Gedanken zum „Zeigen und Benennen“

Dieser Beitrag war ursprünglich nur eine Facebook-Notiz. Ich wurde aber drum gebeten, ihn auch außerhalb Facebooks zu veröffentlichen. Hier ist er 🙂 .

„Zeigen und Benennen“ wird mittlerweile gerne als eine Art Allheilmittel für problematisches Verhalten empfohlen. Ich sehe diese Entwicklung eher kritisch. Dieses Werkzeug mutiert zu einer isolierten Technik und ist als solches nichtgedacht.

Ich habe dieses Trainingswerkzeug, entwickelt von Dr. Ute Blaschke-Berthold,  2008 erstmalig kennengelernt und natürlich ist es auch Teil meiner Ausbildung bei ihr.

Letztendlich ist die Idee dahinter sehr simpel. Wäre jedoch Training mit Hunden so einfach, müsste ich mich nicht um Ausbildung und Fortbildungen kümmern, um meinen Kunden Wissen zu vermitteln und mit ihnen zu trainieren.

Wir Trainer haben eine große Verantwortung den Hunden und Menschen gegenüber. Im Training selber ist das Analysieren von Situationen und das Schulen des Menschen für mich nicht immer einfach. Noch schwerer tue ich mich daher, Anleitungen für Anfragen in Foren oder auf Facebook zu geben, wenn es um Verhaltensfragen geht. Mir wird häufig vorgeworfen, ich würde mein Wissen im Netz zurückhalten, da ich damit Geld verdienen würde wollen. Vor ein paar Jahren hätte ich vielleicht ähnlich gedacht.

Zeigen und Benennen – es gibt mittlerweile einen schönen Artikel in der SitzPlatzFuss Ausgabe 14 http://www.sitzplatzfuss.com/die-themen/ausgabe-14/ von Ute dazu – hat seine Tücken. Diese erlebe ich live, wenn Menschen zu mir kommen, die es an ihren Hunden aufgrund von Tipps aus dem Netzausprobiert haben. Hunde, die bei der Benennung des Auslösers in die Leine preschen und sich arg gebärden, Hunde, die andere Hund fixieren und die Spannung immer größer wird.

Es gibt fortgebildete Hundhalter denen ich es zutraue, selbstständig neue Ideen imTraining ihres eigenen Hundes umzusetzen, aber das ist nicht der Großteil der Menschen, von denen ich so häufig Fragen zum Verhalten und Training ihrer Hundeim Netz lese.

Vor dem Verhaltenstraining sollte die funktionale Verhaltensanalyse stehen.

Zeigen und Benennen ist ein kleines Werkzeug, keine isolierte Methode, um Verhalten zu ändern. Es ist daher weniger vergleichbar mit den Trainingstechniken BAT, CAT oder LAT – wem diese Abkürzungen was sagen sollten.

Daher meine Bitte, auch wenn es Geld kostet, holt euch im Zweifelsfalle einen Trainer, der in dieser Thematik steckt, ins Haus, damit er sich eure Situation anschaut undeuch schult, damit ihr mit eurem Hund weiter trainieren könnt. Die Basis solltet ihr, je nach Kenntnisstand, in ca. 3-5 Stunden verstanden haben. Nagelt euren Trainer aber nicht darauf fest. Training ist sehr individuell.

So, nun ein paar Worte zum Zeigen und Benennen, die ich vor längere Zeit in einem Blogartikel verfasst hatte:

Im Aufbau gibt man das Markersignal, sobald der Hund den Auslöser entdeckt hat (Zeigen) und belohnt ihn dann. Hat man dieses mehrmals wiederholt, wird der Hund in Erwartung an das Markersignal beim Anblick dieses Auslösers sich leicht zu seiner Bezugsperson orientieren – z.B. durch eine leichte Kopfbewegung, das Zucken eines Ohres. Dieses wird dann markiert. Mit der folgenden Belohnung führt man den Hund mit der Belohnung in ein Alternativverhalten. Das ist die Stufe, in welcher mit der Benennung des Auslösers begonnen werden kann (Benennen). Benennt man zu früh, also in der Phase, in welcher der Hund noch sehr erregt ist, hat man mittels klassischer Konditionierung die Erregung mitdem Signal für den Auslöser verknüpft. Ist das passiert… shit happens! DieDeutsche Sprache hat so viele tolle Worte. Nehmt dann eine Neues!

