Kooperatives Jagen – Benennen von Auslösern/ Verhalten

Anmerkung: „Kooperatives Jagen“ ist nicht der Name einer Methode oder eines Programms oder einer Hundeschule oder Ausbildungsrichtung oder oder oder. Es ist einfach tatsächlich nur der Titel für den Artikel 😀 ! Die Werkzeuge dazu habe ich während meiner Ausbildung bei Dr. Ute Blaschke-Berthold erlernt.

Auch ist das Benennen von Auslösern und Verhalten nicht das einizige Element im Training. Bedürfnisliste, Rückruf, Stoppsignal etc. gehören ebenso dazu!

Ich werde diesen Artikel nutzen, um ab und an unseren Trainingsstand zu dokumentieren. Somit findet ihr am Ende immer unser aktuellstes Video.

Als ich mich im Mai letzten Jahres dazu entschlossen hatte, mein Leben mit einem Rhodesian Ridgeback zu teilen, habe ich auch gleichzeitig deutlich JA zu einem Jäger gesagt. Zuki ist der vierte Ridgeträger in unserer Familie. Mara und Tali hatten/ haben viel jagdliches Talent, Shiwa war eher wie Zara veranlagt und konnte mit Wild nicht so viel anfangen.

Der Jagdhund

Mit Zuki’s ca. 5. Lebensmonat war zu sehen, dass Hasen ihr Gehirn in besonderer Weise anfunken, ab dem 8. Lebensmonat waren die Rehe im Wald recht plötzlich ganz andere Tiere als vorher. Stünde Zuki vor der Entscheidung, ob sie lieber einem Hasen oder Reh hinter her dürfte, würde sie sich immer noch für den Hasen entscheiden. Prima sind sie aber alle beide 🙂 .

Zuki hat sich das Leben an meiner Seite nicht ausgesucht. Sie hat es sich auch nicht ausgesucht, in den Wald gekarrt zu werden, um dann dem Wild n i c h t hinterher laufen zu können. Das, was für uns Menschen so einfach ist – bei Sichtung von Wild stehen zu bleiben und sich am Anblick zu erfreuen – ist für Zuki Schwerstarbeit!

Ich mag es, Hunde zu beobachten, wenn sie ihre Sinne auf volle Leistung bringen und in ihre Welt abtauchen. Mit einem Jäger an seiner Seite wird im Wald so vieles sichtbar!

Kooperationskurs

Da ich ihr das Jagdverhalten nicht aberziehen kann – es steckt unweigerlich in ihren Genen – , versuche ich mich in ihre Welt einzubringen. In dem Moment, wo ich mich mit ihr auf Kooperationskurs befinde, habe ich Einfluß auf ihr jagdliches Talent und kann es kontrollieren.

Jagdverhalten besteht aus mehreren Sequenzen/ Bewegungsmustern:

  • Orientieren – War da was? Wo ist es?
  • Fixieren – Da ist es!
  • Beschleichen
  • Hetzen
  • Packen – die Beute wird gepackt und gehalten
  • Töten – die Beute wird getötet
  • Zerlegen/ Fressen

Nicht alle Hund zeigen alle Sequenzen und nicht alle Hunde zeigen alle Sequenzen gleich ausgeprägt. Zuki beispielsweise springt schnell vom Orientieren ins Hetzen. Wenn sie könnte, wie sie wollte, liegt zwischen dem Wahrnehmen eines Auslösers und dem Hetzen nur Bruchteile von Sekunden.

Ich brauche jedoch mehr Zeit, bis mein Gehirn adäquat reagieren kann! Also versuche ich über das Training, die Sequenz „Fixieren“ zu verstärken. Wenn Zuki einen Auslöser länger anschaut bevor sie durchstartet, habe ich mehr Zeit um mich in das Geschehen einzubringen.

Auch für den Hund macht es einen großen Unterschied, ob er freiwillig ein anderes Verhalten anbietet, oder ob ich ihm sage, beim Anblick von Rehen mache ein Sitz oder ähnliches.

Da das Fixieren genetisch verankert ist, ist das Auslebendürfen dessen belohnend. Keine Frage, Hetzen wäre belohnender, aber da liegt es an mir, ihr Belohnungen zukommen zu lassen, die zu ihrer Motivation passen. Unsere Belohnungsliste ist lang. Ich hab sie in diese Situation gebracht, also ist es auch meine Aufgabe, ihr das Leben auch in dem Gebiet so angenehm und befriedigend wie möglich zu gestalten.

