Die Umwelt – unkontrollierbar und unvorhersehbar

Es gibt Menschen, die mich und meine Trainingsideen verstehen. Es gibt aber auch einige die mit dem Kopf schütteln und sagen, was macht die bloß für einen Aufstand und ist so übervorsichtig mit dem Training ihres jungen Hundes.

Firlefanz

Das Markieren und Belohnen bei mir, wenn Zuki für sie irritierende Geräusche wahrgenommen hat, gehört mit zu diesem Firlefanz, auf den ich das eine und andere Mal angeschrieben wurde.

Zuki reagiert teils sensibel auf plötzlich auftretende Geräusche mit der Tendenz zur Flucht – weg von dem Ort der eventuellen Bedrohung. Gewitter gehört (noch) nicht zu den auslösenden Geräuschen. Ich möchte jedoch nicht, dass Zuki sich bei Geräuschen unwohl fühlt, und ich möchte auch nicht, dass sie aufgrund eines Geräusches die Flucht ergreift.

Dieses Training ist daher mehr als eine prophylaktische Maßnahme. Für Zuki sind die Geräusche teils sehr irritierend, auch wenn sie für mich unbedeutend erscheinen. Als Mensch habe ich ganz andere Möglichkeiten, Geräusche schnell einzuordnen und ich weiß oft, wann ihr Auftreten wahrscheinlicher ist. Sie haben für mich eine recht gute Vorhersagbarkeit. Für Zuki nicht wirklich. Sie sind da, plötzlich, und ihr Körper reagiert. Mal mehr, mal weniger, mal reagiert sie mittlerweile auch gar nicht mehr. Sie kommt jetzt jedoch in ein Alter, wo die Mandelkerne im Gehirn aktiver werden. Ich markiere und belohne daher lieber einmal mehr als zu wenig.

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Dann passiert es

Und dann kommt er, der Tag der Tage. Da erwischt es auch mich eiskalt. Nichts mit Vorhersagbarkeit. Das Adrenalin schießt durch den Körper, der Puls schnellt hoch, einfrieren.

Zuki und ich sind abends im Wald unterwegs. Sie hat ihr Leuchtie um, denn die Dämmerung bricht herein. An die Tatsache, dass es so fix dunkel wird, muss ich mich erst wieder gewöhnen. Zuki kooperiert gerne mit mir, ist gut ansprechbar, die Impulskontrolle an Rehen prima – sie genießt den Freilauf.

Zuki läuft mir ein paar Meter am Waldrand voraus. Dann fällt in der Stille der Schuss. So laut, so nah. Irgendwo hinter uns. Ich habe in meinem Leben unzählige Schüsse gehört, aber für meinen Körper war dieser besonders. Vielleicht durch die vermeintliche Nähe und weil ich nicht damit gerechnet habe. Vielleicht auch, weil ich gerade zu spannende Bücher in Bearbeitung habe und mein Gehirn daher sensibler reagiert. Keine Ahnung. Aber der Schluss klang noch lange in meinen Ohren nach. Er war laut. Mein Körper reagiert wie oben beschrieben und denke nur noch – Sch*****, Zuki!

Und was macht Zuki? Sie friert kurz ein, dreht sich um, rennt auf mich zu und setzt sich vor mich hin! Sie war sehr angespannt, ihr ganzes Gesicht flüchtete nach hinten. Leberwursttube raus – Schleckparty! Danach war sie noch leicht irritiert und ich bot ihr an, an mir hochzuhopsen. Hopsen und Springen findet Zuki oberklasse! Vom Hopsen ging es über ins Zergeln mit ihrem Felli und wir haben uns noch eine Weile am Ort des Geschehens aufgehalten, bis wir dann beide gut gelaunt wieder weitergezogen sind.