Je nach Motivation des Hundes ist es erstrebenswert, wenn funktionale Verstärker(beispielsweise Distanz geben oder auch zum Auslöser hin gehen/pendeln) genutztwerden. Ein Keks als Verstärker für erwünschtes Verhalten ist in dem Rahmen, indem Zeigen&Benennen angewandt wird, oftmals nicht ausreichend. Bei Angstund Aggression teils sogar kontraproduktiv!

Was kann manmit Zeigen und Benennen erreichen, wenn man aus der Anfangsphase bei bestimmten Auslösern raus ist? Wie schaut es aus mit der Anwendung?

Bin ich mitZara unterwegs schaue ich sehr genau hin, wozu sie in der Lage ist. Wo braucht sie wie meine Unterstützung, in welchen Momenten kann sie alternatives Verhalten schon von alleine anbieten, wenn sie einen Auslöser selber gefunden hat, welches ich dann verstärken kann. Oder hat sie sogar einen Auslöser wahrgenommen, hat sich ins Alternativverhalten gebracht und ich sehe, dass sie mit ihrer Entscheidung sehr glücklich ist und ich dann “nur” noch ein verbales Lob hinter schicke. Es kommt mittlerweile immer häufiger vor, dass wenn ich mit Zara durch die Straßen gehe und sie einen Hund auf der gegenüberliegenden Straßenseite erblickt, die beiden sich kurz Anschauen, Zara sich abwendet und schnüffelnd weiter trottet. Da lobe ich sogar teilweise nicht mehr verbal, sondern lächle vor mich hin. Sollte Zara mich anschauen, wird sie dieses Lächeln verstehen!

Fragen nach einem Auslöser tue ich, wenn ich mir sicher bin, dass Zara ihn nicht wahrnehmen könnte und sich erschrecken wird, oder wenn sie was entdeckt hat und es nicht einordnen kann. Bei letzterem senkt dann das Signal für das Etwas deutlich das Erregungsniveau und ich warte dann oftmals auf ihr Alternativverhalten (Abwenden, Bogenlaufen, Schnüffeln, Handtouch..). Hinschauen lasse ich auch, wenn sie eigentlich nicht hinschauen möchte und den Auslöser meidet. Ich möchte nicht, dass sie Dinge meidet. Meidet/ignoriert sie Auslöser weiß ich, dass ihretwas nicht behagt. Hat sie hingeschaut, sich mit dem Ding/Person/Tierauseinandergesetzt, ist es für sie dann ok! Sie konnte lernen!

Bei Tali entwickelt es sich in vielen Bereichen sehr ähnlich. Das Suche lassen von Hunden nutzen wir bei ihm jedoch häufig als Belohnung. Tali möchte ja Kontaktzu anderen Hunden. Dieses ist jedoch aus verschiedenen Gründen nicht immermöglich. Anstatt ihn im Fuß an anderen Hunden vorbei zu führen, möglichst noch ohne Blickkontakt zum Auslöser – ich schreibe das hier jetzt so, da ich diesen Wunsch von vielen Menschen lese – darf er, nachdem er ein Alternativverhalten angeboten hat, gerne wieder hinschauen! Noch toller für ihn ist es, wenn derdort schnüffeln darf, wo sich der Artgenosse befunden hat.

Im Wald zum Thema Jagdverhalten ist“Zeigen und Benennen” in so fern praktisch, als dass wir:

a) “Bambi gucken”, “Häschen gucken” als Belohnung einsetzten können

b) Tali fragen, wo ist das XY? Schaut er in den Wald, schnuppert hinein und schaut uns danach mit fragenden Augen an, ist es eine wertvolle Information für uns. Das Gebiet für ihn “wildfrei”, er hat nichts gefunden undsomit darf er gerne offline des Weges ziehen.

Ein Punkt bezieht sich auf beide Hunde, unabhängig von der Örtlichkeit. Als Mensch ist man dazu geneigt, auch nicht immer die volle Aufmerksamkeit auf den Hund undauf die Umwelt zu haben. Mir ist es nicht möglich! Es gibt sie, die Momente, indenen ich vor mich hin träume, in denen meine Augen am Hinterkopf nicht funktionieren oder mir der Wind mein Gehör irritiert. Gut, wenn die Hunde dannfür einen aufpassen!

