Dr. Ute Blaschke-Berthold über den „Social Support“ – Trösten erlaubt!

Dr. Ute Blaschke-Berthold (CumCane®) hat auf Facebook einen wichtigen Beitrag zum Thema „Angst und Trösten“ geschrieben! Ein Thema, welches gerade auch jetzt zum nahenden Jahreswechsel aktuell ist! Mir liegt es sehr am Herzen! Steht euren Hunden bei, wenn sie Angst haben und ignoriert sie nicht! Gebt ihnen Social Support!

Mit freundicher Genehmigung von Dr. Ute Blaschke-Berthold:

Update von Ute vom 14.12.2014 am Ende des Textes zum Thema Vorbereitungen und Werkzeuge!

Unvermeidlich … Silvester!

Nicht nur am 31. Dezember wird das neue Jahr lautstark begrüßt, sondern bereits Tage, ja Wochen vorher bemerken wir, dass Krach machen für viele Menschen offensichtlich ein selbstbelohnendes Verhalten ist. Für viele Tiere allerdings bedeutet dies eine Konfrontation mit Angstauslösern. Knallgeräusche lösen bei vielen Tieren Schreck und Angst aus, weil es Geräusche sind, die sehr plötzlich sehr intensiv auftreten. Das Gehirn eines Hundes ist darauf vorbereitet, auf genau solche Reize mit Alarmiertheit, Anspannung, Vorsicht und Fluchtverhalten zu reagieren.

Jeder Hundehalter sollte sich darauf einstellen, dass sein Hund auf Knallgeräusche reagiert. Auch Hunde, die bislang nicht offensichtlich ängstlich reagierten, könnten beim nächsten Feuerwerk betroffen sein. Denn Angst wird durch viele verschiedene Faktoren graduell abgeschwächt oder verschlimmert. So werden unterschwellig vorhandene Ängste auch für den oberflächlichen Beobachter offensichtlich, wenn der Hund zusätzlich krank ist, mit Stressoren in seinem Umfeld zu tun hat, gerade mitten in seiner Jugendentwicklung steckt oder aber zu altern beginnt.

Egal wann, wie und wo ein Hund beginnt, Angst zu zeigen, die Empfehlungen für den Umgang mit dem Tier in diesen Situationen ähneln sich sehr. Der zentrale Punkt dieser Anleitungen lautet: Ignorieren Sie Ihren Hund, wenn er Angst hat, trösten Sie ihn keinesfalls. Trösten würde dem Tier zeigen, dass seine Angst berechtigt ist. Und so handeln viele Hundehalter gegen ihre Intuition und kümmern sich nicht um ihr Tier in den Stunden seiner Not.

Was ist dran?

Nun, zuerst stellt sich die Frage: WAS ist Trösten? Wie sieht es aus? Ist es ein typisch menschliches Verhalten oder hat es Wurzeln im Tierreich?

In der Verhaltensbiologie gibt es für das Phänomen des Tröstens einen Fachausdruck, Social Support! Das bedeutet „Soziale Unterstützung“ und ist eines der Kriterien für kooperatives Verhalten in Gruppen. Menschen zeigen dieses Verhalten, aber auch viele andere Tiere, die in Gruppen leben, sind dazu fähig, geben und holen sich Social Support. Social Support bedeutet, Gruppenmitgliedern in stressenden Situationen durch körperliche Nähe und Zuwendung zu helfen. Körperliche Nähe und Zuwendung durch Bindungspartner senkt Blutdruck, Herzfrequenz und Spiegel der Stresshormone, und hilft, beängstigende Situationen besser zu bewältigen. Würde Social Support zu einer Verschlimmerung von Angstzuständen führen, hätte sich dieses sozio-positive Verhalten im Verlauf der Entwicklungsgeschichte nicht erhalten können! Keine Gruppe kann es brauchen, dass ihre Mitglieder immer ängstlicher werden.

