Reizangeltraining – Spielen und Impulskontrolle

Ich habe im vorherigen Artikel „Kooperatives Jagen“ das Reizangeltraining erwähnt und geschrieben, dass ich es in Verbindung mit unerwünschtem Jagdverhalten als Trainingsansatz weniger effektiv empfinde. Da vier Leser bisher aufgrund dessen nachgefragt haben, da ihnen bei ihren jagenden Hunden das Reizangeltraining wärmstens ans Herz gelegt wurde, gibt es zu dem Thema einen eigenen Artikel.

Die Idee

Durch das Impulskontrolltraining an der Reizangel – Sitzen, Stoppen, Hinlegen aus der Hatz heraus etc. – soll der Hund bei Wildkontakt auch automatisch besser kontrollierbar sein.

Das Problem

Hunde sind Kontextlerner, dass heißt, sie sind weniger gut darin, eine Situation auf eine andere zu übertragen. Zudem lernen sie über die Reizangel nicht, sich mit jagdlichen Auslösern auseinander zu setzen und dort ihre Impulse zu kontrollieren – wie es Zuki in dem Video des vorherigen Beitrags tut, in welchem sie ihre Impulse zum Hetzen kontrolliert und stattdessen stehen bleibt und die Rehe mit den Augen verfolgt.

Endliche Ressource

Impulse zu kontrollieren verbraucht Energie. Es ist anstrengend sich zurück zu nehmen! Je häufiger es einem innerhalb einer bestimmten Zeit abverlangt wird, desto schwieriger wird es. So mancher kennt vielleicht Momente nach einem anstrengende Arbeitstag, an denen man einfach nur noch in Ruhe gelassen werden möchte, da man merkt, dass man gereizt ist und ungehaltener reagiert, wenn dann noch jemand am Ärmel zuppet. Impulskontrolle ist eine endliche Ressource, die in Schlafphasen wieder aufgefüllt wird.

Da das Kontrollieren von Impulsen im Gehirn viel Glucose verbraucht, gehe ich mit den Hunden auch nicht nach draußen, ohne dass sie nen bisschen was im Magen haben.

Impulskontrolle Reizangel und Impulskontrolle an jagdlichen Auslösern

Habe ich nun einen Hund, dem in der Umwelt viele jagdliche Auslöser begegnen, dann fordert das Nicht-Jagen ihm sehr viel Impulskontrolle ab. Wird mit diesem Hund parallel dazu viel an der Reizangel das Kontrollierte-Jagen trainiert, dann verlangt ihm auch das viel Impulskontrolle ab. Nicht zu vergessen, dass jagdlich-motivierte viel an der Schleppleine unterwegs sind und dadurch teils schon viel zurückstecken müssen und oftmals frustriert sind.

Wenn ich mit einem Hund viel an der Reizangel trainiere, dann kann ihm schnell die  Energie für weitere Impulskontrollen an jagdlichen Auslösern, an Aggressionsauslösern (wenn der Hund noch weitere Baustellen hat), an anderen beweglichen Reizen und so weiter und so fort fehlen.

Reizangel verbannen?

Das Hetzen an der Reizangel macht vielen Hunden Spaß. Ich mag sie als einfache Beschäftigung ohne viel Impulskontrollübungen, zum Trainieren von Signalen unter Ablenkung, oder auch zum schonenden Aufbau der Impulskontrolle ähnlich wie beim Lauerspiel. Hier kann man über die Wahl des zu belauernden Gegenstandes/ Futter oder über die Beschaffenheit des Spielies gut Einfluß nehmen. Je höherwertig die zu erwartende Belohnung, desto schwerer kann dem Hund das Innehalten fallen. Drum starte ich gerne mit Dingen, die den Hund weniger erregen.

Als Belohnung nach dem Marker bei Wild setze ich die Reizangel nicht direkt ein, da sie mir dafür zu unhandlich ist. An ihrer Stelle tritt bei Zuki dann ein Spielie, welches an einer längeren Schnur befestigt ist und über den Boden gezogen werden kann. Für Tali hat Spielzeug in der Art im Kontext Wild keine Bedeutung und ist als Verstärker nicht einsetzbar. Wohl aber beispielsweise das aufgebaute Lauerspiel, welches ich als angekündigte Belohnung einsetzen kann.

