue Dinge in den Alltag zu integrieren zusammen mit dem deutlichen Wind ist leicht stressend für beide Seiten, aber sie haben die Situationen super bewältigt.

Im Gegensatz zu gestellten Trainingssiutationen kommen die Dinge im Alltag manchmal so, wie man sie gerade eigentlich nicht braucht. Wenn man jedoch die richtigen Bewältigungsstrategien im Kopf hat, ist alles halb so schlimm!

Menschen, die auf Tali zukommen und womöglich noch unrund gehen, kann Tali mittlerweile gut ertragen. Mit Fahrrädern, die direkt auf ihn zufahren, hat er noch Probleme.

Hier ein paar Ausschnitte von heute Vormittag:

Bin ich mit meinen Kunden unterwegs, bin ich die Ruhe selbst, egal was passiert. Dieses ändert sich manchmal, wenn ich mit dem eigenen Hund unterwegs bin. Mit Zara verbindet mich eine lange Geschichte. Erinnerungen und Erfahrungen mit ihr behindern in speziellen Situationen meine Objektivität. Daher freue mich mich sehr darauf, dass die liebe Diana Timmermann bald auf Zara und mich schauen wird.

Tschakka, wir schaffen das :D !

Geschichten über Prüfungen, tierärztekammerliche Zertifizierungen und Entspannung

Lange habe ich nichts von uns berichtet, da es eigentlich auch nicht wirklich Nennenswertes zu berichten gab. Das Training von Zara und Tali läuft prima. Es gibt sie zwar auch bei uns, die Tage, die niemand braucht und wo man meint, warum musste das denn jetzt wieder sein – beispielsweise Gruppen unangeleinter Hunde von Ausgehservicen, die auf Zara zuschießen und nicht zurückgerufen werden – aber auch damit können wir mittlerweile gut umgehen.

Prüfung

Recht frei nach dem Motto “Was du deinen Kunden ans Herz legst, erfahre es einmal selber!”, stecke ich derzeitig in einem Kurs zur  “Vorbereitung auf den Sachkundnachweis für den Hundeführerschein nach IBH e.V.-Richtlinien” mit Prüfung Mitte März, veranstaltet von Diana Timmermann. Auch mein Papa hat sich dazu entschlossen und darüber freue ich mich wirklich sehr.

2005 hatten wir den Sachkundenachweis der „Gefahrenhundeverordnung der Tierärztekammer Schleswig-Holstein“ gemacht. Wenn ich mich daran zurück erinnere und den Inhalt des IBH-Sachkundenachweises dem gegenüberstelle, ziehe ich meinen Hut vor diesem sehr gut ausgearbeiteten Theorieteil des Sachkundenachweises des IBH.

Die  ebenso wirklich gut durchdachte praktische Prüfung für den HundeFÜHRERschein findet im Mai statt und – tadaaa – Zara und Tali werden auch da teilnehmen! Wer hätte das vor einiger Zeit noch gedacht, dass wir mit unseren beiden Knalltüten bei einer Prüfung vorstellig werden.

Für mich spannend ist, dass die Prüfung im Mai auch den werdenden IBH-Prüfern als Praxisteil ihrer Ausbildung dient und somit einige Trainerkolleg(in)en auf mich und Zara schauen werden *huijuijui*.

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Hundetrainer-Zertifizierung der Tierärztekammer Schleswig-Holstein

Ich war fast soweit zu sagen, okay, ich werde die Zertifizierung starten, damit ich von behördlicher Seite auch als Trainerin empfohlen werden kann. Diese Zertifizierung wurde einmal ins Leben gerufen, da es keine einheitliche Ausbildung für Hundetrainer gibt und man eine Art Standard schaffen wollte. Allem voran Dr. Dorit Feddersen-Petersen, Dr. Pasquale Piturru und Michael Grewe. Herr Grewe ist einigen Lesern vielleicht noch bekannt durch ein Video, in welchem er einem seiner Studenten während eines Ausbidlungsseminares angeleitet hat, wie man aggressives Verhalten eines Hundes mittels der Napfmethode hemmen kann.

Die Welle der Empörung war riesig – berechtigt in meinen Augen -  und es kam zur Anhörung bei der Tierärztekammer Schleswig-Holstein Anfang Februar. Bisher ist mir kein Ergebnis bekannt.