Manche Hütehundhalter trainieren mit ihren Hunden an Schafen. Unsere Jäger haben da echt die Po-Karte gezogen… ich kann meiner Zaubermaus keinen „Rehpark“ bieten und möchte aus ethischen Gründen da auch gar nicht weiter drüber nachdenken. Aber wenn wir in den Lebensraum des Wildes eindringen, versuche ich Kontakte für beide Seiten so gut wie möglich zu händeln.

Benennen von Auslösern/ Verhalten

Benenne ich Auslöser wie Rehe und Hasen, habe ich drei Nüsse mit einem Knacker geöffnet:

1. Belohnung

Dadurch, dass die Tiere einen Namen bekommen, kann ich das Gucken von diesen Tieren als Belohnung einsetzen.

Beispiel:

Ich habe die Rehe vor Zuki gesehen (kommt bei Jagdhundehaltern durchaus häufiger vor, denn auch unsere Augen werden sehr geschult). Dann kann ich ein Verhalten abfragen wie Sitzen, Hinlegen, Handtouch, eine Strecke an der Seite laufen oder irgendwas und dann nach dem Marker die Belohnung geben „Wo sind die Bambis?“. Das Suchen, das Orientieren nach einem Auslöser – und ich sage ihr sogar noch, was sie such kann – ist sehr belohnend und in so einer Situation mehr wert als ein Leckerchen. Und ich muss keine große Sorge haben dass, wenn sie den Auslöser gefunden hat, durchstartet denn…

2. Stehenbleiben und Fixieren

…der Name ist gleichzeitig mit einem Stehenbleiben und Fixieren von mir verstärkt worden!

3. Verhalten abfragen

Sollte Zuki eine Bewegung im Wald wahrgenommen haben und es durchzuckt sie, dann kann ich sie mit „BAMBI“ ins Stehenbleiben und Fixieren bringen. Es wird zu einem Lauerspiel.

Nebeneffekt:

Findet Zuki im Wald Rehe, zeigt sie mir diese häufig deutlich an. Die Phase zwischen Wahrnehmen und Lossprinten hat sich deutlichst verlängert und ich habe die Zeit, die ich brauche, um mich mit einzubringen.

Und ich kann sie fragen „Wo sind die Bambis?“ und findet sie nichts, kann die Leine ab 🙂 !

Es versteht sich von selbst, dass Zuki in wildreichen Gebieten über eine Leine gesichert ist, solange das Verhalten für mich noch nicht sicher genug gezeigt wird. In vielen Gebieten ist eh Leinenpflicht. Und für den Fall der Fälle sind ihr Rückruf ziemlich gut.

Trainingsausschnitt und Verstärker

Da die Situationen im Wald nicht geplant auftreten, ist es mit Videos teils recht schwer. Aber heute hatte ich Glück und ich hab euch mal die Phase des Benennens aufgenommen. Meine Belohnungen nach ihrer Umorientierung hätten schöner ausfallen können, aber mit Kamera vor dem Auge ist es leider immer ein Kompromis – meist zu Ungunsten von Zuki.

Beim Benennen startet man natürlich nicht am schnell flüchtendem Wild, sondern wählt eine Distanz, wo der Hund noch eine Chance hat, stehenbleiben zu können!

Bei der Benennung folgt nach dem Marker verbales Lob zur Unterstützung. Die eigentliche Belohnung ist das Weiterguckendürfen! Wichtig! Kann der Hund sich vom Auslöser lösen, sollte eine Belohnung folgen, die dem aktuellen Bedürfnis des Hundes entspricht – z.B. ein kleines Rennspiel, ein Felli an Schnur oder ein Flugkeks!

Diese Form des Impulskontroll-Trainings direkt am Auslöser bei Jagdverhalten empfinde ich effektiver als das Trainieren beispielsweise an einer Reizangel.

2008 war mein erstes Cumcane-Seminar bei Ute; Thema: „Aufmerksamkeit und Jagdverhalten“. Alles ganz weit weg von einem „Anti“-Jagdtraining und Strafen von Jagdverhalten. Dieses Seminar war ein großes Geschenk für mich und die Hundekinder!

Nachtrag: Mit „Anti“-Jagdtraining meine ich nicht das Training von Pia Gröning, welches unter dem Namen „Antijagdtraining“ läuft 🙂 !!!