Hundehalter sollten sich am Wissen über Sozialverhalten orientieren und ihren Tieren ausreichend Social Support geben, um ihnen durch die stressende Silvesterzeit zu helfen. Alles, was den Hund wirklich entspannt, ist Social Support und damit erlaubt. Ignorieren oder gar Wegschicken beschädigen die Beziehung zwischen Mensch und Hund, und sind darüberhinaus auch noch asozial!

Udate von Ute: Vorbereitung und Werkzeuge!

Nicht mehr lange …
… und es wird wieder an allen möglichen und unmöglichen Stellen knallen, zischen, stinken. Die Vorbereitungen auf diese für viele Hunde schwierige Zeit sollten jetzt abgeschlossen sein. Es ist eine gute Idee zu überprüfen, ob Du wirklich an alles gedacht hast!

1. Nimmt der Hund seine Sicherheitszone in der Wohnung wirklich an? Verknüpfe sie nach wie vor sorgfältig mit Beschäftigung durch Kauartikel und Futterspielzeug sowie mit Maßnahmen zur Entspannung wie ätherische Öle und Musik.

2. Hast Du den Hund vertraut gemacht mit Thundershirt oder Körperbandagen? Experimente mit einem Hund in der Silvesternacht verschlimmern meist seinen Zustand! Hilfsmittel müssen vertraut gemacht werden, bevor sie helfen sollen.

Ohrenschützer wie die Mutt Muffs dämmen Geräusche um 20 – 30 Dezibel. Auch mit diesem Hilfsmittel sollte der Hund vertraut gemacht werden, bevor es wirklich laut wird.

Du möchtest Deinem Hund durch Massagen helfen? Auch diese entspannende Maßnahme muss vorbereitet sein. Beobachte Deinen Hund während der Massage: Woran kannst Du erkennen, dass er sich wirklich entspannt? Atmet er langsamer? Fühlt sich seine Muskulatur weicher an? Bekommt er einen „Schlafzimmer-Blick“? Legt er sich bequemer hin? Bietet er Dir bestimmte Körperbereiche an?

3. Ist eine unterstützende Medikation vorbereitet? Nahrungsergänzungen, Pflanzenpräparate und psychoaktive Medikamente benötigen oft eine Vorlaufzeit von 10 – 14 Tagen, um ausreichend wirken zu können.

L-Theanin, Melatonin, Tinkturen von Baldrian und Passionsblume und (für Fälle starker Angst) Benzodiazepine wie Alprazolam wirken dagegen schnell und können situativ eingesetzt werden.

Dein Tierarzt hat ein Präparat mit den Wirkstoff Acepromazin (z.B. Vetranquil, Sedalin, …) verschrieben? Bitte, verwende es nicht! Acepromazin wird heute nicht mehr in der Verhaltenstherapie verwendet, weil es bessere Alternativen gibt. Ausserdem soll es NICHT BEI GERÄUSCHANGST gegeben werden!

4. Es ist nicht möglich, vor den Knallgeräuschen wegzulaufen! Ständig nach neuen Spazierwegen zu suchen, kann gerade für einen ängstlichen Hund sehr belastend sein: „Neu“ ist immer aufregend und in vielen Fällen auch anspannend und bedrohlich. Suche eine Strecke aus, die Dein Hund gerne läuft, und strukturiere sie mit Bereichen der Entspannung und beruhigenden Interaktionen.
Wichtig sind auch Bereiche, die mit Action verbunden sind: Ball, Frisbee, Suchspiele, Buddeln. Diese Strukturierung hilft Deinem Hund, Knallgeräusche während des Spazierengehens besser zu verkraften. Sie helfen auch, eine Flucht nach Hause oder zum Auto ohne Zwang zu unterbrechen.

