Ein Rhodesian Ridgeback als Zirkushund und Tanzpüppchen – Quo vadis, Nicole?!

„Warum machst du denn aus deinem Ridgeback einen Zirkushund? Dann hättest du doch lieber einen Border oder Aussie nehmen sollen, wenn du das vor hast. Mein Ridgeback soll ein Freigeist bleiben und sich ganz natürlich verhalten, wie ein Hund halt. Er soll normal im Gehorsam stehen und nicht so dressiert.“

Ja, was ist aus der Nicole geworden, die sich um Jagd-, Aggressions- und Angstverhalten Gedanken macht und so viel seriöse Artikel geschrieben hat. Überraschung! Ich bin noch dieselbe wie zuvor.

Kunststückchen vs. „Seriösität“

Für mich ist das Training der Tricks zu erst einmal eines – Schulung meiner Trainerfähigkeiten. Ich darf mir Gedanken darüber machen, wie ich meinem Hund, der nicht unbedingt für eine hohe Kooperationsbereitschaft mit seinem Menschen gezüchtet wurde, etwas beibringe, was vielleicht nicht ganz seiner Passion entspricht. Ich könnte auch sagen, Ridgebacks sind schwer zu motivieren und stur. Ich lass das. Oder ich gehe halt in mich und schaue, an welchen Schräubchen ich drehen kann.

Zuki würde gerne Jagen, eigenständig – Tag aus, Tag ein. Darin ist sie sehr talentiert; es steckt in ihren Genen und Lernerfahrungen tun ihr übriges. Minimale Bewegungen wahrnehmen, Gerüche einordnen, blitzeflink Verfolgung aufnehmen. Ein Talent, was ich am Wild nicht fördern kann. Daher steht unsere Art des gemeinsamen Jagens immer dann auf dem Programm, wenn wir in wildreichem Gebiet unterwegs sind. Viele Belohnungen auf ihrer Liste haben daher Bezug zu ihrer jagdlichen Passion. Die Bewegungsmuster ofmals sehr ähnlich.

Ob nun Sitz, Aus, Komm, Twist oder Leinenführigkeit – für den Hund ist so gesehen alles „nur ein Trick“. Der Mensch wertet.

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Einen Tapetenwechseln fand ich für uns beiden da ziemlich gut, denn die Tricks schulen Zuki’s Körperbewusstsein und Motorik. Sich langsam bewegen, Körperteile separat ansteuern… Ich sehe da eine Parallele zu meinem Gongfu-Training. Als Mensch bewege ich mich auch täglich ganz natürlich. Und trotzdem tut es meinem Körper und Kopf sehr gut, wenn ich meinen Körper bewusst auch mal anders bewege.

Ich kann nichts trainieren, was Zuki nicht körperlich als Hund auch leisten könnte. Spannend ist jedoch, ob ich es hin bekomme, all die Bewegungen, die sie als Hund eigentlich auch täglich zeigt, auf Signal hin ausführen lassen kann. Ganz nebenbei schult es die Koordination und baut Muskulatur in einem anderen Maße auf, als beim Toben mit ihren Freunden. Und siehe da, es macht ihr auch noch Spaß!

Kooperation und Vertrauen

Draußen am Jagdverhalten trainieren, sie zu schönen Plätzen führen, wo die ihrem Kopf nachgehen kann oder auch Freunde trifft und generell non-aversives Training ist eines. Was ich jetzt aber erlebe ist ebenso schön und wichtig für uns – Zuki wird an nichts gehindert, sie darf ganz frei agieren und schenkt mir ihr Vertrauen, dass ihr auch nichts passiert, egal was sie probiert! Und wenn es ihre Pfote in meinem Gesicht landet 😛 . Ich versuche die Übungen so zu gestalten, dass es für sie nur in die richtige Richtung gehen kann. Klappt das nicht, lag es an mir und meinem Trainingsaufbau.

Das ist etwas, was draußen nen bisschen anders ist, denn da sind die Rehe, die Hasen. Zuki, je nach Situation, an der Schlepp und ich weiß, sie würde so gerne hinterher. Dieses fehlt im Training unserer „Kunststückchen“. Wir kooperieren draußen auch prima, aber durch das Tricktraining bekommt das Gesamtpaket noch mal eine andere Nuance.

Das gilt im Übrigen auch für Bereiche wie Obedience, Dogdance, Agitlity, Dummytraining, Geruchsunterscheidungen, Fährtenarbeit und so weiter, wenn der Wettkampfgedanke den Menschen nicht ins Bodenlose treibt. Mein Spaß an der Sache sollte nie zum Schaden meines Hundes werden.

