Kooperatives Jagen – Benennen von Auslösern/ Verhalten

Anmerkung: „Kooperatives Jagen“ ist nicht der Name einer Methode oder eines Programms oder einer Hundeschule oder Ausbildungsrichtung oder oder oder. Es ist einfach tatsächlich nur der Titel für den Artikel 😀 ! Die Werkzeuge dazu habe ich während meiner Ausbildung bei Dr. Ute Blaschke-Berthold erlernt.

Auch ist das Benennen von Auslösern und Verhalten nicht das einizige Element im Training. Bedürfnisliste, Rückruf, Stoppsignal etc. gehören ebenso dazu!

Ich werde diesen Artikel nutzen, um ab und an unseren Trainingsstand zu dokumentieren. Somit findet ihr am Ende immer unser aktuellstes Video.

Als ich mich im Mai letzten Jahres dazu entschlossen hatte, mein Leben mit einem Rhodesian Ridgeback zu teilen, habe ich auch gleichzeitig deutlich JA zu einem Jäger gesagt. Zuki ist der vierte Ridgeträger in unserer Familie. Mara und Tali hatten/ haben viel jagdliches Talent, Shiwa war eher wie Zara veranlagt und konnte mit Wild nicht so viel anfangen.

Der Jagdhund

Mit Zuki’s ca. 5. Lebensmonat war zu sehen, dass Hasen ihr Gehirn in besonderer Weise anfunken, ab dem 8. Lebensmonat waren die Rehe im Wald recht plötzlich ganz andere Tiere als vorher. Stünde Zuki vor der Entscheidung, ob sie lieber einem Hasen oder Reh hinter her dürfte, würde sie sich immer noch für den Hasen entscheiden. Prima sind sie aber alle beide 🙂 .

Zuki hat sich das Leben an meiner Seite nicht ausgesucht. Sie hat es sich auch nicht ausgesucht, in den Wald gekarrt zu werden, um dann dem Wild n i c h t hinterher laufen zu können. Das, was für uns Menschen so einfach ist – bei Sichtung von Wild stehen zu bleiben und sich am Anblick zu erfreuen – ist für Zuki Schwerstarbeit!

Ich mag es, Hunde zu beobachten, wenn sie ihre Sinne auf volle Leistung bringen und in ihre Welt abtauchen. Mit einem Jäger an seiner Seite wird im Wald so vieles sichtbar!

Kooperationskurs

Da ich ihr das Jagdverhalten nicht aberziehen kann – es steckt unweigerlich in ihren Genen – , versuche ich mich in ihre Welt einzubringen. In dem Moment, wo ich mich mit ihr auf Kooperationskurs befinde, habe ich Einfluß auf ihr jagdliches Talent und kann es kontrollieren.

Jagdverhalten besteht aus mehreren Sequenzen/ Bewegungsmustern:

  • Orientieren – War da was? Wo ist es?
  • Fixieren – Da ist es!
  • Beschleichen
  • Hetzen
  • Packen – die Beute wird gepackt und gehalten
  • Töten – die Beute wird getötet
  • Zerlegen/ Fressen

Nicht alle Hund zeigen alle Sequenzen und nicht alle Hunde zeigen alle Sequenzen gleich ausgeprägt. Zuki beispielsweise springt schnell vom Orientieren ins Hetzen. Wenn sie könnte, wie sie wollte, liegt zwischen dem Wahrnehmen eines Auslösers und dem Hetzen nur Bruchteile von Sekunden.

Ich brauche jedoch mehr Zeit, bis mein Gehirn adäquat reagieren kann! Also versuche ich über das Training, die Sequenz „Fixieren“ zu verstärken. Wenn Zuki einen Auslöser länger anschaut bevor sie durchstartet, habe ich mehr Zeit um mich in das Geschehen einzubringen.

Auch für den Hund macht es einen großen Unterschied, ob er freiwillig ein anderes Verhalten anbietet, oder ob ich ihm sage, beim Anblick von Rehen mache ein Sitz oder ähnliches.

Da das Fixieren genetisch verankert ist, ist das Auslebendürfen dessen belohnend. Keine Frage, Hetzen wäre belohnender, aber da liegt es an mir, ihr Belohnungen zukommen zu lassen, die zu ihrer Motivation passen. Unsere Belohnungsliste ist lang. Ich hab sie in diese Situation gebracht, also ist es auch meine Aufgabe, ihr das Leben auch in dem Gebiet so angenehm und befriedigend wie möglich zu gestalten.