Zuki’s erstes Mal an der Angel – so Reizangeln wir

Zuki ist bald ein Jahr und körperlich trotzdem noch nicht fertig. Daher habe ich bisher die Reizangel für sie noch nicht rausgeholt gehabt. Heute jedoch durfte sie mal schnuppern und sie hatte, wie zu erwarten, mächtig Spaß und ihre Pupillen wurden schnell groß.

Wenn ich mit ihr etwas Neues machen möchte, schaue ich zuerst, dass sie ihren Bedürfnissen nachkommen konnte – schnüffeln, sich lösen, bisschen buddeln, die Welt erkunden. Danach ist sie kooperativer und kann sich besser auf Neues einlassen. Zudem dient diese Runde auch dem Aufwärmen der Muskulatur. Ansonsten ist die Verletzungsgefahr doch recht groß. Sollte auf dieser Runde allerdings irgendwas extrem Spannendes passiert sein, was Zuki arg mitgenommen hat, packe ich meine neue Idee wieder ein und spare es mir für ein anderes Mal.

Mir ist es wichtig, bei dem Training mit der Reizangel die Gelenke zu schonen, drum drehe ich mich nicht einfach nur im Kreis und lasse den Hund lustig hin und her laufen, sondern ich laufe mit und mache Strecke. Da ich Probleme mit der Koordination Kamera und Reizangel hatte, sind meine Kreise in dem Video auch enger.

Erfolg und Entspannung

Wichtig ist mir auch, dass Zuki Erfolg hat! Beute schnappen und dann stolz damit von Dannen zu ziehen tut der Hundeseele gut. Gerade in der Anfangsphase kann es für die Hunde sehr frustierend sein, wenn sie die Beute nicht bekommen und sie immer wieder wegspringt. Sie brechen dann teils das Spiel ab und sind schwer dazu zu bewegen, sich nochmals in Bewegung zu setzen.

Soll das Spiel von Neuem beginnen warte ich entweder darauf, dass sie die Beute loslässt, kurz inne hält (freiwillig ausgeführte Imulskontrolle ausbauen/ abwarten können) und dann nach dem Marker mit TSCHAKKA wieder losdüsen darf, oder ich frage ein DANKE ab, unser Signal für’s Ausgeben (der Moment der Kieferöffnung wurde durchs Training verstärkt).

Knappe 10 Minuten haben wir gehetzt, uns gefreut, sind zusammen über die Wiese gelaufen, dann durfte Zuki die Beute gänzlich behalten und wurde an Ort und Stelle entspannt. Danach nahm ich die Angel und Zuki hatte wieder Augen für die Umwelt, konnte wieder schnuppern und wir sind gemütlich zum Auto zurück.

Die Entspannung nach so einem erregenden Spiel ist mir wichtig, da eine hohe Erregung Jagdverhalten schneller auslösen kann. Ich kann nicht wissen, was uns noch so über den Weg läuft oder hoppelt. Und sie soll die Angel nicht nur mit hoher Erregung verbinden.

Die Reizangel in dem Video ist eine Tail Teasers.

Fazit für mich

Die Reizangel kann dazu genutzt werden, um Signale mit mehr Ablenkung zu trainieren und um im Allgemeinen die Impulskontrolle und Frustrationstoleranz auszubauen. Der Übertrag und das Training an Jagdauslösern muss aber trotzdem noch kleinschrittig erfolgen. Auftauchendes Wild, welches eine bestimmte Form und Geruch hat, ist etwas anderes als ein vorhersagbares Spiel, auf welches sich der Hund einstellt.

Und man sollte im Kopf haben, dass, wenn man dem Hund durch Impulskontroll-Training außerhalb seiner einer eigentlichen Auslöser stark fordert, ihm Ruhe gönnt und nicht gleich hoch motiviert in den Wald läuft oder ein Begegnungstraining startet.

Es ist gut, wenn man um bestimmte Zusammenhänge weiß. Dann lässt sich Training durchdachter und strukturierter und effektiver gestalten!

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2 Kommentare zu “Reizangeltraining – Spielen und Impulskontrolle

  1. Pingback: Liebster Award | The Doggy Blog

  2. Pingback: Kooperatives Jagen – Benennen von Auslösern/ Verhalten | Tali's Welt

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