Die Frage die sich mir gewaltfrei arbeitende Trainerin stellt ist – Wird die Tierärztekammer Schleswig-Holstein einem der Gründungsmitglieder die Lizenz entziehen, oder wird das Schlagen eines Hundes mittels Blechnapf zu Ausbildungszwecken anerkannt werden und somit legal? Hackt die eine Kräher der anderen kein Auge aus? Oder, oder, oder?

Sollte dieses der Fall sein, dann möchte ich eines wirklich von Herzen nicht – mit dieser Trainerzertifizierung, sei sie auch noch so behördlich anerkannt und mir eventuell dadruch mehr Kunden schaffend, in Verbindung gebracht werden! Rucken, Schlagen/Klapsen, Kneifen, laute Worte – all das haben ich und meine Hunde vor Jahren durchmachen müssen und ich möchte es einfach nicht mehr. Die Zeit dieser Art des Hundetrainings ist vorbei!

Jedem das Seine, mir das Meine! Nach dem derzeitigen Stand der Dinge sage ich Nein zur Zertifizierung der Tierärztekammer Schleswig-Holstein.

Und wenn mir jemand erzählen möchte, bei aggressiven Hunden musss ab und an mal der Napf geschwungen werden, dann gebe ich diesem Menschen eine Liste mit guten Seminaren an die Hand, wo ihm Alternativen aufgezeigt werden. Fortbildung in diesem Bereich ist wichtig – auch wenn man schon lange “im Geschäft” ist.

 

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Jetzt noch was Angenehmes zum Abschluß!

Entspannung

Zwei Workshops unseres “Entspannungstrainig für Hundehalter und -trainer” sind gelaufen. Dennis und ich waren überwältigt von der Resonanz. Es fing an mit einer kleine Idee und mittlerweile haben wir so liebe und einfühlsame Menschen kennenlernen dürfen, die alles für ihre Hunde tun, sich selber jedoch oftmals wenig Zeit für sich gönnen.

Eine Teilnehmerin, die Ulrike Seumel (Dog it Right), hat eine Seminarbericht geschrieben. Vielen lieben Dank!

http://www.dogitright.de/blog/entspannung-und-deeskalation-im-alltaeglichen

In diesem Sinne, passt auf euch und eure Hunde auf!

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Trainingsmethoden: 5. Zutaten und Rezepte

Haben Sie einiges von den Beispielen der vier Konsequenzen der operanten Konditionierung im Fernsehen vielleicht schon einmal gesehen? Oder Haben Sie diese selber im Training mit Ihrem Hund angewandt? Alle Trainer bedienen sich dieser vier Konsequenzen, egal mit welchen Worten sie ihre Trainingsmethode beschreiben.

Worin sie sich unterscheiden ist die Häufigkeit, mit der sie die jeweiligen Konsequenzen einsetzen.

Es gibt Trainer, die im Training mit dem Hund sehr häufig positive Bestrafung und negative Verstärkung einsetzen und sehr wenig positive Verstärkung in ihrem Programm haben. Das Ausbleiben einer Strafe ist für diese Trainer oftmals Belohnung genug.

Andere Trainer geben den Hunden häufig eine angenehme Rückmeldung und belohnen Verhalten. Bei ihnen ist der Anteil der positiven Bestrafung sehr gering. Verhindern kann man sie leider nicht ganz, da Hunde in vielen Fällen im Alltag über eine Leine gesichert werden müssen. Rennt ein Hund in eine Schleppleine und man hält diese fest, gibt es einen Ruck und somit eine unangenehme Konsequenz. Aber wenn man in diesem Momenten dem Hund kurz ein Warnsignal zukommen lässt, dass die Leine gleich zu Ende sein wird, hat er die Möglichkeit im Laufe der Wiederholungen zu lernen, dass er durch ein Abbremsen den Leinenruck verhindern kann.

Fairness und Vertrauen

Auch ist es wünschenswert, wenn Trainer ihre Kunden so in Trainingssituationen führen, dass die Hunde auch die Chance haben, oft erwünschtes Verhalten zeigen zu können, welches der Hundehalter dann positiv verstärken kann. Im Training sollte man Hund und Hundehalter nicht auflaufen lassen oder Fallen stellen, damit dann unerwünschtes Verhalten korrigiert und somit bestraft werden kann. Das ist dem Hund und auch dem Halter gegenüber nicht fair und man hat Chancen vertan, erwünschtes Verhalten einzufangen.

