Das bin ich, das sind wir! Zu verbergen haben wir…. nichts.

In einem Hundeforum zum Thema „Geschirrgriff“ wurde sich teilweise sehr kritisch darüber geäußert. Auch zu unserem Zusammenschnitt von Geschirrgriffen in Anwendung:

https://umtali.wordpress.com/2011/12/23/verhaltensunterbrechung-mit-dem-geschirrgriff/ .

Ja, der Geschirrgriff enthält, wie bereits im Artikel beschrieben, die negative Komponente der körperlichen Einschränkung, daher wird dieser Punkt mit Belohnungen im Aufbau gegenkonditioniert. Das ist mit Verlaub etwas anderes, als wenn ich zur Verhaltensunterbrechung einen Negativmarker gebe und dem Hund einen aversiven Reiz wie Wasserspritzen, Lendenkneifen etc.  zukommen lasse. Dieser Reiz wird im Aufbau nicht gegenkonditioniert und soll direkt wirken. Berichtigt mich, wenn ich falsch liege.

Das Video selber entstand ursprünglich auf einer Anfrage einer lieben Trainer-Kollegin, welche nach Videos fragte, in denen man den Geschirrgriff bei einem „großen Hund in Action“ in Anwendung sehen könnte. So schnibbelte ich ein paar Szenen aus Videos zusammen. Aus dem Zusammenhang genommen wirken sie recht dramatisch – fast wie im Fernsehen – „Tali, the Red-Zone-Dog“ oder so ^^ .

Tali hatte viele Baustellen und mein Papa hat mit ihm erst im Frühjahr letzten Jahres komplett einen anderen Weg im Training eingeschlagen. Diverse aversive Trainingsmethoden hatten deren Beziehung über die Jahre nicht gut getan.

Ich habe mit Tali ab und an seit 2008 trainiert, aber ich sehe ihn einfach zu selten, um wirklich Fortschritte zu erreichen. Nachdem mein Papa sich richtig drauf eingelassen hatte und intensiv mit Markersignalen und Belohnungen trainierte (seit 2008 hatte er natürlich das eine oder andere von mir bereits übernommen gehabt), war deren Erfolg in kurzer Zeit in meinen Augen unglaublich. Er musste viel lernen, Tali musste viel lernen und lernen braucht Zeit. Diese haben sie sich genommen. So, dass beide lernen konnten und sich nicht überforderten.

Vor kurzem hatte ich mir Tali geschnappt, um mal wieder selber einen Spazi mit ihm zu machen. So schaut das jetzt aus:

(die Leerclicks sind keine, nur mein stimmliches Lob hört man durch den Wind nicht) und so in der Trainingsgruppe:

Bevor jetzt jemand schreit, aber die Hunde in einer Trainingsgruppe „kennt“ Tali ja alle – 1) das stimmt nicht, wir haben regelmäßig Neuzugänge 2) Tali ist offline sehr verträglich. Sein größtes Problem war der enorme Frust durch die Einschränkung der Leine bei Hundsichtung – egal wie weit weg sie waren und ob er die Hunde kannte oder nicht. Frustration und Aggression liegen eng beieinander.

Ich dokumentiere gerne unser Training, auch das mit Zara. Wir haben nichts zu verbergen. Das bin ich, das sind wir. Manches läuft super, manchmal denkt man – mensch, wo hattest du deinen Kopp eigentlich gerade. Auch Hundetrainer/Innen sind nicht perfekt. Aber so ist das. Nichts geschönt, hindrapiert – real life training 🙂 .

Wem es nicht gefällt, muss sich keine Anregungen davon holen. Niemand wird zu etwas gezwungen, auch nicht zum Artikellesen und Videosanschauen. Wer interessante Alternativen auf Video von seinem Training hat, darf diese aber ebenfalls gerne teilen!