Update vom 15.03.14

Update vom 15.04.2014

Update vom 31.05.2014

Hasen sind für Zuki sehr starke Auslöser. Im Gegensatz zu Kaninchen, die sich zügig in „Luft auflösen“ wenn man näher kommt, ganz ähnlich den Vögeln, flitzen Hasen sehr lange und sind somit seehr lange im Sichtfeld.

Unser Trainingsstand mit Hasen ist nicht sehr weit, da wir viel zu wenige treffen. Zudem lassen die Hasen einen häufig sehr nahe herankommen, bis sie blitzeflink aus ihren Sassen sprinten. Diese schnelle Bewegung aktiviert Zuki sofort.

In diesen Fällen bleibt bei unserem derzeitigen Trainingsstand (und/ oder):

  1. Sicherung in Hasengebieten durch die Schlepp
  2. Stoppsignal
  3. Rückruf
  4. Zuki startet, wird langsamer und kommt ins Scannen

Die Situation wie hier im Video ist sehr selten. Es wäre eine schöne Möglichkeit gewesen, um Hasen zu benennen, aber dafür hab ich daran gedacht, das Handy aus der Tasche zu kramen.

Konnte Zuki die Hasen vorher Scannen, ist es für sie deutlich einfacher zu ertragen, wenn sie losflitzen.

Update 28.7.2014:

Update 15.02.2015 (hier stehen auch nützliche Informationen in den Kommentaren zum Video)!

Mittlerweile ist Zuki ziemlich sicher geworden, was das Anzeigen und Stehenbleiben am Wild angeht. So können wir bauen unser Projekt Freilauf immer weiter ausbauen 🙂 !

Tali, Zuki und das springende Reh:

 

Aktuelle Artikel – ein Jahr später:

https://umtali.wordpress.com/2015/03/11/nutzliches-aus-dem-alltag-eigenstandiges-stoppen-bei-fluchtendem-wild/

https://umtali.wordpress.com/2015/03/20/scannen-und-ruckspursuche-training-am-jagdverhalten/

Gedanken zum „Zeigen und Benennen“

Dieser Beitrag war ursprünglich nur eine Facebook-Notiz. Ich wurde aber drum gebeten, ihn auch außerhalb Facebooks zu veröffentlichen. Hier ist er 🙂 .

„Zeigen und Benennen“ wird mittlerweile gerne als eine Art Allheilmittel für problematisches Verhalten empfohlen. Ich sehe diese Entwicklung eher kritisch. Dieses Werkzeug mutiert zu einer isolierten Technik und ist als solches nichtgedacht.

Ich habe dieses Trainingswerkzeug, entwickelt von Dr. Ute Blaschke-Berthold,  2008 erstmalig kennengelernt und natürlich ist es auch Teil meiner Ausbildung bei ihr.

Letztendlich ist die Idee dahinter sehr simpel. Wäre jedoch Training mit Hunden so einfach, müsste ich mich nicht um Ausbildung und Fortbildungen kümmern, um meinen Kunden Wissen zu vermitteln und mit ihnen zu trainieren.

Wir Trainer haben eine große Verantwortung den Hunden und Menschen gegenüber. Im Training selber ist das Analysieren von Situationen und das Schulen des Menschen für mich nicht immer einfach. Noch schwerer tue ich mich daher, Anleitungen für Anfragen in Foren oder auf Facebook zu geben, wenn es um Verhaltensfragen geht. Mir wird häufig vorgeworfen, ich würde mein Wissen im Netz zurückhalten, da ich damit Geld verdienen würde wollen. Vor ein paar Jahren hätte ich vielleicht ähnlich gedacht.

Zeigen und Benennen – es gibt mittlerweile einen schönen Artikel in der SitzPlatzFuss Ausgabe 14 http://www.sitzplatzfuss.com/die-themen/ausgabe-14/ von Ute dazu – hat seine Tücken. Diese erlebe ich live, wenn Menschen zu mir kommen, die es an ihren Hunden aufgrund von Tipps aus dem Netzausprobiert haben. Hunde, die bei der Benennung des Auslösers in die Leine preschen und sich arg gebärden, Hunde, die andere Hund fixieren und die Spannung immer größer wird.

Es gibt fortgebildete Hundhalter denen ich es zutraue, selbstständig neue Ideen imTraining ihres eigenen Hundes umzusetzen, aber das ist nicht der Großteil der Menschen, von denen ich so häufig Fragen zum Verhalten und Training ihrer Hundeim Netz lese.

