Trainingsmethoden: 5. Zutaten und Rezepte

Haben Sie einiges von den Beispielen der vier Konsequenzen der operanten Konditionierung im Fernsehen vielleicht schon einmal gesehen? Oder Haben Sie diese selber im Training mit Ihrem Hund angewandt? Alle Trainer bedienen sich dieser vier Konsequenzen, egal mit welchen Worten sie ihre Trainingsmethode beschreiben.

Worin sie sich unterscheiden ist die Häufigkeit, mit der sie die jeweiligen Konsequenzen einsetzen.

Es gibt Trainer, die im Training mit dem Hund sehr häufig positive Bestrafung und negative Verstärkung einsetzen und sehr wenig positive Verstärkung in ihrem Programm haben. Das Ausbleiben einer Strafe ist für diese Trainer oftmals Belohnung genug.

Andere Trainer geben den Hunden häufig eine angenehme Rückmeldung und belohnen Verhalten. Bei ihnen ist der Anteil der positiven Bestrafung sehr gering. Verhindern kann man sie leider nicht ganz, da Hunde in vielen Fällen im Alltag über eine Leine gesichert werden müssen. Rennt ein Hund in eine Schleppleine und man hält diese fest, gibt es einen Ruck und somit eine unangenehme Konsequenz. Aber wenn man in diesem Momenten dem Hund kurz ein Warnsignal zukommen lässt, dass die Leine gleich zu Ende sein wird, hat er die Möglichkeit im Laufe der Wiederholungen zu lernen, dass er durch ein Abbremsen den Leinenruck verhindern kann.

Fairness und Vertrauen

Auch ist es wünschenswert, wenn Trainer ihre Kunden so in Trainingssituationen führen, dass die Hunde auch die Chance haben, oft erwünschtes Verhalten zeigen zu können, welches der Hundehalter dann positiv verstärken kann. Im Training sollte man Hund und Hundehalter nicht auflaufen lassen oder Fallen stellen, damit dann unerwünschtes Verhalten korrigiert und somit bestraft werden kann. Das ist dem Hund und auch dem Halter gegenüber nicht fair und man hat Chancen vertan, erwünschtes Verhalten einzufangen.

Zeigt ein Hund unerwünschtes Verhalten, sollte dieses unterbrochen werden, denn jede Ausführung dieses Verhaltens wirkt wie ein Training. Möchte man Verhalten unterbrechen, wäre es auch da wünschenswert, wenn dieses möglichst ohne negative Nebenwirkungen geschieht. Hat man beispielsweise mit seinem Hund ein Zurückkommen, ein Sitzen oder Stoppen mit positiver Verstärkung trainiert, sind natürlich auch dieses sehr gute Abbruchsignale! Durch diese ist man sogar in der Lage, dem Hund eine Information darüber zu geben, was er statt es unerwünschten Verhaltens tun sollte. Das ist viel mehr wert als z.B. ein „Nein“, eventuell unterstützt mit Wasserspritzen, Rütteldosen oder einem Leinenruck.

Für mich als Hundehalter und –trainer ist es wichtig, dass ich durch meine Trainingsanleitung keine Angst steigere oder Aggressionen auslöse. Das Training muss so ablaufen, dass möglichst niemand zu Schaden kommt – weder Mensch noch Hund.

Gefahr der Eskalation

Die Gefahr, dass Situationen eskalieren und der Hund seine Zähne einsetzt, wenn positive Bestrafung angewandt wird, ist mir einfach zu groß. Das Problem sind zum einen die Verletzungen, welche entstehen können. Zum anderen ist es nun mal so, dass die angegriffene Person zurück zuckt und der Hund mit seinem Verhalten auf jeden Fall Erfolg hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass er seine Zähne in der nächsten Situation wieder einsetzen wird, ist recht wahrscheinlich.

Auch bei einem Hund, welcher bereits gelernt hat, dass der Einsatz von Zähnen ihn weiter bringt, kann ich keine Trainingstechnik anwenden, welche Aggressionen auslösen und Angst steigern könnten. Wo soll das hinführen?

Wird man von dem eigenen Hund angeknurrt oder sogar gebissen, ist das für viele Menschen extrem belastend und ich kann verstehen, dass sie ihm sagen möchten „So nicht, mein Freund…!“.

Trainer sollten versuchen ihre Kunden anzuleiten, in diesen Situationen über ihren Schatten zu springen und tatsächlich auch in kritischen Momenten mit Belohnungen und nicht mit Strafe zu arbeiten. Dieses ist möglich!

Hundschule Pinneberg

Managementmaßnahmen wie Maulkorb, Leine und Trenngitter (=Kindergitter) sind besonders bei Problemen mit Aggressionsverhalten wichtig, um besonnen im Training reagieren zu können und die Umwelt zu schützen. Erlangte Fertig- und Fähigkeiten werden mit dem Fortscheiten des Trainings Managementmaßnahmen nach und nach ablösen. „Leider“ sind diese Methoden häufig nicht so dramatisch mit anzusehen und uninteressant für das Fernsehen. Training ist jedoch ein Prozess und dieser braucht Zeit!

Wenn es aber sichere Wege im Training gibt, warum sollte man auf ein Training zurückgreifen, welches zu einer Gefahr für Mensch und Hund werden könnte? Wie würden Sie entscheiden?

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