5. Viele Hunde haben an den Tagen um Silvester herum zu viel Angst, um Urin und Kot ausserhalb der Wohnung absetzen. Ihnen hilft das Einrichten einer Lösestelle möglichst nahe an der Haustür! So eine Stelle kann leicht etabliert werden, allerdings braucht es etwas Geduld. Gehe mit Deinem Hund nach draussen zu der vorgesehenen Lösestelle, wenn es seine Zeit für den Absatz von Urin und Kot ist. Warte mit ihm dort solange, bis er sich löst. Wenn es an dieser Stelle erst einmal nach ihm selber riecht, wird es immer schneller gehen. Gehe danach immer erst einmal in die Wohnung zurück, bevor Du Dich für den Spaziergang mit dem Hund bereit machst. Zu Beginn wirst Du Dich etwas gemein fühlen, weil der Hund erst zu seinem gewohnten Spaziergang kommt, nachdem er sich an der neuen Stellen gelöst hat. Es ist aber unbedingt notwendig, dass es diese Lösestelle gibt: Sie ist nicht verknüpft mit Spazierengehen – denn davor wird der Hund sich wegen der Knallerei fürchten. Und sie ist mit Erleichterung verbunden! Beides wird Deinem Hund an den schlimmsten Tagen helfen.

Hast Du etwas in dieser Liste gefunden, das noch bearbeitet werden sollte? Dann hast Du noch einige wenige Tage Zeit. Nutze sie sinnvoll, es ist wichtig. Angst ist keine Lappalie, Angst macht krank!

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19 Kommentare zu “Dr. Ute Blaschke-Berthold über den „Social Support“ – Trösten erlaubt!

  1. Pingback: Gruselgeschichten vom Angst verstärken - Dogs in the City

  2. Pingback: Der Jahreswechsel naht mit lautem Knallen… *reloaded* | Whippets de Lobito Azul

  3. Pingback: Angstverhalten | Chakanyuka

  4. Für Hunde, die mit der Knallerrei zu Silvester Probleme haben!

    Bitte KEINE Medikamente geben, die Acepromazin enthalten (wie z.B. Vetranquil oder Sedalin). Leider ist auch vielen Tierärzten nicht bewusst, dass sich mit diesen Medikamenten die Geräuschempfindlichkeit verschlimmert!

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  5. Pingback: Der Jahreswechsel naht mit lautem Knallen… « Whippets de Lobito Azul

  6. Pingback: Dr. Ute Blaschke-Berthold über den “Social Support” – Trösten erlaubt! « Lagotto Romagnolo

  7. Ein sehr interessanter Artikel, endlich mal einer, der nicht gegen mein „Bauchgefühl“ geht.
    Trotzdem bin ich immer recht verunsichert, wie ich am besten reagiere, wenn meine 7 jährige Hündin durch Schüsse in eine nicht mehr ansprechbare Panik fällt. Wenn es nicht so arg ist, kann ich sie noch ablenken (Spiel) oder herrufen (Kontakt),
    Interessanter Weise machte ich die gleiche Beobachtung wie Andra (w.o.), an der Leine Panik und als ich sie (kurz vor Daheim, keine Strasse) ableinte, lief sie zuerst Richtung Haus, drehte aber dann wieder zu mir um und kam zurück und dass ich sie gerufen hätte.
    Wird die Belastung zu arg, dann gerät sie aber so in Panik, dass sie nur mehr „weg“ möchte. Ich bin mir unschlüssig, ob ich ihren Zieh-Drang nach Haus nachgeben soll (überhaupt, wenn noch ein weiterer Weg ist und sie immer mehr zieht und die Panik scheint mir immer ärger wird), oder besser sich hinzuhocken und die Sache „aussitzen“? Und wenn hinhocken, soll ich sie rufen, oder warten bis sie alleine kommt? Sie sucht zwar meine Nähe (auch Körperkontakt), will sich aber nicht unbedingt (fest)halten lassen. Ableinen traue ich sie mir dann nicht.
    Wäre über jeden Tipp sehr dankbar,
    vielen Dank im Voraus und liebe Grüße, Gaby

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    • Ich clickere in soche Panikattacken (erfolgreich) hinein. Voraussetzung ist, dass der Hund den Marker auch wirklich gut verknüpft hat. Mit vielfältigen Belohnungen. Die Idee dahinter ist, dass die klassische Konditionierung (Hund fühlt sich während des Clickerns gut) unterschwellig langsam bemerkbar macht. Der Hund wird bei den ersten Malen wahrscheinlich nicht reagieren. Du kannst also versuchen, sie wegzuführen, während du clickerst. Ruhig aber kontinuierlich. Wenn sie sich irgendwann zu dir umorientiert und die Belohnung annehmen kann, gib sie ihr.