Manche Hütehundhalter trainieren mit ihren Hunden an Schafen. Unsere Jäger haben da echt die Po-Karte gezogen… ich kann meiner Zaubermaus keinen „Rehpark“ bieten und möchte aus ethischen Gründen da auch gar nicht weiter drüber nachdenken. Aber wenn wir in den Lebensraum des Wildes eindringen, versuche ich Kontakte für beide Seiten so gut wie möglich zu händeln.

Benennen von Auslösern/ Verhalten

Benenne ich Auslöser wie Rehe und Hasen, habe ich drei Nüsse mit einem Knacker geöffnet:

1. Belohnung

Dadurch, dass die Tiere einen Namen bekommen, kann ich das Gucken von diesen Tieren als Belohnung einsetzen.

Beispiel:

Ich habe die Rehe vor Zuki gesehen (kommt bei Jagdhundehaltern durchaus häufiger vor, denn auch unsere Augen werden sehr geschult). Dann kann ich ein Verhalten abfragen wie Sitzen, Hinlegen, Handtouch, eine Strecke an der Seite laufen oder irgendwas und dann nach dem Marker die Belohnung geben „Wo sind die Bambis?“. Das Suchen, das Orientieren nach einem Auslöser – und ich sage ihr sogar noch, was sie such kann – ist sehr belohnend und in so einer Situation mehr wert als ein Leckerchen. Und ich muss keine große Sorge haben dass, wenn sie den Auslöser gefunden hat, durchstartet denn…

2. Stehenbleiben und Fixieren

…der Name ist gleichzeitig mit einem Stehenbleiben und Fixieren von mir verstärkt worden!

3. Verhalten abfragen

Sollte Zuki eine Bewegung im Wald wahrgenommen haben und es durchzuckt sie, dann kann ich sie mit „BAMBI“ ins Stehenbleiben und Fixieren bringen. Es wird zu einem Lauerspiel.

Nebeneffekt:

Findet Zuki im Wald Rehe, zeigt sie mir diese häufig deutlich an. Die Phase zwischen Wahrnehmen und Lossprinten hat sich deutlichst verlängert und ich habe die Zeit, die ich brauche, um mich mit einzubringen.

Und ich kann sie fragen „Wo sind die Bambis?“ und findet sie nichts, kann die Leine ab 🙂 !

Es versteht sich von selbst, dass Zuki in wildreichen Gebieten über eine Leine gesichert ist, solange das Verhalten für mich noch nicht sicher genug gezeigt wird. In vielen Gebieten ist eh Leinenpflicht. Und für den Fall der Fälle sind ihr Rückruf ziemlich gut.

Trainingsausschnitt und Verstärker

Da die Situationen im Wald nicht geplant auftreten, ist es mit Videos teils recht schwer. Aber heute hatte ich Glück und ich hab euch mal die Phase des Benennens aufgenommen. Meine Belohnungen nach ihrer Umorientierung hätten schöner ausfallen können, aber mit Kamera vor dem Auge ist es leider immer ein Kompromis – meist zu Ungunsten von Zuki.

Beim Benennen startet man natürlich nicht am schnell flüchtendem Wild, sondern wählt eine Distanz, wo der Hund noch eine Chance hat, stehenbleiben zu können!

Bei der Benennung folgt nach dem Marker verbales Lob zur Unterstützung. Die eigentliche Belohnung ist das Weiterguckendürfen! Wichtig! Kann der Hund sich vom Auslöser lösen, sollte eine Belohnung folgen, die dem aktuellen Bedürfnis des Hundes entspricht – z.B. ein kleines Rennspiel, ein Felli an Schnur oder ein Flugkeks!

Diese Form des Impulskontroll-Trainings direkt am Auslöser bei Jagdverhalten empfinde ich effektiver als das Trainieren beispielsweise an einer Reizangel.

2008 war mein erstes Cumcane-Seminar bei Ute; Thema: „Aufmerksamkeit und Jagdverhalten“. Alles ganz weit weg von einem „Anti“-Jagdtraining und Strafen von Jagdverhalten. Dieses Seminar war ein großes Geschenk für mich und die Hundekinder!

Nachtrag: Mit „Anti“-Jagdtraining meine ich nicht das Training von Pia Gröning, welches unter dem Namen „Antijagdtraining“ läuft 🙂 !!!