Vor dem Verhaltenstraining sollte die funktionale Verhaltensanalyse stehen.

Zeigen und Benennen ist ein kleines Werkzeug, keine isolierte Methode, um Verhalten zu ändern. Es ist daher weniger vergleichbar mit den Trainingstechniken BAT, CAT oder LAT – wem diese Abkürzungen was sagen sollten.

Daher meine Bitte, auch wenn es Geld kostet, holt euch im Zweifelsfalle einen Trainer, der in dieser Thematik steckt, ins Haus, damit er sich eure Situation anschaut undeuch schult, damit ihr mit eurem Hund weiter trainieren könnt. Die Basis solltet ihr, je nach Kenntnisstand, in ca. 3-5 Stunden verstanden haben. Nagelt euren Trainer aber nicht darauf fest. Training ist sehr individuell.

So, nun ein paar Worte zum Zeigen und Benennen, die ich vor längere Zeit in einem Blogartikel verfasst hatte:

Im Aufbau gibt man das Markersignal, sobald der Hund den Auslöser entdeckt hat (Zeigen) und belohnt ihn dann. Hat man dieses mehrmals wiederholt, wird der Hund in Erwartung an das Markersignal beim Anblick dieses Auslösers sich leicht zu seiner Bezugsperson orientieren – z.B. durch eine leichte Kopfbewegung, das Zucken eines Ohres. Dieses wird dann markiert. Mit der folgenden Belohnung führt man den Hund mit der Belohnung in ein Alternativverhalten. Das ist die Stufe, in welcher mit der Benennung des Auslösers begonnen werden kann (Benennen). Benennt man zu früh, also in der Phase, in welcher der Hund noch sehr erregt ist, hat man mittels klassischer Konditionierung die Erregung mitdem Signal für den Auslöser verknüpft. Ist das passiert… shit happens! DieDeutsche Sprache hat so viele tolle Worte. Nehmt dann eine Neues!

Je nach Motivation des Hundes ist es erstrebenswert, wenn funktionale Verstärker(beispielsweise Distanz geben oder auch zum Auslöser hin gehen/pendeln) genutztwerden. Ein Keks als Verstärker für erwünschtes Verhalten ist in dem Rahmen, indem Zeigen&Benennen angewandt wird, oftmals nicht ausreichend. Bei Angstund Aggression teils sogar kontraproduktiv!

Was kann manmit Zeigen und Benennen erreichen, wenn man aus der Anfangsphase bei bestimmten Auslösern raus ist? Wie schaut es aus mit der Anwendung?

Bin ich mitZara unterwegs schaue ich sehr genau hin, wozu sie in der Lage ist. Wo braucht sie wie meine Unterstützung, in welchen Momenten kann sie alternatives Verhalten schon von alleine anbieten, wenn sie einen Auslöser selber gefunden hat, welches ich dann verstärken kann. Oder hat sie sogar einen Auslöser wahrgenommen, hat sich ins Alternativverhalten gebracht und ich sehe, dass sie mit ihrer Entscheidung sehr glücklich ist und ich dann “nur” noch ein verbales Lob hinter schicke. Es kommt mittlerweile immer häufiger vor, dass wenn ich mit Zara durch die Straßen gehe und sie einen Hund auf der gegenüberliegenden Straßenseite erblickt, die beiden sich kurz Anschauen, Zara sich abwendet und schnüffelnd weiter trottet. Da lobe ich sogar teilweise nicht mehr verbal, sondern lächle vor mich hin. Sollte Zara mich anschauen, wird sie dieses Lächeln verstehen!

Fragen nach einem Auslöser tue ich, wenn ich mir sicher bin, dass Zara ihn nicht wahrnehmen könnte und sich erschrecken wird, oder wenn sie was entdeckt hat und es nicht einordnen kann. Bei letzterem senkt dann das Signal für das Etwas deutlich das Erregungsniveau und ich warte dann oftmals auf ihr Alternativverhalten (Abwenden, Bogenlaufen, Schnüffeln, Handtouch..). Hinschauen lasse ich auch, wenn sie eigentlich nicht hinschauen möchte und den Auslöser meidet. Ich möchte nicht, dass sie Dinge meidet. Meidet/ignoriert sie Auslöser weiß ich, dass ihretwas nicht behagt. Hat sie hingeschaut, sich mit dem Ding/Person/Tierauseinandergesetzt, ist es für sie dann ok! Sie konnte lernen!