Ich möchte diesen Artikel mit folgendem Zitat von Dr. Ute Blaschke-Berthold schließen:

„Dir ist der Weg des Lernens egal, weil nur das Ziel zählt? Der Weg ist mindestens so wichtig wie das Ziel, denn es ist der Lernprozess, der das Gehirn verändert!“

Verhaltensunterbrechung mit dem Geschirrgriff

Verhalten unterbrechen

Macht man sich das Training mit positiver Verstärkung zum Ziel, wird man unweigerlich mit der Frage konfrontiert – Was macht man, wenn der Hund unerwünschtes Verhalten zeigt? Es kommt im Alltag unweigerlich mal zu Situationen, in denen man den Hund nicht vorher abfangen kann, da die Zeit zum rechtzeitigen Reagieren zu knapp ist.

In diesen Fällen muss man doch das Verhalten unterbrechen? Unerwünschtes Verhalten verschwindet in den seltensten Fällen einfach durch ignorieren, da es z.B. oft eine stark selbstbelohnende Komponente enthält. Ist man jetzt doch auf aversiv wirkende Hilfsmittel wie Trainingsdiscs, Wasserspritzflaschen und Leinenrucke angewiesen? Muss man den Hund bedrohen und ängstigen? Die Antwort ist – nein!

Durch das Auslösen eines positiv aufgebauten Alternativverhaltens (z.B. Sitzen, Zurückkommen, Stoppen) lassen sich viele, auch unerwünschte, Verhaltensreaktionen unterbrechen. Für die zuverlässige Ausführung bedarf es jedoch eines ausgiebigen Trainings, damit der Hund sie auch in vielen Situationen ausführen kann! Die konditionierte Entspannung und der Geschirrgriff sind uns daher eine große Hilfe!

Erstarren – rückgerichtete Aggression

Bevor wir seinerzeit den Geschirrgriff trainierten, wurde Tali beim Griff ins Geschirr in für ihn aufregenden Situationen entweder komplett steif und ließ sich nicht mehr ohne starke körperliche Einwirkung unsererseits von der Stelle bewegen oder er schnappte nach hinten Richtung Hand, welche ihn festhielt oder er wurde noch frustierter und lauter.

Heute reicht oftmals die Ankündigung des Signals für den Griff und Tali kann sich vom Auslöser lösen. Dieses gibt uns die Zeit z.B. ein Alternativverhalten abzufragen, die Distanz soweit zu vergrößern, bis er wieder ansprechbar und aufnahmefähig ist und die Situation bewältigen kann oder ihn einfach während des Festhaltens zu entspannen. Dieses Signal erreicht ihn in erregenden Situationen selbst dann, wenn das positiv aufgebaute Umorientierungssignal/Alternativverhalten nicht mehr greift. Bei Zara setzte ich ihn gerne ein, um sie auf nette Art und Weise aus einem Mäusebuddelrausch zu bekommen.

Kleinschrittig und überlegt

Wichtig ist, beim Training sehr sorgfältig und kleinschrittig vorzugehen und den Griff ins Geschirr mit sehr angenehmen Konsequenzen für den Hund zu verknüpfen! Gerade auch, wenn der Hund schon zur rückgerichteten Aggression neigt! Bei starker rückgerichteter Aggression empfiehlt sich das Training des Griffs über die Leine.

Der Geschirrgriff wirkt über negative Verstärkung in Kombination mit sehr Angenehmen als Gegenkonditionierung während der Einschränkung. Der Griff ins Geschirr senkt das Erregungsniveau des Hundes und seine Bewegung nach vorne wird gestoppt.

Auch wenn er sorgsam aufgebaut wurde, enthält der Geschirrgriff die negative Komponente der körperlichen Einschränkung! Es ist wirklich hilfreich, dieses Training unter Anleitung eines guten Trainers oder mit jemandem, der Erfahrungen mit dem Geschirrgriff hat, zu beginnen!

