Trainingsmethoden: 1. Positive Strafe

Konsequenz Nummer 1 „Positive Bestrafung“ (ängstigende Strafe):

Vielleicht fragen Sie sich gerade, wie eine Strafe positiv sein kann. Da fragen Sie sich richtig, denn in diesem Fall bedeutet positiv nicht, dass die Strafe toll ist, sondern dass etwas zu einer Situation hinzugefügt wird.

Ein Hund zeigt ein Verhalten wie zum Beispiel an der Leine ziehen, wenn er einen anderen Artgenossen sieht, welchen er begrüßen möchte. Reagiert der Hundehalter auf das Ziehen an der Leine beispielsweise mit einem Leinenruck, dann wird der Situation etwas Unangenehmes (=Bestrafung) hinzugefügt (=positiv, im mathematischem Sinne).  Im Hundetraining sind unangenehme Konsequenzen für den Hund desweiteren typischerweise der Leinenruck, ein Kneifen in die Lenden, das Werfen einer Klapperdose, das Bespritzen mit Wasser, laute Worte oder eine bedrohliche Körperhaltung des Hundehalters.

Strafen sollen Verhalten stoppen oder zumindest hemmen, so dass es vom Hund in Zukunft weniger häufig gezeigt wird. Sie wirken dadurch, dass sich der Hund erschrickt oder ihm Schmerzen zugefügt werden – kurz, das Sicherheitsbedürfnis des Hundes wird angesprochen. Sicherheit ist für ein Lebewesen enorm wichtig, denn wenn es zu spät reagiert, kann es für das Lebewesen schon zu spät sein. Ein Grund, warum Lebewesen schnell darauf reagieren. Wir Menschen übrigens ebenso.

Nur ein Schreck? Eine Irritation?

Aber egal, ob es „nur“ ein kurzer Schreck ist oder sogar ein Schmerz, es hinterlässt unangenehme Gefühle. Der Hund fühlt sich bedroht und empfindet Angst. Die Intensitäten sind je nach Grad der Bestrafung unterschiedlich.

Positive Bestrafung kann sehr effektiv sein, wenn bestimmte Regeln beachtet werden wie zum Beispiel dass sie angekündigt werden muss, bevor sie vollzogen wird, damit der Hund die Chance hat, sein Verhalten eigenständig zu ändern, um der Bestrafung zu entgehen. Dafür sollte vorher ein Alternativverhalten trainiert werden. Ansonsten weiß der Hund nicht, wie er sich anders verhalten kann. Zudem muss das unerwünschte Verhalten sofort und immer dann bestraft werden, wenn es auftritt. Bestrafungen sollten auch tatsächlich Verhalten weniger häufig auftreten lassen. Muss man wiederholt strafen, ist die gedachte Bestrafung keine gewesen und der Hundehalter im Training wenig effektiv – der Hund jedoch sehr gestresst. Dieses lässt das Erregungsniveau steigen und macht unerwünschtes Verhalten noch wahrscheinlicher. Positive Bestrafung ist wenig effektiv bei angeborenem Verhalten.

Im Alltag sind die Regeln der effektiven Bestrafung oft schwer umsetzbar. Die Gefahr, dass hier Fehler seitens der Hundehalter gemacht werden ist relativ groß. Dieses ist problematisch, da das Trainieren mit positiver Bestrafung Angst steigern und auch aggressives Verhalten auslösen kann, wenn der Hund sich gegen die Bedrohung wehren und verteidigen möchte oder muss.
Tali Rhodesian Ridgeback

Nebenwirkungen?

Eine weitere potentielle Nebenwirkung ist möglich, da das Gehirn des Hundes versucht, Unangenehmes zu vermeiden. Das Gehirn versucht dabei  herauszufiltern, was kurz vor dem Unangenehmen geschehen  ist oder wo sich der Hund zu diesem Zeitpunkt befunden hat, damit es beim nächsten Mal schneller auf eine Gefahr reagieren und sie abwenden oder ihr entfliehen kann. Hat das Hundegehirn abgespeichert, dass es vor der Strafe ein Kind gesehen  hat, kann es passieren, dass beim nächsten Mal schon der Anblick eines Kindes ausreicht, um Angst- oder Aggressionsverhalten auszulösen, da es zur Vorhersage von positiver Strafe, zu einer Vorhersage von etwas Unangenehmen, geworden ist. Das Hundehirn kann dazu auch abspeichern, dass sich die Bezugsperson im Umfeld befunden hat. Wird die Bezugsperson des Hundes zur Vorhersage einer unangenehmen Konsequenz, ist der Hund im argen Konflikt.

Diese Nebenwirkung tritt nicht immer auf, aber man muss sich bewusst sein, dass es passieren kann, denn es ist biologisch sinnvoller komplette Situationen abzuspeichern, da das Lebewesen sich so am besten vor potentiellen Gefahren schützen kann. Diesen Vorgang der Abspeicherung nennt man Klassische Konditionierung und wurde von Iwan Petrowitsch Pawlow entdeckt und beschrieben. Sie hat mit der operanten Konditionierung direkt nichts zu tun, aber dadurch, dass dieser Vorgang im Gehirn automatisch abläuft und der Hund darauf keinen Einfluss hat, ist sie ein ständiger Begleiter. Klassische und operante Konditionierung laufen immer parallel.
Den Vorgang der Abspeicherung nennt man Klassische Konditionierung. Sie hat mit der operanten Konditionierung direkt nichts zu tun, aber dadurch, dass dieser Vorgang im Gehirn automatisch abläuft und der Hund darauf keinen Einfluss hat, ist sie immer ein Begleiter.

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