Miteinander Spielen – Teil 2 | Auswahl und Verknüpfungen

Wenn Menschen mit dem Hund spielen möchten, gehen sie oft von ihren Bedürfnissen aus. Sie haben vielleicht Bilder im Kopf, wie andere Menschen mit ihren Fellnasen über die Wiese toben, Zerrspiele starten, Bällchen werfen – aber welches sind die Wünsche des eigenen Hundes an das Spiel? Wo liegen seine Vorlieben?

Vorlieben

Was waren Tali’s Hobbys, was waren seine Vorlieben, welche Dinge nahm er gerne ins Maul? Womit mochte er sich beschäftigen?

Im ersten Teil hatte ich geschrieben, dass für Tali Spielzeuge keine große Bedeutung hatten. Stimmte das? Oder war es nicht wieder das verzerrte Bild, welches ich von einem mit Spielzeug spielendem Hund hatte?

Tali hatte zuhause (bei meine Eltern – Tali lebt ja nicht bei mir) wenige Spielzeuge, da er sich mit denen eh nicht so sehr beschäftigte. Bevorzugt waren es weichere – Kissen beispielsweise 😀 . Er kaute darauf rum, kuschelte mit ihnen, warf sie manchmal hoch, fing sie wieder auf, besonders dann, wenn er aufgeregt war. Seine Art der Beschäftigung mit Spielzeugen sah ganz anders aus als Zara’s, die sich auf alles stürzte, schüttelte, zerrupfte. Was mochte er noch?

Also wurde ein wenig was eingekauft – verschiedene Materialien, Oberflächen, Größen und Härtegrade. Einkaufen ist für mich ein Graus. Das Wort Shoppen (Kleidung) und ich sind irgendwie inkompatibel. Aber für die Hundekinder einkaufen gehen… huijuijui 😀 !

12.10.09 Tali 1

Tali bekam bei mir in der Wohnung eine Spielzeugtasche mit vielen unterschiedlichen Dingen. Bevor ich die Tasche öffnete und ihm sie hinstellte, fragte ich ihn immer „Tali, wollen wir spielen?“.

Dann durfte er in Ruhe die Tasche inspizieren, sie auskramen, sich mal mit diesem beschäftigen, mal mit jenem – ganz für sich alleine. Hatte er etwas gefunden, was er toll fand, kam er zu mir, knautschte darauf rum und ich habe ihm gesagt, was für ein tooooolles Spielzeug er da gefunden hat.

Der Beobachtungszeitraum in der Wohnung erstrecke sich über einige Tage.

  • Der Dottie auf Platz 1
  • Zergelseil
  • Quitschie von der Reizangel
  • mittelgroßer Gummiball mit etwas holperiger Oberfläche

Zudem überlegte ich, wie die Spielzeuge emotional etwas aufgewertet werden könnten. Draußen ist nicht in der Wohnung.

Verknüpfungen

Ich schrieb eine Liste mit Dingen, die Tali sehr viel Spaß machen, die ihm wichtig sind und versuchte, diese Gefühle mit den Spielzeugen zu verbinden. Ziel war es, dass der Anblick der Spielzeuge allein ausreichte, um ein Gefühl der Freude in ihm hervorzurufen. Klassische Konditionierung.

  • Die Spielzeugtasche wurde herausgeholt, wenn Tali bei mir zu Besuch war. Besuche bei mir sind immer spannend, aufregend. Ich vergleiche das oft mit Besuchen bei meiner Oma in meiner Kindheit. Dort war auch immer alles toller als zuhause 😀 !
  • Spielzeuge wurden präsentiert, bevor Tali seinen Napf mit Lecker Essen gefüllt bekam.
  • Spielzeuge wurden präsentiert, bevor ich ihn fragte, ob wir raus wollen.
  • Spielzeuge wurden präsentiert, bevor ich ein Rennspiel mit ihm startete. Rennspiel bedeutet, ich starte durch und Tali rennt hinterher, hüpft und zieht danach oft große Kreise um einen herum.
  • Spielzeuge wurden präsentiert und es wurde zu einer kleinen Futterstation gerannt. Das Futter hatte ich zuvor in einiger Entfernung ausgelegt.
  • Spielzeuge wurden präsentiert, bevor wir in der Wohnung ein paar Sachen trainierten (Handtouch, Bodentarget, Twist, High Five etc.) .

Tali hat so ganz nebenbei gelernt, ohne dass er etwas dafür tun musste, dass der Anblick von Spielzeugen etwas Tolles vorhersagt. Sie haben in seinen Augen deutlich an Wert gewonnen.

Tali2

Tali konnte sich in der Wohnung immer mehr auf ein ausgelassenes Spiel einlassen.

Der Transfer nach draußen war nicht ganz so einfach. Aber auch im Wald haben wir ein Plätzchen gefunden, an dem er sich einigermaßen sicher fühlte (Bedrohliches hemmt Spiel) und das Wild meist in einiger Entfernung stand.

Ich mag dieses Plätzchen sehr. Wenn ich Neues trainieren möchte versuche ich Orte zu finden, die auch bei mir eine angenehme Stimmung hervorrufen.

Es war so ein wunderschöner Moment, als ich nach einem kurzen Rennspiel Tali einfach mal das zuvor gezeigte Dottie zuwarf, er es auffing und damit wie ein Irrer seine Kreise zog. Dottie fallen lassen, weiter rennen, sich auf Dottie stürzen, hoch werfen, auffangen, damit weiter rennen. Ich hatte die Zeit nicht genommen, aber er hat es ausgiebig getan. Tali hat im Wald gespielt….! Als er fertig war, kam er mit dem Dottie in der Schnute zu mir und wollte Körperkontakt, wollte gekrault werden.

Das Dottie durfte er die ganze Zeit über in der Schnute behalten, ich habe es nicht angetastet, sondern einfach den Moment genossen.

Bei Tali war im Zuge des Trainings sehr deutlich zu sehen, dass später auch draußen die Tasche mit den Spielsachen, die Spielsachen selber und meine Frage, „Tali, wollen wir spielen?“ die Reaktion hervorrief, welche ich mir erhofft hatte .

Der erste große Schritt war getan. Der nächste wurde eingeläutet – das Spielen zusammen. Thema des dritten Teils!

Tali im Februar 2011 – Der Dank am Ende des Videos kommt immer noch sehr sehr von Herzen.

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3 Kommentare zu “Miteinander Spielen – Teil 2 | Auswahl und Verknüpfungen

  1. Pingback: Weltweites Wissen am Wochenende – Spielen | Chakanyuka

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