      Vielleicht bekommst du es auch so in den Griff! Mir hat es unwahrscheinlich geholfen.

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  8. Unser Cash reagiert umso gestresster wenn er bei Knallerei beim Spaziergang noch an der Leine ist. Für irgendwelche Kontaktaufnahme dann überhaupt nicht mehr empfänglich. Habe mich entschlossen meiner Intuition zu vertrauen und hab ihn von der Leine losgemacht. Keine Gefahr durch Str. o. Ä. natürlich. Allerdings des Weglaufenkönnens. Er tat es nicht. Fing an immer hin und herzulaufen. Fluchtinstinkt, dann aber doch die starke Bindung zu mir und der Althündin zurückzukommen, welches letztendlich doch überwiegt. So ist es zwar nicht optimal für ihn, aber erträglicher. Zuhause mache ich jetzt vor der Böllerei die Musik etwas lauter. Fenster und Rolläden zu. Obwohl er nun 13 J. alt ist hat er noch ein recht gutes Gehör. Die Maßnahmen greifen dann aber doch so gut, dass er nun nicht mehr klitschnassgehechelt ist und das schon lange vor der eigentlichen 0.00 Knallerei. Mehr als Handauflegen meinerseits kommt dann auch nicht mehr, da er auch sonst kein Schmusehund ist. Mehr wäre da für ihn zuviel.

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  9. Pingback: So hat unser Hund Silvester überstanden » Dalmi-Blog

  10. Hallo,

    bei Silvester draußen zu sein war für Angie sehr schlimm. Sie hatte öfters panische Angst durch die Knaller. Wir haben das Rausgehen natürlich auf das Notwendige reduziert, aber Pipi machen musste halt auch sein. In der Wohnung ging die Angst dann nach einiger Zeit zurück.

    Heute beim Nachmittagsspaziergang hörten wir mehrmals in der Ferne Geräusche die ähnlich wie Knaller klangen. Ich merke wie Angie immer angespannter wird und äußerst aufmerksam die Gegens scannte. Ich konnte sie mit Fingertouch kaum ablenken, obwohl sie es total gern macht. Sie hatte Angst und würde am liebsten nach Hause flüchten (rennt auch mehrmals panisch in die Leine). Ich kauerte mich hin und rief sie zu mir. Sie kam schwanzwedelnd zu mir, ich legte meinen Arm über sie (das kennt sie schon von klein auf) und sie drückte sich ganz fest an mich dran. Dann fing sie an zu zittern und ich kraulte ihren Bauch, was sie sehr gern hat und sie auch beruhigt. Ich hatte den Eindruck das es ihr aber nicht wirklich hilft die Angst zu minimieren. Ich bin dann einfach ganz normal weiter gegangen, habe sie für’s lockere Leine laufen geklickt, öfters freundlich gelobt und sobald sie in die Leine gesprungen ist, bin ich stehen geblieben. Im Grunde ganz normal ohne Aufregung, ohne Hektik – so wie wir es jeden Tag bei jedem Gassi machen. Nach einer Weile merkte ich wie sie immer ruhiger wurde und schlussendlich zu Hause doch recht entspannt ankam.

    Mich würde interessieren warum Angie anfing mit Zittern als ich sie zu mir nahm und mit Streicheln beruhigen wollte. Ich finde das schon etwas irritierend, vielleicht habt ihr dafür eine Erklärung? 🙂

    Liebe Grüße und danke im Voraus,
    Maja

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    • Liebe Maja,

      ich finde, du hast die Situation heute super gelöst!