Der Auslöser wird zum Signal für alternatives Verhalten!

Stehe ich irgendwo dumm rum und genieße die Aussicht, weiß ich, wenn Zara mir mit der Pfote auf den rechten Fuß tippt oder meine Handfläche zum Anstubsen sucht, dass sie mir sagen möchte – Hey, ich hab ‘nen Hund gesehen!

Trödel ich träumend mit Tali durch den Wald, beobachte vielleicht noch das rege Treiben der Tierchen zwischen den Blättern auf dem Boden, bin ich sehr dankbar, wennTali stehenbleibt und geduldig in Richtung Rehe schaut, bis mein Gehirn mirfunkt – Tali hat was gefunden, sich sollte reagieren!

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3 Kommentare zu “Gedanken zum „Zeigen und Benennen“

  1. Hm, bezüglich des 1.Teils – gegen Online-Anleitungen – habe ich gemischte Gefühle .. ich kann Deine Einschränkungen und Bedenken gut verstehen und höre aufmerksam zu, wenn Du von „schlechten Erfahrungen“ und Mißverständnissen in der Trainer-Kunden-Kommunikation berichtest. Dennoch möchte ich immer wieder FÜR Online-Anleitungen plädieren. Warum? Weil sich der Gedanke dieses herrlichen gewaltfreien Trainings mit Hunden sonst nicht verbreitet. Um den Gedanken zu bekannt wie möglich zu machen! Um hilflosen Hundehaltern, die – so wie ich – wirklich verzweifelt auf der Suche nach einer Lösung sind, ein Angebot zu machen! Zum Wohle ihrer Hunde! Mehr als ein Großteil aller Suchenden haben keinen tollen Trainer in der Nähe, der diese Techniken beherrscht oder sie vermitteln könnte. Und geht es bei Cumcane nicht auch um Erwachsenenbildung? Um ein Plädoyer für die Verantwortlichkeit für das Haustier? Ich fürchte fast, man MUSS den Menschen zutrauen, diese Techniken auch selbst erarbeiten zu können – denn sonst probieren sie „scht“ und Krallengriff aus, denn das geht ja leicht. Bitte nicht falsch verstehen, es geht nicht um das Einsparen von Kosten für einen Trainer, sondern um die Unmöglichkeit, einen zu finden. Darüberhinaus habe ich noch ein gutes Argument: Um die Kompetenzen einer/s Trainer/in beurteilen zu können und nicht unter dem Deckmantel der positiven Erziehung in die „Falle“ zu tappen, wie ich es einst tat, ist es dringend ratsam, sich Wissen anzueignen !! Über die Mißverständnisse, die aufgrund von Online-Anleitungen bei Dir bekannten Fällen entstanden sind, mache ich mir auch Gedanken. Ich bin der Meinung, dass es immernoch viel zu wenig „Stoff“ dazu gibt. Manchmal wird geradezu ein Geheimnis daraus gemacht. Oder es gibt sehr viele textliche Anleitungen, mit denen einige Menschen vielleicht nicht viel anfangen können und über die wichtigen Dinge hinweglesen. Das klingt jetzt vielleicht blöd, aber ich denke nicht, dass man die Online-Anleitungen reduzieren, sondern maximieren und verbessern sollte! Ich bin so froh, dass ich Dich gefunden habe, denn Du erklärst es eigentlich „unmißverständlich“ – Du hast gute Videos! Ganz ehrlich, ist man als Hundehalter erstmal auf den Geschmack gekommen, wird man früher oder später ohnehin den Weg zu einem Cumcane-Trainer finden, umso eher, wenn man einen guten Zugang gefunden hat! Ich danke Dir von Herzen, dass Du soviel von Deinem Wissen im www zur Verfügung stellst und hoffe, es haben noch viele so ein unglaubliches Erlebnis wie ich, als ich Deine Videos zum ersten Mal sah. Alles Liebe, Nicole

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  2. Wieder ein sehr wichtiger und guter Artikel! Ich kann dem gesagten im ersten Teil nur zustimmen und finde mich darin wieder.

    Die Schilderungen zum „Zeigen & Benennen“ finde ich sehr anregend und stossen bei mir das immer wieder darüber Nachdenken an. „Wieso mache ich es gerade so“ – „Wann mache ich es“ und „Was will ich damit erzielen“ .

    Daumen hoch!

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