Bei Tali entwickelt es sich in vielen Bereichen sehr ähnlich. Das Suche lassen von Hunden nutzen wir bei ihm jedoch häufig als Belohnung. Tali möchte ja Kontaktzu anderen Hunden. Dieses ist jedoch aus verschiedenen Gründen nicht immermöglich. Anstatt ihn im Fuß an anderen Hunden vorbei zu führen, möglichst noch ohne Blickkontakt zum Auslöser – ich schreibe das hier jetzt so, da ich diesen Wunsch von vielen Menschen lese – darf er, nachdem er ein Alternativverhalten angeboten hat, gerne wieder hinschauen! Noch toller für ihn ist es, wenn derdort schnüffeln darf, wo sich der Artgenosse befunden hat.

Im Wald zum Thema Jagdverhalten ist“Zeigen und Benennen” in so fern praktisch, als dass wir:

a) “Bambi gucken”, “Häschen gucken” als Belohnung einsetzten können

b) Tali fragen, wo ist das XY? Schaut er in den Wald, schnuppert hinein und schaut uns danach mit fragenden Augen an, ist es eine wertvolle Information für uns. Das Gebiet für ihn “wildfrei”, er hat nichts gefunden undsomit darf er gerne offline des Weges ziehen.

Ein Punkt bezieht sich auf beide Hunde, unabhängig von der Örtlichkeit. Als Mensch ist man dazu geneigt, auch nicht immer die volle Aufmerksamkeit auf den Hund undauf die Umwelt zu haben. Mir ist es nicht möglich! Es gibt sie, die Momente, indenen ich vor mich hin träume, in denen meine Augen am Hinterkopf nicht funktionieren oder mir der Wind mein Gehör irritiert. Gut, wenn die Hunde dannfür einen aufpassen!

Der Auslöser wird zum Signal für alternatives Verhalten!

Stehe ich irgendwo dumm rum und genieße die Aussicht, weiß ich, wenn Zara mir mit der Pfote auf den rechten Fuß tippt oder meine Handfläche zum Anstubsen sucht, dass sie mir sagen möchte – Hey, ich hab ‘nen Hund gesehen!

Trödel ich träumend mit Tali durch den Wald, beobachte vielleicht noch das rege Treiben der Tierchen zwischen den Blättern auf dem Boden, bin ich sehr dankbar, wennTali stehenbleibt und geduldig in Richtung Rehe schaut, bis mein Gehirn mirfunkt – Tali hat was gefunden, sich sollte reagieren!

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Interview mit Ute Blaschke-Berthold von CumCane

Ein schönes Interview mit Ute in der Dogs – einer Zeitschrift, die ich eigentlich weniger prickelnd finde. Aber die Autorin Katharina Jacob schafft dieses Mal ein angenehmes Gegengewicht 🙂 !

„….Wir hören auf, alles zu verbieten, und kooperieren mit unserem Hund. Dessen Frustration reduziert sich, sein Erregungslevel sinkt. Dadurch bekommen wir einen Hund, der ansprechbar bleibt, selbst wenn etwas Aufregendes geschieht…“

Danke Ute für all das Wissen, was du uns zur Verfügung stellst ♥ ! Es geht hier um weit mehr als „nur“ Hundetraining.

http://www.dogs-magazin.de/erziehung/hundeschule-cumcane-ute-blaschke-berthold-119471.html

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„Barks From The Guild“ – das Journal der Pet Professional Guild

Die „Pet Professional Guild“ ist eine internationale Organisation gewaltfrei arbeitender Trainer, derer auch ich angehöre. „Barks From The Guild“  ist das Journal der Pet Professional Guild, welches man online lesen oder auch downloaden kann.

