Nützliches aus dem Alltag – Eigenständiges Stoppen bei flüchtendem Wild

Bevor ich zum Video von heute komme ein paar Worte vorab.

Zu meinen Videos im „Kooperatives Jagen„-Artikel lese ich manchmal Kommentare, dass es doch gefährlich sei dem Hund beizubringen, Wild anzuschauen, es zu fixieren (dass der Hund dabei auch steht, wird dann oft übersehen). Sinnvoller wäre es, wenn der Hund lernen würde, den Besitzer anzuschauen oder den „Jagdtrieb“ auf ein Motivationsobjekt zu Kanalisieren und das Wild auszublenden.

Meine Antwort ist dann in etwa folgende:

Ich empfinde es als sehr angenehm, wenn ich im Wald unterwegs bin und der Hund gelernt hat, stehen zu bleiben und dem Wild nachzuschauen, wenn er welches entdeckt hat.

Jagdverhalten besteht aus verschiedenen Sequenzen, von denen ich im Training eine stark verstärke, so dass der Hund es immer häufiger und sicherer zeigt – Stehenbleiben und Fixieren. Total viel besser als Loshetzen!!! Zudem tut es dem Hund gut, da er einen Teil des jagdlichen Verhaltens am Wild zeigen darf!

Wichtig ist dann nur im weiteren Verlauf, dass die folgenden Belohnungen beim Abwenden seinem derzeitigen Bedürfnis entsprechen und das ist selten ein Keks, der ins Maul geschoben wird. Selbst ein Steak kann die Hunde oft nicht wirklich erfreuen. Unsere Hunde jagen meist nicht, weil sie arg Hunger haben und das Reh erlegen und fressen wollen. Was sollen sie mit nem Keks? Drum ist es mir wichtig, dass auch meine Kunden Belohnunslisten erstellen, die eine gute Grundlage für das Training sind.

Wird der Hund nicht bedürfnisorientiert belohnt, kann er dolle frustriert werden und er knallt einem letztendlich doch bei Wildkontakt durch. Damals sagte man dazu „Triebstau“ bzw. Trieb entladen oder so ähnlich.

Screenshot MAGIX Video deluxe 2015-03-11_19-00

Ich kann das Wild im Wald nicht ausblenden, der Hund kann es nicht ausblenden. Wenn ich ihm immer sage, sobald er Wild in der Nase hat – neeee mein Freund, das geht nicht, guck mich an oder so – dann ist das super stressend für ihn. Nicht-Jagen-Dürfen/Können ist harte Arbeit für viele Hunde! Es gibt auch Hunde, die sprechen auf Wild kaum an. Zara war so eine Kandidatin. Für Zuki jedoch ist Wild ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens!

Drum mache ich es mit ihr gemeinsam, nur halt ein bisschen abgewandelt.

Eigentständiges Stoppen

Nun zum Video. Zuki und ich schlenderten durch den Wald. Sie lief an schleppender Leine und ging ihrer Nase nach, wie auch ich meinen Gedanken nachging. Plötzlich nahm ich Bewegungen rechts von mir wahr. Zuki war irgendwo hinter mir. Da sah ich die Rehe. Kamera raus und gucken, was passiert. Die Aufnahme ist in etwa so, wie es oft bei uns abläuft, nur dass ich dann kreativer mit den Belohnungen bin. Mal am stehenden Wild, mal am flüchtendem Wild. Mit dem Unterschied, dass Zuki sie oft zuerst entdeckt 😀 . Ich hätte sie auch fragen können, wo die Bambis sind. Aber dann hätte ich auf dem Video nicht ihre Reaktion, die sie gelernt hat, wenn sie so Bambis findet.