Zeigt ein Hund unerwünschtes Verhalten, sollte dieses unterbrochen werden, denn jede Ausführung dieses Verhaltens wirkt wie ein Training. Möchte man Verhalten unterbrechen, wäre es auch da wünschenswert, wenn dieses möglichst ohne negative Nebenwirkungen geschieht. Hat man beispielsweise mit seinem Hund ein Zurückkommen, ein Sitzen oder Stoppen mit positiver Verstärkung trainiert, sind natürlich auch dieses sehr gute Abbruchsignale! Durch diese ist man sogar in der Lage, dem Hund eine Information darüber zu geben, was er statt es unerwünschten Verhaltens tun sollte. Das ist viel mehr wert als z.B. ein „Nein“, eventuell unterstützt mit Wasserspritzen, Rütteldosen oder einem Leinenruck.

Für mich als Hundehalter und –trainer ist es wichtig, dass ich durch meine Trainingsanleitung keine Angst steigere oder Aggressionen auslöse. Das Training muss so ablaufen, dass möglichst niemand zu Schaden kommt – weder Mensch noch Hund.

Gefahr der Eskalation

Die Gefahr, dass Situationen eskalieren und der Hund seine Zähne einsetzt, wenn positive Bestrafung angewandt wird, ist mir einfach zu groß. Das Problem sind zum einen die Verletzungen, welche entstehen können. Zum anderen ist es nun mal so, dass die angegriffene Person zurück zuckt und der Hund mit seinem Verhalten auf jeden Fall Erfolg hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass er seine Zähne in der nächsten Situation wieder einsetzen wird, ist recht wahrscheinlich.

Auch bei einem Hund, welcher bereits gelernt hat, dass der Einsatz von Zähnen ihn weiter bringt, kann ich keine Trainingstechnik anwenden, welche Aggressionen auslösen und Angst steigern könnten. Wo soll das hinführen?

Wird man von dem eigenen Hund angeknurrt oder sogar gebissen, ist das für viele Menschen extrem belastend und ich kann verstehen, dass sie ihm sagen möchten “So nicht, mein Freund…!”.

Trainer sollten versuchen ihre Kunden anzuleiten, in diesen Situationen über ihren Schatten zu springen und tatsächlich auch in kritischen Momenten mit Belohnungen und nicht mit Strafe zu arbeiten. Dieses ist möglich!

Hundschule Pinneberg

Managementmaßnahmen wie Maulkorb, Leine und Trenngitter (=Kindergitter) sind besonders bei Problemen mit Aggressionsverhalten wichtig, um besonnen im Training reagieren zu können und die Umwelt zu schützen. Erlangte Fertig- und Fähigkeiten werden mit dem Fortscheiten des Trainings Managementmaßnahmen nach und nach ablösen. “Leider” sind diese Methoden häufig nicht so dramatisch mit anzusehen und uninteressant für das Fernsehen. Training ist jedoch ein Prozess und dieser braucht Zeit!

Wenn es aber sichere Wege im Training gibt, warum sollte man auf ein Training zurückgreifen, welches zu einer Gefahr für Mensch und Hund werden könnte? Wie würden Sie entscheiden?

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Trainingsmethoden: 4. Positive Verstärkung

Konsequenz Nummer 4 “Positive Verstärkung” (befriedigende Belohnung):

Zeigt ein Hund ein Verhalten und diesem Verhalten wird etwas Angenehmes hinzugefügt, wird der Hund es häufiger zeigen. Belohnungen sind etwas Schönes und mit einem Gefühl der Freude verbunden.

Je öfter der Hund eine angenehme Rückmeldung von seinem Menschen bekommt, welches Verhalten sich für ihn lohnt, desto häufiger wird er sich auch für das Verhalten entscheiden, welches der Mensch gerne häufiger sehen möchte.

Je öfter der Hund erwünschtes Verhalten zeigt, da er gelernt hat, dass es sich für ihn lohnt, desto weniger Raum hat er, unerwünschtes Verhalten zu zeigen. Auf eine sehr nette Art und Weise ist man so in der Lage, dem Hund Grenzen zu setzen, da man ihm mit der angenehmen Rückmeldung für das Verhalten, welches der Mensch als erwünscht und belohnenswert empfindet, einen Handlungsrahmen schafft.

Egal ob Menschen, Hunde oder andere Tiere – alle sind im Leben einen Großteil damit beschäftigt, ihre Bedürfnisse befriedigen zu können. Daher ist es eine sehr natürliche und artgerechte Form des Trainings, sich diese Bedürfnisse im Training zu Nutze zu machen.