      Angst ist eine negative Emotion und lässt sich mit positiven abschwächen. Positive Emotionen können ausgelöst werden durch Entspannung (nicht bedrohlicher Körperkontakt zum Menschen, Massagen, ätherische Öle….), Futter, evtl. Spielen (aber dafür muss der Hund sich noch einigermaßen sicher fühlen.

      Als du Angie zu dir gerufen hattest war ihr Körper vom Stoffwechsel her auf „Flucht“ gepolt. Du schriebst, dass, wäre sie durch die Leine nicht begrenzt gewesen, vermutlich weiter gelaufen wäre. Dass sie den Fingertouch nur schwer annehmen konnte sagt dir auch viel über ihren Erregungszustand.

      Nun kommt sie angelaufen, sie kuschelt sich an dich, ihr Körper ist nicht mehr in Bewegung, aber die Erregung ist noch hoch. Ich denke, dass das Zittern einfach aus dem recht plötzlichem „sie-nicht-mehr-bewegen“ herrührte und die Energie anderweitig nach Aussen getragen wurde.

      Als deine Entspannung zu wirken begann wurde sie ruhiger und der Erregungszustand geringer.

      Du gingst weiter und hast sie über das Markieren von nicht flüchtendem Verhalten im Vorderhirn gehalten. Das ist der „denkende“ Teil des Hirn und hemmt den reflexiven welcher Angie flüchten lässt.

      Du hast durch die Entspannung erreicht, dass Angie dir eine lockere Leine anbieten konnte! Ich finde das super klasse!!! Hast du geschaut, ob ein Fingertouch wieder ging? Durch das Abfragen von positiv aufgebauten Übungen schaffst du eine Teilung der Aufmerksamkeit, was das Erregungsniveau ebenfalls senkt und das Ausführen dieser Übungen stimmt auch positiv.

      Letztendlich kann nur Angie dir sagen, was sie in der jeweiligen Situation gefühlt hat, aber ich denke, dass so abgelaufen sein könnte.

      Vielleicht meldet sich Gerd ja noch zu Wort. Seine Einschätzung täte mich auch sehr interessieren 🙂 !

      Liebe Grüße
      Nicole

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    • Hallo,
      Nicole, das hast du sehr gut erklärt!!!
      Ich probiere es auch nochmal 🙂
      Vorweg, was Muskelsittern bedeutet! Der Fachbegriff ist Tremor, falls jemand Wikipedia bemühen möchte 🙂
      Muskelzittern ist, sofern nicht Krankheitsbedingt, eine normale Erscheinung! Muskeln werden mit einer bestimmten Frequenz moduliert und bewegen sich immer ein wenig! Meistens so wenig, dass es nicht spürbar oder sehbar ist! Kommt es zu einer verstärkten physiologischen Reizung, werden die Muskeln stärker durchblutet und „arbeiten“ stärker!
      Vielleicht kennt Ihr das ja, wenn man Muskeln übermäßig beansprucht und dann zur Ruhe kommt, zucken die Muskeln auch manchmal noch nach! Die Stärke der Impulse innerhalb der Muskeln ist erhöht, aber auch die Frequenz, mit der die Muskeln moduliert werden!
      Kommt es zu einer starken Angstreaktion, aktiviert ein Teil des autonomes Nervensystems alle Systeme, die für eine Flucht oder Kampfreaktion von Nöten sind, um entsprechend schnell reagieren zu können! Ist der Hund in Bewegung, fällt das nicht auf, kommt er zum stehen, ist Puls und Blutdruck natürlich weiter auf sehr hohem Niveau und entsprechend muß diese Energie irgendwo hin und dieses kann sich in einem rythmischen Zucken der Muskeln entladen!
      Der Hund kommt also zu uns gelaufen, bleibt stehen und wir drücken ihn an uns und spüren dann dieses Pulsieren!
      Natürlich verfliegt die emotionale Reaktion der Angst nicht von jetzt auf gleich, zumal sie ziemlich doll gewesen war. Durch das streicheln kann es aber trotzdem zu einer Entspannung gekommen sein, die zwar nicht weit genug ging, die körperlichen Sympthome zu mindern, aber doch soweit wirkte, um deinem Hund wieder denkend bekommen! Er konnte die Situation wieder klarer erfassen und entsprechend Signale und Tricks wieder ausführen! Die nachfolgenden Klicks und Belohnungen haben ihr übriges getan!
      Es gibt Massage-Protokolle die nach spätestens 10-20 Minuten „wirken“ sollten und der Hund entspannt da liegt! By the way, das ist auch die Zeit, nach der ich fast immer bei der Massage wegen eines verspannten Rückens eingeschlafen bin 🙂
      Wenn du dich also 5-10 Minuten hingehockt hättest, wäre dein Hund bestimmt weiter runter gekommen.
      So war es aber ein Türöffner, damit dein Hund wieder mitarbeiten konnte!

