Alles braucht seine Zeit

Alles braucht seine Zeit. Wir haben Tali nicht in die Entscheidung mit einbezogen. Wir haben ihn nicht gefragt, ob er ebenfalls Freude an einer Welpette hätte. So häufig fallen Entscheidungen über den Köpfen der Hunde hinweg.

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Wir konnten ihm nicht mitteilen, dass seine Adoptivmama nicht mehr wieder kommen wird. Plötzlich war dieses kleine Etwas mit scharfen Zähnen und einer unglaublichen Energie in seinem Leben, welches immer mit mir zusammen auftauchte – wie Zara.

Nur Zara war anders. Sie suchte selten wirklich Kontakt zu Tali, er jedoch zu ihr. Gespielt haben die beiden sehr selten und es war eher ein Gerangel um Ressourcen als ein Spiel mit schönem Rollentausch. Spielzeuge gehörten eigentlich alle ihr – für Tali war es ok, denn er bekam von ihr uneingeschränkten Zugang zu mir. Zara hat Ressourcen verteidigt – subtil, aber deutlich. Ihre Blicke waren manchmal so scharf wie es ein Laserschwert sein muss. Ich war froh, dass ich ihm gegenüber in ihren Augen keine zu verteidigende Ressource gegewesen war.

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Zazou sucht häufig intensiven Körperkontakt und ich hatte befürchtet, dass das für Tali ein Problem werden könnte. Drum bemühe ich mich immer sehr wenn wir uns sehen, dass er viel Aufmerksamkeit von mir bekommt und Entspannungseinlagen, wenn Zazou in der Nähe ist. So weit lief alles gut.

Die Kleine war zu Anfangs sehr ungestüm – Tali ignorierend und wieder zuwendend, wenn sie ruhig war. Hat sie ruhig Kontakt aufgenommen, hat er sich ihr deutlich zugewendet. Ich selber weiß wie arg Zazou’s drolligen Minuten mehrmals am Tag an der Impulskontrolle zehren können und ich bewundere Tali für seine unglaubliche Geduld ihr gegenüber. Er ist ein toller Lehrer!

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Brauchte er mehr Distanz wurde geknurrt, der Körper blieb aber relativ weich, ebenso der Gesichtsausdruck.

Bis zu dem Tag, an dem Zazou sein Ohr gestanzt hatte. Der erste Mal, dass er deutlich Zähne gezeigt hatte, den Körperschwerpunkt sehr nach vorne nahm und grollte – und dann zu mir kam mit dem Gesichtsausdruck – Mama, auf den Arm!!! Ich habe die Situation beobachtet und hab das mit dem Ohr nicht mitbekommen. Ich sah nur Zazou’s Kopf in seiner Nähe, ein Quiecken und dann das deutliche Knurren und Zähne zeigen. Erst als mein Arm blutig war wusste ich, was passiert war. Da sag mir noch mal einer, er könne Momente, in denen Hunde aneinander geraten, aufs Detail wiedergeben.

Danach war erst einmal etwas Funktstille zwischen den beiden oder besser gesagt ein Knistern lag in der Luft. Auf jeden Fall von Tali’s Seite aus. Er wusste, dass ihre Zähne Aua gemacht hatten. Zazou hat die Verknüpfung von ins-Ohr-Schnappen und deutlicher Sprache von Tali nicht so hergestellt. Ohren, die können so bluten. Für uns war die Lage ebenfalls etwas anstrengend. Der kleine Raptor wurde immer gefrusteter, da Tali wenig Nähe zuließ – Tali war gestresst, konnte kaum Leckerchen nehmen und zog sich zurück. Ja, er hatte seine Ruhezone!

Und dann geschah es, eine Stunde, bevor ich von der Ostsee nach vier Tagen mit der Kleinen nach Hause fahren wollte, gute 48 Stunden nach der Stanzung – das Eis war gebrochen, sie haben gespielt!

Zuvor die Tage versuchte Tali Zazou mit Spielzeugen zu animieren, sprang auf sie zu, wieder zurück, häufig begleitet von einem Grollen. Daraus entwickelte sich manchmal ein zaghaftes Zerrspiel ohne frontale Ausrichtung beider. Zazou waren die Bewegung von Tali jedoch zu Anfangs etwas unheimlich und ein Hinterherflitzen seltener. Je größer das Areal, wo sich beide bewegen konnten, desto einfacher war es für beide, sich auf ein Spiel einzulassen.

Tali macht das so großartig. Er ist so umsichtig mit ihr, wird nicht grob, lässt sich jagen, überlässt ihr das Spielzeug, sein unglaubliches Gesicht dabei…!

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Dieses sind nur ein paar Minuten der ersten Spielphase ohne Spielzeug – das erste Körperspiel. Es gab gestern Abend insgesamt drei und sie wurden immer weicher und der Rollentausch immer deutlicher.

Nein, wir haben Tali nicht gefragt, ob es ok für ihn wäre, eine Welpette dazu zu holen. Aber wir haben uns viele Gedanken auch um ihn gemacht. Ich weiß, wie gerne er mit Zara hätte spielen wollen. Aber zum Spielen gehören immer zwei. Die Szenen gestern Abend ließen unsere Herzen aufgehen….

Zazou, 12 Wochen, 13 kg und irgendwas zwischen 44 und 45 cm.

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3 Kommentare zu “Alles braucht seine Zeit

  1. Danke für das Video. Solche Spielszenen habe ich bisher noch nicht gesehen. Tali bewegt sich richtig anmutig, mit weichen Bewegungen … fast wie ein Junghund nur eben mit deutlich mehr Gewicht.

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  2. Das ist so wichtig, dies mal zu beschreiben. Der Einzug eines Welpen ist eine so sehr emotionale Angelegenheit, die uns Menschen auch ständig in Wechselbäder eintauchen lässt. Wie die schon vorhandenen und nicht gefragten 🙂 Hunde damit umgehen, das ist so wichtig. Damit steht und fällt das ganze Projekt. Ich habe auch im letzten Jahr lernen müssen und dürfen, dass alle Beteiligte ihre Zeit bekommen sollten. Egal ob es sich um einige Wochen oder einige Monate handelt. Und der Moment, wo beide zum ersten mal wirklich locker und ohne Bedenken spielen, das ist etwas so belohnendes, dass es die ganzen Strapazen und Sorgen vergessen lässt. Viel Freude noch, Nicole!

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