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Freigeist

Heute morgen unterwegs sahen wir einen Hund durch den Wald zwitschern – deutlich einer Spur hinterher. In der Ferne eine nicht freundliche Stimme. Dann irgendwann lief der Hund doch Richtug Stimme – dann wurde es noch lauter und der Hund schrie. Der Hund war ganz frei seiner hundlichen Natur unterwegs. Ich sah sie dann zusammen an der Leine weiter gehen. Nein – Ruck an der Leine, Nein – Ruck an der Leine… Die beiden sahen echt richtig glücklich zusammen aus *ironie*.

Die Art, wie das Training und das Zusammenleben im Allgemeinen gestaltet wird, entscheidet darüber, ob der Hund ein „Freigeist“ sein kann, oder eben auch nicht.

Dass neben dem konzentrierten Training an einem speziellen Aufgabe genug Ruhephasen eingehalten werden, ist für mich sehr wichtig und selbstverständlich. Ebenso die Zeit, wenn wir draußen unterwegs sind, wo ich von Zuki gar kein Signal abfrage und sie wirklich mal in ihre kleine Welt eintauchen kann. Yin und Yang in Harmonie!

Und noch mal zum Rhodesian Ridgeback, da diese Rasse der Aufhänger war – unterschätzt eure Hunde nicht! Es steckt so viel Potential in ihnen! Dazu braucht es keine Arbeitslinie! Nur ein wenig Kreativität und Spaß an der Sache! Das Leben ist schon manchal ernst genug!

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9 Kommentare zu “Ein Rhodesian Ridgeback als Zirkushund und Tanzpüppchen – Quo vadis, Nicole?!

  1. „Die Art, wie das Training und das Zusammenleben im Allgemeinen gestaltet wird, entscheidet darüber, ob der Hund ein “Freigeist” sein kann, oder eben auch nicht.“
    Dieser Satz bringt alles auf den Punkt, was ich an Fragen habe…
    Lola kann kein Freigeist sein, und wahrscheinlich liegt das an uns. Wie können wir das ändern? Wenn sie und ich zusammen unterwegs sind, ist sie meist an einer 12- oder 15 m-Schlepp, und wir machen vieles unterwegs, auch Tricks und „Zirkus“. Es macht uns beiden viel Spaß; begünstigend kommt hinzu, dass man Lola sehr gut mit Leckerchen belohnen kann. Aber niemals habe ich (und hätte es doch so gerne!) das Vertrauen in sie, sie kommentarlos ihrer Wege ziehen und Hund sein zu lassen. Sobald sie sich nicht unmittelbar in meinem Einwirkungsbereich befindet, kriege ich Panik, dass sie jagen geht. Sie ist da sehr ambitioniert.
    Wie gesagt, ich würde das sehr gern ändern, aber ich weiß nicht, wie. Sie startet in Sekundenbruchteilen durch, und dann hört sie nix mehr. Keinen Rückruf – auch keinen doppelten, keinen Pfiff.
    Ich habe jetzt über fast zwei Jahre den Geschirrgriff im Zusammenhang mit „Stopp!“ aufgebaut. Klappt prima an der Schlepp, klappt prima mit mäßiger Ablenkung. Ohne Schlepp oder mit großer Ablenkung – noch nie probiert, ich hab einfach das Vertrauen nicht. Sich selbst erfüllende Prophezeiung?
    Liebe Grüße von Nele

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    • Wieso muss ein Hund unbedingt ein „Freigeist“ sein? Manche Hunde sind Freigeister und manche brauchen einfach deutlich mehr Überwachung und auch hier und da mal ne Bremse. Es gibt trainingstechnisch auch irgendwo Grenzen. Wenn du nen guten Trainer hast kannst du dich ran tasten aber wenn du die erreicht hast könnte ein überschreiten dieser sehr schwer und frustrierend werden.
      Man muss dann akzeptieren das Hunde einfach verschieden sind – was mit dem einen geht geht mit dem anderen lange nicht so gut und umgekehrt. Mit einem Pony macht man schließlich auch kein Westernreiten.

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    • Liebe Nele,

      ich habe das Wort „Freigeist“ gewählt, da es so mir gegenüber benutzt wurde. Schon die alten Philosophen wussten, dass der Mensch nicht „frei“ ist. Hunde ebenfalls nicht. Innere Zustände und äußere Begebenheiten verleiten uns zu verhalten. Frei sind wir so gesehen erst mal gar nicht 😀 ! Wir werden immer irgendwie fremdbestimmt *g* .

      Machst du das Freigeist sein von der Schleppleine abhängig?
      Ich denke, ich habe gerade die richtige Nele mit Lola im Kopf, und ich bin mir sehr sicher, dass Lola viele Momente in ihrem Leben hat, in denen sie bei euch frei agieren darf.