Update vom 15.03.14

Update vom 15.04.2014

Update vom 31.05.2014

Hasen sind für Zuki sehr starke Auslöser. Im Gegensatz zu Kaninchen, die sich zügig in „Luft auflösen“ wenn man näher kommt, ganz ähnlich den Vögeln, flitzen Hasen sehr lange und sind somit seehr lange im Sichtfeld.

Unser Trainingsstand mit Hasen ist nicht sehr weit, da wir viel zu wenige treffen. Zudem lassen die Hasen einen häufig sehr nahe herankommen, bis sie blitzeflink aus ihren Sassen sprinten. Diese schnelle Bewegung aktiviert Zuki sofort.

In diesen Fällen bleibt bei unserem derzeitigen Trainingsstand (und/ oder):

  1. Sicherung in Hasengebieten durch die Schlepp
  2. Stoppsignal
  3. Rückruf
  4. Zuki startet, wird langsamer und kommt ins Scannen

Die Situation wie hier im Video ist sehr selten. Es wäre eine schöne Möglichkeit gewesen, um Hasen zu benennen, aber dafür hab ich daran gedacht, das Handy aus der Tasche zu kramen.

Konnte Zuki die Hasen vorher Scannen, ist es für sie deutlich einfacher zu ertragen, wenn sie losflitzen.

Update 28.7.2014:

Update 15.02.2015 (hier stehen auch nützliche Informationen in den Kommentaren zum Video)!

Mittlerweile ist Zuki ziemlich sicher geworden, was das Anzeigen und Stehenbleiben am Wild angeht. So können wir bauen unser Projekt Freilauf immer weiter ausbauen 🙂 !

Tali, Zuki und das springende Reh:

 

Aktuelle Artikel – ein Jahr später:

https://umtali.wordpress.com/2015/03/11/nutzliches-aus-dem-alltag-eigenstandiges-stoppen-bei-fluchtendem-wild/

https://umtali.wordpress.com/2015/03/20/scannen-und-ruckspursuche-training-am-jagdverhalten/

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12 Kommentare zu “Kooperatives Jagen – Benennen von Auslösern/ Verhalten

  1. Pingback: Zeigen und Benennen | Whippets de Lobito Azul

  2. Respekt! Ich bin mit Pako wirklich am Üben, aber mühsam ernährt sich das Eichhörnchen 😉 Wir werden von Tag zu Tag besser. Klar fallen wir auch mal zurück, aber wir machen uns schon ganz gut, für die Zeit die wir nun schon zusammen leben.

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  3. Hallo! Finde es beeindruckend,wie ihr 2 Bambi anzeigt. Mein Kompliment. Wie sieht es denn aus, wenn du so 20 Meter von deinem Hund entfernt bist? Das wuerde mich interessieren und ueber eine Antwort wuerde ich mich freuen.
    Danke!

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    • Huhu Judith!

      Bei diesem Training wird das Wahrnehmen des Auslösers zum Signal zum Stehenbleiben und mit den Augenverfolgen. Das ist erst einmal ganz unabhängig von der Entfernung zur Bezugsperson. Gut ist natürlich wenn sich diese im hörbaren Bereich befindet, damit sie den Hund noch unterstützen kann. Das Feedback sollte schnell kommen. Da ist das Arbeiten mit Markersignalen so genial, da ich nicht an Ort und Stelle sein muss, um das Feedback zu geben.

      Ich hab auf die Schnelle kein Video gefunden, wo man es besser drauf sieht. Zudem entfernt sich Zuki nicht so sehr, da sie weiß, in welchem Radius sie viele Belohnungen erwarten kann. Aber hier bei ca. 0:50 ist eine ähnliche Situation.

      Vor diesem jungen Waldstück ist ein Graben. Diesen sollte Zuki eigentlich nicht überwinden, da sich gegenüber sehr häufig Rehe zwischen den jungen Bäumen und dem hohen Gras aufhalten. Zuki ist sich des Reh-Landes sehr wohl bewusst. Auch diese Grenze hat sie über den Clicker und Belohnungen kennengelernt, nicht über Strafe. Es ist keine klassische Tabu-Zone.

      Aus der Spiellaune raus und weil sie eine Bewegung wahrgenommen hatte (ich war mit dem Einschalten der Kamera einen Tick zu langsam), düst sie auf die Barriere zu. Ich kann von meiner Position aus nicht sagen, ob sie innegehalten hatte, da sie über die Barriere rüber ist und es bemerkte, oder ob sie anzeigt. Der Körpersprache nach hat sie eher was entdeckt.

      Ich rufe sie dort dann sofort heraus http://www.youtube.com/watch?v=5A4NrjReoHI .