Hier ein Zusammenschnitt einiger Szenen mit Tali aus den letzten Monaten, Juni-Nov. 2011, in welchen wir den Geschirrgriff anwendeten. Das Video ist eine neue Version des alten. Ich habe zwei Szenen auf Wunsch entfernt zum Schutze der Privatsphäre weiterer Beteiligter. Diese Ausschnitte beinhalten KEINE Trainingsanleitung! Distanz geben, Rennen, wieder-zum-Hund-schauen-dürfen und Entspannung sind die seinerzeit von uns oft genutzten Belohnungen resp. Alternativen, da Tali draußen kaum bis gar nicht Futter nehmen konnte und Futter keine Belohnung für ihn darstellte. Wir greifen seitlich ins Geschirr, da ich mit 60kg gegen 50kg Hund stehe und kaum Chance hatte Tali am Geschirr zu halten, wenn ich den Rückensteg nahm. Zudem war es mir wichtig eine Möglichkeit zu finden, wie ich Tali aus dem Fixieren anderer Hunde herausbekommen konnte, wenn er sich „verloren“ hatte.

Anne Rosengrün, Trainerin im Cumcane-Netzwerk, hat eine schöne Anleitung zum Aufbau geschrieben:

http://www.hundeservice-nuernberg.de/der-geschirrgriff-ein-universelles-abbruchsignal/

Der Geschirrgriff wurde von Dr. Ute Blaschke-Berthold und Dieter Degen (CumCane®) entwickelt.

Dieses sind Links zu interessanten Diskussionen zum Thema „Geschirrgriff“ auf Facebook:

https://www.facebook.com/groups/209060100497/10150953941750498/

https://www.facebook.com/groups/209060100497/10150955766040498/

Hier von mir ein aktueller Nachtrag zum Artikel:

https://umtali.wordpress.com/2012/05/25/das-bin-ich-das-sind-wir-zu-verbergen-haben-wir-nichts/

Herzlich Willkommen in „Tali’s Welt“ !

Es freut mich, dass ihr hier gelandet seid!

Ich bin nicht nur Trainerin für Menschen mit Hund, sondern auch eine ganz normale Hundehalterin, mit den „ganz normalen“ problematischen Situationen im Alltag, welche das Leben mit Hunden, neben all den schönen Momenten, auch mit sich bringen kann.  Auf dieser Basis entstand Tali’s Online-Tagebuch im Frühjahr 2008 und befindet sich seitdem im ständigen Wandel! Daher werdet ihr hier Artikel lesen, welche Tali verfasst hat 😉 und Artikel, welche ich geschrieben habe!

Mittlerweile ist dieser Blog fast zu einer Art Trainingstagebuch geworden.  Ihr findet hier u.a. Beiträge über:

  • das Training mit Markersignalen (Clicker & Co)
  • die konditionierte Entspannung
  • positive Verstärkung
  • motivations-orientiertes Training
  • den Geschirrgriff
  • Dogdance
  • Tricktraining

Aufgrund einiger kritischer Diskussionen bezüglich „Wattebauschwerfer“ und unserer Videos in Foren und auf Facebook eine Anmerkung 🙂 :

Training ist ein Prozeß und lernen braucht Zeit. Die Videos sind selten gestellt, nicht „geschönt“ und haben auch nicht den Anspruch, perfekt zu sein. Mensch und Hund müssen und dürfen lernen. Die Videos zeigen Ausschnitte auf dem Weg zu einem individuellem Ziel von Mensch und Hund. Es steht jedem frei, sein Training ebenfalls zu dokumentieren und der Öffentlichkeit zu zeigen. Ich schaue mir gerne Alternativen an!

Wichtiger Hinweis: Ihr werdet hier viele Videos aus unserem Training finden. Bitte versteht diese jedoch nur als Inspiration. Es sind KEINE Trainingsanleitungen! Jeder Hund ist anders, jeder Mensch ist anders. Ähnlich scheinende Problematiken haben selten die selben Ursachen! Was dem einen eine Belohnung ist, kann dem anderen eine Strafe sein! Wie bei einem Arzt kommt auch hier vor der Therapie eine Diagnose! Sucht bitte einen guten Trainer auf, der sich eure Situation anschaut und einen  individuellen Trainingsplan für euch erstellt!

Viel Spaß beim Lesen und Stöbern,
Nicole mit Zuki, Tali und Zara im Herzen!