      LG

      Gerd

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      • Hallo Nicole, hallo Gerd,
        vielen Dank für eure kompetenten Antworten. Ich bin sehr froh, dass ich doch im Grunde alles richtig gemacht habe und auch weiß wie ich zukünftig in solchen Situationen handeln muss. Ich habe so im Gefühl, dass uns das Thema „Angstanfälle“ bei knallerähnlichen Geräuschen noch öfters mal beschäftigen wird.
        Vielen Dank noch mal.
        Liebe Grüße,
        Maja

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  11. Das Vorurteil, trösten sei falsch kommt daher, dass sehr viele Menschen „falsch“ trösten. Wer hat nicht schon eine/n selbst völlig aufgelösten Hundehalter/In erlebt, der mit völlig zittriger Stimme auf seinen Vierbeiner einwirkt, ihn (bei kleineren Exemplaren) hochreißt und dabei selbst ein völlig panisches Verhalten an den Tag legt? Anstatt dem Hund durch Körperkontakt und Ruhe zu signalisieren, dass er Unterstützung erfährt und sich auf die Überlegenheit seines Halters verlassen kann, strahlt ein solcher Halter selbst panische Angst aus, die dem Hund zeigt, dass seine eigene Angst völlig berechtigt ist, denn der Boss hat auch Schiss!

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    • Ich glaube nicht, dass das der Grund ist, warum gesagt wird, dass man Hund mit Angst nicht trösten soll! Hätte man gewußt oder akzeptiert, dass trösten hilft, hätte man versucht zu erklären, wie man richtig tröstet!
      Beim Alfawurf und Schnauzengriff haben sich die „Experten“ ja auch alles Mühe gegeben ;-).
      Ich vermutet, der Trugschluß kommt, so blöd wie ich das findet aus der Lerntheorie, genauer von Skinners anfänglichen Ansichten, nämlich, dass es nur auf die Reiz/Reaktion Kombies ankommt und wir nicht wissen brauchen, was im Körper abläuft. Und tatsächlich konnte man in den 40er und 50er Jahren noch nicht wissen, wie Angst funktioniert!
      Demnach würde es auch stimmen, dass Angst durch Belohnungen verstärkt werden würde!
      Nur weiß man ja inzwischen mehr 🙂
      Leider dauert es oft sehr lange, bis sich wissenschaftlich Erkenntnisse durchsetzen! 😦
      Aber das ist nur meine Meinung, natürlich kann auch deine stimmen 🙂 oder eine Kombi aus beiden oder noch mehr Gründen!

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  12. Wir sind schon gespannt, was zu Silvester passiert. Dafür haben wir auch aus Pappe eine „Hundehütte“ gebaut wo es dunkel und weich ist da unser Hund bei Angst unter unseren Schreibtisch kroch. Mal sehen ob die Hütte was bringt oder ob der Schreibtisch wegen des Körperkontaktes gewählt wurde.
    Ich frag mich wer auf das „wegschicken“ gekommen ist. Die wenigsten würden ihre eigenen Kinder so behandeln.

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