Leckerchen? Futter? Mensch als Futterautomat?

Leckerchen oder Futter sind nicht immer die optimale Belohnung, wenn man Verhalten auch verstärken möchte, damit es häufiger gezeigt oder erhalten wird!

Möchte ein Hund gerne Wild hetzen und Sie möchten ihm zeigen, dass sich das Zurückkommen zu Ihnen lohnt, dann ist vielleicht ein kurzes Rennspiel oder ein Spielzeug an der Schnur, welches man über den Boden bewegen kann, eine viel bessere Belohnung. Die Chance, dass Ihr Hund beim nächsten Rückruf wieder freudig zu Ihnen kommt, ist somit sehr viel größer, da er weiß, dass Sie sein aktuelles Bedürfnis nach Bewegung in Form von Hetzen/Jagen befriedigen können.

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Die Bezugsperson des Hundes ist ein wichtiger Teil in seinem Leben und wenn sie viel mit positiver Verstärkung trainiert ein noch wichtigerer, aber das heißt nicht, dass die Umwelt mit ihren vielen tollen Dingen nicht auch interessant sein kann und darf!

Viele Bedürfnisse des Hundes werden im Alltag durch die Umwelt direkt befriedigt, wodurch Verhalten auch durch die Umwelt positiv verstärkt wird. Daher ist es wichtig, sich die Umwelt im Training ebenfalls zu Nutze zu machen. So wird ihr Hund schnell zu einem kooperativen Partner, der Spaß und Freude an der Zusammenarbeit mit Ihnen hat. Dieses wiederum stärkt die Vertrauensbasis und die Bindung.

Ein weiterer Vorteil – das Training über positive Verstärkung löst kein Angst- und Aggressionsverhalten aus, da der Hund sich nicht bedroht fühlt.

Für die Hundehalter ist der Start in diese Art des Trainings vielleicht etwas anstrengender als eine Klapperdose zu werfen oder an der Leine zu rucken, da sie ihren Hund beobachten müssen. Sie müssen ihn beobachten, um  erkennen zu können, wann er erwünschtes Verhalten zeigt. Kurz bevor der Hund ins unerwünschte Verhalten fällt, gibt es den Moment des erwünschten Verhaltens, den man mit einer Belohnung noch verstärken kann! Auf der anderen Seite ist eine gute Beobachtung wichtig, um kreativ in der Gabe der Belohnungen zu werden.

Egal welchen Konsequenzentyp man im Training anwenden möchte, um Einfluss auf das Verhalten des Hundes zu nehmen, muss man sich im Klaren darüber sein, dass letztendlich das Hundehirn darüber entscheidet, ob eine Konsequenz strafend oder verstärkend aufgenommen wird. Manche vom Hundehalter erdachte Strafe wird im Hundegehirn nicht als solche aufgenommen, sondern wirkt vielleicht nur irritierend, und manche gut gemeinte Belohnung kann strafend wirken, wenn beispielsweise die Körperhaltung des Menschen zum Zeitpunkt der Belohnung bedrohlich ausschaut.

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Trainingsmethoden: 3. Negative Verstärkung

Konsequenz Nummer 3 “Negative Verstärkung” (erleichternde Belohnung):

Zeigt ein Hund ein Verhalten und etwas Unangenehmes verschwindet, empfindet der Hund dies als Erleichterung. Somit wird er dieses Verhalten häufiger zeigen, da er sich besser fühlt.

Möchte man einem Hund das Sitz beibringen, ist eine Methode, das Wort Sitz zu sagen, dann mit den Fingern auf das Hinterteil das Hundes zu drücken, während man ihn mit der Leine in Position behält. Der Druck ist etwas Unangenehmes und der Hund wird versuchen, sich Erleichterung zu verschaffen und sich hinsetzen. Mit der Zeit wird er lernen, dass er bei dem Wort Sitz sich lieber gleich hinsetzt, da er so dem Unangenehmen entkommen kann.

Ähnlich verhält es sich, wenn man dem Hund “Sitz” sagt, er sich nicht gleich hinsetzt und man dann ein paar Schritte auf ihn zu geht, meist mit einer etwas bedrohlichen Körperhaltung. Man unterschreitet die Distanz zum Hund, dem Hund wird es unangenehm, er setzt sich und dann nimmt der Mensch sich wieder zurück und schafft Erleichterung.