      Ein weiterer Vorteil den ich sehe ist, dass ist das unerwünschte Jagdverhalten mit Strafen kombiniert, der Hund schnell lernt, dass die Strafe nur dann erfolgen kann, wenn sich die Bezugsperson in der näheren Umgebung aufhält. Bei E-Geräten wäre das anders, aber sie sind glücklicherweise verboten.

      Ist der Hund aus diesem Radius raus und er weiß, dass die Strafe weit weg ist, ist er auch weniger gehemmt und startet ggf. auch eher los.

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  4. Pingback: Reizangeltraining – Spielen und Impulskontrolle | Tali's Welt

  5. Gefällt mir wie Du es machst. Ich habe einen Setter/Pointer Mix, da spielt Jagd und Fährte eine große Rolle. Ich arbeite ganz gezielt mit Futterbeutel und initiere die Jagd. Quasi jagd er tääglich nach seinen Futterbeuteln und bekommt auch nur so sein fressen. Rehe ect. sind – wenn er in meiner Nähe ist – kein Problem mehr, er guckt und wartet, ob ich den Befehl zur Jagd gebe. Wenn er weit weg ist es schwieriger, aber in der Regel sehe ich auch da das fixieren und kann ihn problemlos abrufen.

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    • Vielen Dank, Michael!

      Futterdummy, Verlorensuche auf der Rückspur, Freiverlorensuche, Hetzspiele usw. stehen auf unserer Belohnungsliste und werden als Belohnung nach dem Marker für Anzeigen von Wild eingesetzt. Oder auch mal so nebenbei als Beschäftigung 🙂 .

      Alleine über den Futterdummy die jagdliche Motivation zu bremsen ist bei unseren nicht möglich, da das Ziel der Hatz nicht „Fressen“ ist, sondern einfach… Wild hinterher laufen 😀 . Jagd und Fressen sind ja bei vielen Hund abgekoppelt. Drum greife ich hier gerne in den Belohnungen die am Wild gezeigten Bewegungsmuster auf.

      Setter/ Pointer – tolle Mischung!

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  6. Super Post. Ich habe mit Angie eher weniger Probleme aber wenn es hart auf Hart kommt ist es auch so, dass Wahrnehmen->Durchstarten eigentlich das Übliche ist. Dabei ist mir Angie auch schon 2 mal abgedampft. Das größte Problem ist – hier gibt es teilweise zu wenig Wild; das Zweite – Angie ist wildblind. Zuki hat ja den RR-Adlerblick Angie – bekommt ein Reh nicht mal mit wenn es 5m vor ihr regungslos vor ählichfarbigen Hintergrund steht. Daraus folgt, dass ich wenig mit ihr üben kann und ich sehr ungeübt, überfordert und langsam bin wenn doch mal was passiert.
    Ich habe mittlerweile meine Gebiete wo Angie an die Leine kommt und ich markere schon kräftig und schnell rein, wenns im Wald raschelt (damit meine ich Rehe setzen sich in Bewegung) und Angie wird aufgeregt und starrt in den Wald rein. Fürs in den Wald starren habe ich „Scan“ aufgebaut was erstaunlicherweiße unheimlich schnell gelernt wurde. Das muss saumäßig belohnend sein oder ich habe was falsch gemacht.
    Wie auch immer – ich bin froh so einen Blindgänger zu haben … Angie interessiert sich nicht mal groß für Wildspuren … wenn überhaupt dann für die Exkremente 😉 Aber wehe es rennt was weg. Das Einzige woran ich üben kann sind Katzen und das tue ich auch so oft es geht.

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    • Hihi… danke Olli! RR haben Adleraugen – die kleinste Entfernung am Horizont kann wahrgenommen und differenziert werden. Ich hab dank der Hunde super gute Augen bekommen LOL!

      Ja, je weniger Möglichkeiten man zum Trainieren hat, desto langsamer entwickeln sind Fertig- und Fähigkeiten – auf beiden Seiten.

      Ich beginne im Training mit den Hunden auch mit dem ersten Orientierungsverhalten (Nase/ Ohr). Beim SCAN hast du mit Sicherhein alles richtig gemacht, wenn es so gut läuft!

      Zara war, was Wild angeht, auch sehr gemächlich. Rehe, Hase, Kaninchen- all das gehörte zum Wald wie ein Grasbüschel. Zara ist oft über Hasen „gestolpert“ und sah verwundert drein, wenn die losgedüst waren 😀 .

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