Ja, es kann sein, dass Zuki auch ohne unser vorheriges Training so reagiert hätte. Vielleicht hat sie das Geräusch auch weniger erwischt als mich – denn die Bedeutung eines Schusses kenne nur ich, sie nicht. Aber ihre Reaktion auf den Knall war deutlich und es hätte auch anders kommen können. Ich bin sehr glücklich, dass sich ihr Vorderhirn in der Situation so schnell eingeschaltet hat! Das Firlefanz-Training geht weiter!

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5 Kommentare zu “Die Umwelt – unkontrollierbar und unvorhersehbar

  1. Pingback: Weltweites Wissen - Welpen | Chakanyuka

  2. Unsere beiden sind etwa gleich alt – Ben wird Mitte Oktober 7 Monate. Geräusche sind nicht so das Thema. Aber ich habe von Anfang an Geräusche markiert, weil ich es einfach gut finde, wenn Ben mir ein Geräusch anzeigt, das er bemerkenswert findet. Denn dann kann ich reagieren, falls er ein Geräusch doch mal gruselig finden sollte. Gerade bei Hundegebell markere ich und belohne großzügig, denn das lässt ihn immer noch aufmerken. Der dicht an uns vorbeifahrende Zug interessiert ihn dagegen schon gar nicht mehr – nur ab und an schaut er mich an, und dann gibt’s c+b.

    So langsam wird er ein Großer: Er beginnt zu markieren, mag Hündinnenpipi und hat entdeckt, wie gut er riechen kann 😉 Jetzt fange ich an zu markern, wenn er seine Nase z.B. an einem Wildwechsel hoch in die Luft hält. Aber ich muss im Timing noch besser werden, damit ich die erste „Prise“ einfangen kann, denn er soll sich ja nicht festriechen. Wenn er sich umorientiert, fliegt das Leckerchen ins Gras, damit er suchen kann. Oder ich laufe mit ihm ein Stück. Oder ich gebe ihm einen morschen Ast, den er zerfleddern kann. Oder wir gucken uns den Wechsel noch mal gemeinsam an und gehen dann entspannt weiter.

    Vielleicht sehen wir uns ja mal an der See? Jetzt sind Hunde am Strand wieder erlaubt. Und bei schlechtem Wetter ist da recht wenig los…

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  3. Geräuschangst ist ein Thema, das uns nun auch mehr denn je begleitet. Es macht uns furchtbare Angst, wenn unsere Hündin plötzlich beginnt zu zittern und ins Bad flüchten will, nur weil der neue Nachbar unter uns seine Waschmaschine ausprobiert.. Draußen gibt es eher weniger Probleme damit, es ist sehr stark mit unserer Wohnung verknüpft! Und zu allem Überfluss ist es damit ebenfalls mit dem Alleinbleiben verknüpft, was uns unter enormen Druck setzt. Hoffentlich können wir uns darüber im November austauschen..
    Liebe Grüsse
    Nicole

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  4. Ach Nicole, das ist kein Firlefanz. Geräuschangst ist schrecklich, stresst nicht nur den Hund sondern auch sehr den Besitzer. Wir haben da auch eine Zeit durch, die mit Angie und ihrer damaligen Geräuschangst sehr anstrengend war (diese war allerdings krankheitsbedingt). Angie ist mittlerweile nicht mehr so sensibel, aber wir markieren trotzdem noch in Situationen/bei Geräuschen, wo wir merken es ist oder es könnten für Angie sehr unangenehm sein. Sie zeigt es ja auch schnell an ihrer Körpersprache. Das markieren hilft ihr gut.
    Ich finde das voll i.O. und würde das beim nächsten Welpen/Junghund auch so handhaben wie du. 🙂

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    • Maja, ich weiß ja, dass es kein Firlefanz ist 😀 ! Geräuscheangst ist übel und diesem möchte ich vorbeugen. Bei Zara hatte die Geräuscheangst im Alter angefangen, beginnend mit einem hefitgen Gewitter – blöde Einmalverknüpfung und schnelle Ausweitung. Toll, dass es Angie nun besser geht!!!

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