Reise in die Lese-Vergangenheit – über Wissen, Wahrnehmung und Verstehen

Seit 1997 die erste Rhodesian Ridgeback Hündin in unser Leben getreten war, beschäftige ich mich mit Hunden, deren Training und Wölfen. Ich wurde in der damaligen Hundeschule mit einem Training vertraut gemacht, welches auf Rangreduktion beruhte und ein wenig mit Leckerchen arbeitete.

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Rudelführung

2005 trat das Gefahrenhundegesetz in Schleswig-Holstein in Kraft. Auch wenn unsere Hunde nicht in diese Kategorie fielen, hat unsere Familie zu der Zeit den Sachkundenachweis (SKN)  der „Gefahrenhundeverordnung der Tierärztekammer Schleswig-Holstein“ unter der Leitung von Dr. Pasquale Piturru gemacht. So ein Schein kann nicht schaden, dachten wir, und lernten wir auch noch was.

Ich befasste mich zu der Zeit wieder intensiver mit den Themen Hund/Wolf/Training. Studierte Bücher von Jan Fennell, Erik Zimen, Dr. Dorit Feddersen-Petersen u.a. schaute „Eine Couch für alle Felle“ mit Martin Rütter. Das alles gab zusammen mit meinem Wissen seit 1997 ein schönes Paket an Ideen für ein ausgeklügeltes Rangredukutionsprogramm.

Rudelführer sein ist anstrengend.

Damals

Unter den oben genannten Büchern war natürlich auch „Hunde“ von Ray und Lorna Coppinger. Ich habe dieses Buch geliebt und verschlungen, habe mit meinem damaligen Ausbilder (VPG) auf dem Hundeplatz darüber diskutiert. So kann ich noch nicht einmal sagen, ich hätte mich nicht mit diesem Buch intensiver beschäftigt.

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Heute

Aufgrund meines Studium habe ich es jetzt nach knappen 8 Jahren wieder in die Hand genommen. Zugegebener Maßen etwas widerwillig und unmotiviert, da ich dieses Buch mit einer bestimmten Zeit und mit einer für mich heute sehr unschönen Art des Trainings mit Hunden verbinde. Gleich das erste Kapitel hätte mich aber fast von der Couch gehauen. Nicht, weil mich der Inhalt generell überraschte – speziell die letzten 5 Jahren waren sehr lernintensiv – sondern, weil ich 2005 nicht über die Worte, die da sehr deutlich auf Seite 69 stehen, gestolpert war.

„…Hunde denken nicht wie Wölfe und verhalten sich auch nicht wie sie. Bücher über Hundeausbildung wollen uns aber glauben machen, dass Hunde ihr Verhalten direkt von den Wölfen übernommen haben. Es wird uns geraten, uns wie Rudelführer, wie Alpharüden zu benehmen und unsere Hunde wie rangniedere Tiere zu behandeln….“.

Blindfisch, Blindfisch, Blindfisch

Warum habe ich diesen und weitere solcher Sätze in dem Buch 2005 nicht wahrgenommen? Gelesen habe ich sie; es ist noch genau das selbe, ausgelesene Buch, welches ich hier jetzt neben mir liegen habe. Ich kann mich an diese Passage noch nicht einmal erinnern! Wenn ich diese Zeilen verstanden und angenommen hätte, was hätte das für unsere Hunde bedeuten können!!!

Lesen, wahrnehmen und verstehen – ich habe dieses Buch auf Basis meiner damaligen Erfahrungen und meines Wissens gelesen. Mein Gehirn scheint sehr interessant spezielle Bereiche selektiert zu haben. Die selektive Wahrnehmung trifft uns überall.

Ich kann Menschen heute keinen Vorwurf machen, wenn sie ein Buch wie beispielsweise  „Hundeverstand“ von John Bradshaw anders verstehen als ich es tue.

Nun bin ich sehr gespannt, wie sich „Hunde“ jetzt anfühlt, wenn ich es nach 8 Jahren erneut lese, was ich noch alles „neu“ entdecke, obwohl es damals schon dort stand.