Die Tiere bewegten sich, eines lief gleich rechts raus. Hab ich am Rechner erst gesehen, denn auf dem Handy-Display hab ich die Rehe manchmal kaum gesehen. Daher schaute Zuki auch einmal nach rechts – Blindfisch ich…

Zuki kann sich abwenden. Die übrigen kommen in Bewegung. Zuki spannt die Muskulatur an und geht drauf zu und – hält inne, eigenständig. Sie zeigt das eigenständige Stoppen der Bewegung am bewegtem Wild immer sicherer. Das ist das, was wir uns durch das Training erarbeiten.

Nun können einige sagen – ey, der Hund ist jetzt fast zwei Jahre alt. So lange haben die gebraucht, bis das so klappt?! Tsss….

Ja, ich könnte sagen, dass Zuki beginnend mit 5 1/2 Monaten deutlich jagdlich motiviert war und sie 1 1/2 Jahre brauchte und dort zu sein, wo sie jetzt ist. Wobei sie da schon früher war, ich es nur nicht auf Video hab. Oder ich rechne anders und sage nehmen wir die kurze Sequenz von heute, die sind 2 Minuten. Schon recht lang, oft sie die Kontakte kürzer, aber nun gut. Mal sind sie vielleicht länger. Nehmen wir an wir hätten täglich solche Momente (die wir nicht haben, aber egal). Dann sind das in 1 1/2 Jahren ca. 550 x 2 Minuten Training. Das sind knappe 18 Stunden. 18 Stunden Training am direkten Auslöser für das Ergebnis find ich okay!

Natürlich geht die Rechnung so nicht so ganz auf, denn es läuft ja einiges an Training neben bei, was erst mal nichts mit Wild direkt zu tun hat, aber natürlich in die Rechnung mit einfließt. Aber diese Faktoren gäbe es auch, wenn ich anders trainieren würde. So what. Ein dickes Dankeschön an dieser Stelle an meinem Papa, der auch immer fleißig in meinem Interesse mit Zuki (und auch Tali) trainiert, wenn er sie betreut. Erfolge stellen sich schneller ein, wenn alle dieselbe Sprache sprechen 🙂 !

PS: Zuki ist an der Schlepp, da sie zum einen ihre Stehtage hat und zum anderen wir in Schleswig-Holstein ganzjährig Leinenpflicht haben. Aber das geht auch ohne Schlepp, da die sie nur zur Sicherung am Hund ist. Sie wird nicht zur Signalgebung genutzt, so dass das Verhalten auch ohne sie stabil ist 🙂 . Wenn es der Zufall will, wird es bestimmt auch mal ein Video ohne Schlepp geben. Aber solche Begegnungen lassen sich halt schwer planen 😀 .

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4 Kommentare zu “Nützliches aus dem Alltag – Eigenständiges Stoppen bei flüchtendem Wild

  1. Liebe Nicole,
    das ist ein sehr schöner Artikel und ein wunderbares Video. Sehr empfehlenswert. Die Rechnung fand ich sehr lustig, muß ich merken.
    Leckerchen werfen finde ich auch eine sehr gute „Ersatzjagd“, die Hunde sprechen in der Regel sehr gut darauf an.
    Liebe Grüße und weiterhin viel Erfolg
    Ute Rott

    Gefällt mir

  2. Danke Nicole für diesen sehr interessanten, spannenden und wichtigen Bericht aus deiner Erfahrung und zu deinem Umgang mit Jagdverhalten bei Zuki.

    Zusammen mit dem Video wird nachvollziehbar ersichtlich was du damit meinst und wie dies in der Praxis dann aussehen kann und dazu führt, dass ein ruhiger, stressfreier und, ganz wichtig, bedürfnisorientierter Umgang mit dem genetisch fixverankerten Jagdverhalten möglich ist. Ohne Frustration aufkommen zu lassen und mit viel Verstärkung für eine unproblematische Sequenz aus der jagdlichen Verhaltenskette.

    Ein schöner Beitrag der unbedingt geteilt und weiter verbreitet werden sollte!

    Danke fürs Teilhaben 🙂

    Gefällt 1 Person

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