      Hat Lola an der Schlepp Momente, wo keine Interaktion mit dir stattfindet?
      Ich mache es mit Zuki oft so, dass sie sich den Weg aussuchen darf und ich hinterher. Bin dann also nur das Anhängsel. Von mir kommt in dem Momenten nur etwas, wenn Not am Manne ist. Oder halt, wenn der Weg, den Zuki meint gehen zu wollen, einfach nicht passierbar ist oder nicht passiert werden darf. Ich selber empfinde diese Momente oder ganze Spaziergänge als sehr bereichernd. Und manchmal checkt Zuki dann doch mal bei mir ein und meint, ich dürfte mich gerne mal wieder etwas mehr einbringen 😀 .

      Zuki und ich hatten auch die Phase, wo es von der Schlepp in den Freilauf ging in spezielleren Gebieten. Die Schlepp dort aus den Händen zu lassen war für mich auch eine Überwindung. Fallen lassen, hinterher gehen, ruhig wieder aufnehmen…. Geschafft! Fallen lassen, weiter gehen, ruhig wieder aufnehmen. YEAH! So habe ich mich langsam dorthin gearbeitet. Und ich sichere sie je nach Strecke immer noch über die Leine. Mal so, mal so.

      Wirkt Lola arg frustiert, wenn sie an der Schlepp ist? Oder hast du eher im Kopf, dass du sie damit zu sehr einengst? Fühlst du dich unfrei mit der Schlepp?

      Mit ner 15er und 20er lassen sich schon gute FLitzespiele veranstalten, wo sie auch Tempo machen kann 🙂 .

      Habt ihr die Möglichkeit, Lola auf einem gezäunten Gebieten laufen zu lassen?

      Freigeist, so wie ich es in dem Text gebraucht habe, und das meinte ich auch mit dem Satz, den du zitiert hast, bedeutet vor allem für mich erst mal, dass mein Hund in welcher Situation auch immer keine Angst vor mir haben muss! Angst zu haben schränkt so unglaublich ein, macht „unfrei“. Und dass ich ihm, im Rahmen meiner körperlichen und finanziellen Möglichkeiten sowie der Umweltbedingungen, möglichst viele seiner Bedürfnisse zu befriedigen versuche. Es ist immer ein Kompromiss! Das Leben ist immer ein Kompromiss!

      Und glaub mal feste dran, dass deine Lola dich ganz schön dolle lieb hat und dich sehr zu schätzen weiß!

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      • Du hast die richtige Nele mit Lola im Kopf. 🙂 Danke für deine Worte.
        Wir haben ein Gebiet, das nicht so sehr groß ist (ein Rundgang dauert etwa eine halbe Stunde), aber hier kann man gut üben. Und wir üben weiter. Wie du: Schlepp fallen lassen, Hund laufen lassen, Schlepp ruhig wieder aufnehmen… Und manchmal kann man sie auch einfach frei laufen lassen. Aber eben nur dort.
        Liebe Grüße!

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  2. Liebe Nicole, das passiert mir nur zu oft, dass sich die Leute über unser Tricksen – ob der Rasse (selbstsüchtiges, unerziehbares Windhunddings) – wundern. Jagdtraining, das ist ERNST !! Tricktraining, das ist Zirkus. Ich hasse Zirkus in jeder Beziehung, ganz besonders in Bezug auf die Tiere, deshalb trifft mich das immer sehr. Jedoch: wenn ich erzähle, wie wir das „Jagdtraining“ mit den „Tricks“ kontrollieren, staunen die Menschen nicht schlecht. Hach, mich amüsiert das. Für meine Rennmaus ist alles dasselbe, nur „GUCKEN“ macht immer am allermeisten Spass.
    Alles Liebe
    Nicole

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  3. „unterschätzt eure Hunde nicht! Es steckt so viel Potential in ihnen!“
    Jau das sehe ich ganz genau so. Es schadet nix mit dem Hund was zu machen. Der eine macht Tricks, der andere Mantrailing, wieder ein anderer Obediance und der nächste lässt sich von ihnen durch die Landschaft ziehen. Dazu braucht man keinen Border, keinen Bloodhound, kein Mali und keinen Husky sondern wenn der Hund und man selbst (ganz wichtig) Spaß dran hat, macht man es einfach. Wenn der Hund keinen Spaß oder man selbst mit der Art der Beschäftigung nicht warm wird lässt man es einfach bleiben.
    Der Hund wird durch Beschäftigung nicht eingeschränkt sondern aktiviert weil es immer Arbeit für das Gehirn bedeutet und das ist in jedem Fall gut – davon verliert der Hund nicht seinen Charakter, seinen Charme und seinen Instinkt. Schnüffeln und Pipi bleiben immer noch die Nr 1 – egal was man tut 😀

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