Lesen will gelernt sein! Lernen bedeutet Veränderung! Veränderungen schaffen eine andere Wahrnehmung!

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6 Kommentare zu “Reise in die Lese-Vergangenheit – über Wissen, Wahrnehmung und Verstehen

  1. Ich weiß genau, was Du meinst, und ich habe mir das so erklärt, dass es an der Theorie liegt. Man hat praktische Situationen im Kopf und versucht, sie im Text wiederzufinden. Gelingt das, ist man sehr erleichtert und weiß nun, wie man es angehen soll. Die Möglichkeiten, wie man den Text noch interpretieren könnte, schöpft man nicht mehr aus, weil man ja glaubt, die Lösung gefunden zu haben. Mir ging das so mit der Ampelmethode für Hunde, rot, gelb, grün. Ich habe rein anhand der Texte zuerst nicht verstanden, dass mit rot schon Einschüchterung, Strafe usw gemeint ist. Also mit gelb warnt man den Hund, bedroht ihn quasi. Jetzt weiß ich, dass das schlimm ist, damals dachte ich, es ist ein logisches Abstufungssystem in der Mensch-Hunde-Kommunikation. Deshalb lese ich grundsätzlich keine Texte mehr von HundetrainerInnen, von denen keine Trainingsvideos zu finden sind. Ich kann mir dazu einfach keine Meinung bilden.
    Liebe Grüsse aus Wien
    Nicole

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    • > Die Möglichkeiten, wie man den Text noch interpretieren könnte, schöpft man nicht mehr
      > aus, weil man ja glaubt, die Lösung gefunden zu haben.
      Das ist ne ziemlich gute Erklärung.
      Wo ich mir aber einbilde, dass es hilft (auch theoretisch) ist, wenn man einen Sachverhalt liest und diesen von einem anderen Autor noch mal liest und das am besten noch mal von einem Dritten. Aber ein Ersatz für praktische Erfahrungen ist das nicht.

      Das mit den Videos mag gut sein aber auch hier glaube ich, dass man ggf gar nicht richtig interpretieren kann wenn einem das Wissen fehlt. Wenn ich an deine früheren Videos mit Tali und Zara denke … jetzt weiß ich ziemlich genau was du da gemacht hast und kann mir da auch was raus ziehen … früher habe ich immer fragen müssen und trotzdem oftmals nicht ganz verstanden auf was du hinaus willst. 🙂

      Olli … nicht aus Wien 🙂

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  2. Ha das mit den Büchern kenne ich aber ich finde das jetzt mal nicht so schlimm. Man wird ganz wuschig wenn man Bücher so lesen möchte dass man die Gedanken des Autors genau versteht. Ich setze mir den Anspruch nicht sondern lese einfach erst mal. Nach einem Jahr oder so beschäftigt man sich lieber noch mal mit der Sache und am besten noch mal – dann fallen einem dann Details auf, die man einfach nicht wahrgenommen hat oder verarbeiten konnte weil einem Wissen fehlte. Letzterer Punkt ist für mich ein ganz wichtiger – Zusammenhänge werden erst verständlich wenn man eine gewisse Vorbildung hat und so geht das immer weiter. Das ist zumindest meine Meinung

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  3. Ich hasse es, wenn man mit „News“ – Letter bombardiert wird und keine Möglichkeit hat sich davon zu befreien.
    Also bitte, unterlassen Sie es einfach.
    Leider musste ich diesen Weg wählen.

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    • Ich verstehe nicht, was Sie meinen 🙂 ! Sollten Sie Meldungen über neue Artikel meines Blogs bekommen, haben Sie ihn irgendwann einmal geliked. Das können Sie in Ihren Einstellungen ändern.

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    • Sie hatten mir eine weitere Mail geschrieben, aber die angegebene Mail-Adresse war falsch und die Mail kam zurück! Schauen Sie mal ganz unten in die Mail zu neuen Artikeln (vermutlich meinen Sie diese, wenn Sie über Newsletter schreiben). Da steht ganz unten, dass Sie Ihr getätigtes Abonnement wieder kündigen können 🙂 !

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