Nutzt man die negative Verstärkung in dieser Art und Weise wird dem aufmerksamen Leser nicht entgangen sein, dass die Bezugsperson der Situation zuerst immer etwas Unangenehmes hinzufügen muss.

Zeigt ein Hund jedoch Angst- oder Aggressionsverhalten, da er sich unwohl fühlt in Gegenwart eines anderen Hundes, Menschen oder Autos, dann ist das sich Entfernen vom Auslöser dieses Verhaltens eine erleichternde Belohnung. Gerade im Training bei Angst- und Aggressionsverhalten ist das Arbeiten mit negativer Verstärkung eine wichtige Belohnung für erwünschtes Verhalten. Das Unangenehme für den Hund wird in diesem Fall nicht von der Bezugsperson hinzugefügt und dann wieder entfernt, sondern es kommt direkt aus der Umwelt.

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Trainingsmethoden: 2. Negative Strafe

Konsequenz Nummer 2 “Negative Bestrafung” (frustrierende Strafe):

Negative Bestrafung bedeutet, dass der Hund bestraft wird, in dem ihm etwas Angenehmes genommen wird (negativ), wenn er ein unerwünschtes Verhalten zeigt. Sie wirkt auch, wenn er aus einer Situation geführt wird, die ihm angenehm ist.

Bellt ein Hund, zum Beispiel um die Aufmerksamkeit seiner Bezugsperson zu bekommen, kann er damit bestraft werden, in dem man ihn in einen anderen Raum bringt, in dem er alleine sein muss. Somit hätte der Hund die komplette Aufmerksamkeit seiner Menschen verloren. Ähnlich verhält es sich mit dem Tipp, einen Hund zu ignorieren, wenn er einen anspringt. Diese Art der Bestrafung funktioniert jedoch nicht, wenn der Hund einfach Spaß am Bellen oder Springen hat und die Ausführung des Verhaltens schon Belohnung genug ist.

Frustration

Das Training über negative Bestrafung kann effektiv, aber für den Hund auch sehr frustrierend sein. Frustration lässt die Erregung deutlich steigen, wodurch aggressives Verhalten ausgelöst werden kann. Da der Hund sich aber nicht körperlich angegriffen fühlt wie bei der positiven Bestrafung, tritt eine verteidigende Aggression nicht auf. Da die negative Bestrafung über Frustration arbeitet, kann sie nicht bei unerwünschten Verhalten wirkungsvoll eingesetzt werden, wenn dieses aufgrund von Frustration entsteht.

Trainiert der Besitzer eines Hundes viel mit positiven Bestrafungen kann es passieren, dass der Hund es als belohnend empfindet, wenn er kurz in einen anderen Raum geführt wird, wo er ohne seine Bezugsperson verbleiben darf. In diesem Fall würde der Besitzer des Hundes ein Bellen durch das räumliche Trennen sogar verstärken!

Verstärken bedeutet, dass ein Hund ein Verhalten weiterhin, häufiger, intensiver, schneller oder länger zeigen wird, wenn die Konsequenz auf das gezeigte Verhalten vom Hund als belohnend empfunden wird.

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Zara - Dogo Canario and her ball

Trainingsmethoden: 1. Positive Strafe

Konsequenz Nummer 1 “Positive Bestrafung” (ängstigende Strafe):

Vielleicht fragen Sie sich gerade, wie eine Strafe positiv sein kann. Da fragen Sie sich richtig, denn in diesem Fall bedeutet positiv nicht, dass die Strafe toll ist, sondern dass etwas zu einer Situation hinzugefügt wird.

Ein Hund zeigt ein Verhalten wie zum Beispiel an der Leine ziehen, wenn er einen anderen Artgenossen sieht, welchen er begrüßen möchte. Reagiert der Hundehalter auf das Ziehen an der Leine beispielsweise mit einem Leinenruck, dann wird der Situation etwas Unangenehmes (=Bestrafung) hinzugefügt (=positiv, im mathematischem Sinne).  Im Hundetraining sind unangenehme Konsequenzen für den Hund desweiteren typischerweise der Leinenruck, ein Kneifen in die Lenden, das Werfen einer Klapperdose, das Bespritzen mit Wasser, laute Worte oder eine bedrohliche Körperhaltung des Hundehalters.

Strafen sollen Verhalten stoppen oder zumindest hemmen, so dass es vom Hund in Zukunft weniger häufig gezeigt wird. Sie wirken dadurch, dass sich der Hund erschrickt oder ihm Schmerzen zugefügt werden – kurz, das Sicherheitsbedürfnis des Hundes wird angesprochen. Sicherheit ist für ein Lebewesen enorm wichtig, denn wenn es zu spät reagiert, kann es für das Lebewesen schon zu spät sein. Ein Grund, warum Lebewesen schnell darauf reagieren. Wir Menschen übrigens ebenso.

Nur ein Schreck? Eine Irritation?

Aber egal, ob es „nur“ ein kurzer Schreck ist oder sogar ein Schmerz, es hinterlässt unangenehme Gefühle. Der Hund fühlt sich bedroht und empfindet Angst. Die Intensitäten sind je nach Grad der Bestrafung unterschiedlich.

Positive Bestrafung kann sehr effektiv sein, wenn bestimmte Regeln beachtet werden wie zum Beispiel dass sie angekündigt werden muss, bevor sie vollzogen wird, damit der Hund die Chance hat, sein Verhalten eigenständig zu ändern, um der Bestrafung zu entgehen. Dafür sollte vorher ein Alternativverhalten trainiert werden. Ansonsten weiß der Hund nicht, wie er sich anders verhalten kann. Zudem muss das unerwünschte Verhalten sofort und immer dann bestraft werden, wenn es auftritt. Bestrafungen sollten auch tatsächlich Verhalten weniger häufig auftreten lassen. Muss man wiederholt strafen, ist die gedachte Bestrafung keine gewesen und der Hundehalter im Training wenig effektiv – der Hund jedoch sehr gestresst. Dieses lässt das Erregungsniveau steigen und macht unerwünschtes Verhalten noch wahrscheinlicher. Positive Bestrafung ist wenig effektiv bei angeborenem Verhalten.

Im Alltag sind die Regeln der effektiven Bestrafung oft schwer umsetzbar. Die Gefahr, dass hier Fehler seitens der Hundehalter gemacht werden ist relativ groß. Dieses ist problematisch, da das Trainieren mit positiver Bestrafung Angst steigern und auch aggressives Verhalten auslösen kann, wenn der Hund sich gegen die Bedrohung wehren und verteidigen möchte oder muss.
Tali Rhodesian Ridgeback

Nebenwirkungen?

Eine weitere potentielle Nebenwirkung ist möglich, da das Gehirn des Hundes versucht, Unangenehmes zu vermeiden. Das Gehirn versucht dabei  herauszufiltern, was kurz vor dem Unangenehmen geschehen  ist oder wo sich der Hund zu diesem Zeitpunkt befunden hat, damit es beim nächsten Mal schneller auf eine Gefahr reagieren und sie abwenden oder ihr entfliehen kann. Hat das Hundegehirn abgespeichert, dass es vor der Strafe ein Kind gesehen  hat, kann es passieren, dass beim nächsten Mal schon der Anblick eines Kindes ausreicht, um Angst- oder Aggressionsverhalten auszulösen, da es zur Vorhersage von positiver Strafe, zu einer Vorhersage von etwas Unangenehmen, geworden ist. Das Hundehirn kann dazu auch abspeichern, dass sich die Bezugsperson im Umfeld befunden hat. Wird die Bezugsperson des Hundes zur Vorhersage einer unangenehmen Konsequenz, ist der Hund im argen Konflikt.

Diese Nebenwirkung tritt nicht immer auf, aber man muss sich bewusst sein, dass es passieren kann, denn es ist biologisch sinnvoller komplette Situationen abzuspeichern, da das Lebewesen sich so am besten vor potentiellen Gefahren schützen kann. Diesen Vorgang der Abspeicherung nennt man Klassische Konditionierung und wurde von Iwan Petrowitsch Pawlow entdeckt und beschrieben. Sie hat mit der operanten Konditionierung direkt nichts zu tun, aber dadurch, dass dieser Vorgang im Gehirn automatisch abläuft und der Hund darauf keinen Einfluss hat, ist sie ein ständiger Begleiter. Klassische und operante Konditionierung laufen immer parallel.
Den Vorgang der Abspeicherung nennt man Klassische Konditionierung. Sie hat mit der operanten Konditionierung direkt nichts zu tun, aber dadurch, dass dieser Vorgang im Gehirn automatisch abläuft und der Hund darauf keinen Einfluss hat, ist sie immer ein Begleiter.

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