In der aktuellen Ausgabe Herbst 2012 ist der erste Teil eines Beitrags von Dr. Ute Blaschke-Berthold erschienen mit dem Thema „Grenzen setzen“. Da ich denke, dass dieser Beitrag für den einen oder anderen von euch von Interesse sein könnte, verlinke ich hier die Aktuelle Ausgabe.

http://www.petprofessionalguild.com/BarksAutumn

Neben diesem Artikel beinhaltet die Ausgabe auch folgende, lesenswerte Themen/Artikel:

Auf einer Ebene mit den Tieren
By Viviane Theby (summarized in English, Dutch, Spanish and Portuguese)

Where do Conditioned Emotional Responses Originate, and How Can We Alter the Resulting Behavior? Taking a New Look at Old Methodology.
By Bethany Jordan,

Book review:
Reviewer: Anne Springer
Book: Plenty in Life is Free: Reflections on
Dogs, Training and Finding Grace
Author: Kathy Sdao

Choke & Prong Collars
Health Concerns Prompt Changing Dog Training Equipment
By Angelica Steinker and Niki Tudge

Doorbells, Dracula & Dum Dums
By Jennifer Shryock, B.A. CDBC

Kids & Dogs — Resource Guarding
By Joan Orr and Teresa Lewin

Ask Leah . . . Why Does My Dog Pull?
By Leah Roberts

PPG Member Profile: Nando Brown
By Angelica Steinker

Product Review — West Paws Tux® toy
By Leslie Fisher Clifton
Viel Spaß beim Lesen und Lernen 🙂 !

Tali’s Welt goes „Easy Dogs“ – Grenzen der Trainierbarkeit

Einige meiner Lehrer von damals würden die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, wenn ich ihnen sagen täte, dass ich als Autorin tätig bin. Chemie, Biologie, das waren meine Fächer! Deutsch? Sprachen? Ein echter Alptraum…

Angefangen mit Tali’s Welt bin ich nun auch Autorin für das Easy Dogs Team  und freue mich wirklich sehr! Die Zusammenarbeit macht mir sehr viel Spaß. Ein neues Projekt – eine neue Herausforderung!

„…“Mein Hund kann das nicht!“, „Das wird er scheinbar nie lernen.“ oder „Ich schaffe das nicht (mehr)…!“ – kommen Ihnen diese Sätze bekannt vor?

Stoßen Sie auch manchmal an Ihre Grenzen im Zusammenleben und Training mit Ihrem Hund? Ich bin sehr häufig an meine Grenzen gestoßen, körperlich und auch psychisch, mit allen Gefühlen, die dazu gehören: Wut, Frust, das Gefühl zu versagen und tiefe Traurigkeit…..“

Hier geht es zum ersten Teil meiner 5-teiligen Artikelserie „Gibt es Grenzen der Trainierbarkeit?“. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

http://www.easy-dogs.net/home/blog/training/nicole_dumke/grenzen_training_dumke.html

 

 

 

Video: Von Menschen, Hunden und Training – Ausbildung pro cane familiari®

Heute mal in nicht wirklich eigener Sache, aber doch schon so ein bisschen 🙂 !

„Ausbildung pro cane familiari®“ bietet in der Schweiz eine modular aufgebaute Ausbildung zum Hundetrainer/In SKN an. Vor kurzem haben sie einen kleinen Film vorgestellt, welchen ich gerne mit euch teilen möchte. Er hat mich sehr berührt. Auch wenn ich so sehr im Thema bin, wurde mir wieder einmal klar, was für ein großes Glück ich vor einigen Jahren hatte über CumCane® gestolpert zu sein.

Der kleine Film beinhaltet neben Sequenzen aus dem Unterricht auch interessante Interviews mit Esther Hufschmid, der Ausbildungsleiterin und Dr. Ute Blaschke-Berthold. Viel Spaß beim Schauen!

CC-Trainingsgruppentreffen Runde 5: Vertrauen und Glück

Ein gutes Jahr ist es nun her, dass ich Gerd aufsuchte mit der Bitte, er möge mal auf mein Training mit Zara schauen, da ich irgendwie nicht weiterkam. Obwohl ich mit ihr tolle Fortschritte erlebte, war ich in vielen Situationen zu sehr in meinen Erinnerungen und Erlebnissen „gefangen“ und kam da nicht von alleine raus. Ich weiß nicht mehr, welches der Auslöser war, weswegen ich Gerd eine Mail schrieb, aber es war mit einer meiner besten Entscheidungen in meinem Leben.

Ich habe es zwar schon des öfteren geschrieben, aber diese Gruppe ist ein echtes Geschenk! Verantwortungsvoll, vorausschauend, ruhig, nett, achtsam, lustig  ^^ und liebevoll im Umgang mit ihrer Umwelt – solche Menschen trifft man nicht allzu häufig!

10 Teams waren gestern am Start! Davon 2 „Neueinsteiger“ 🙂 !

Zara war zu Anfangs aufgeregter als die letzten Mal, da sie – und auch Tali – nach der längeren Fahrt noch einige Zeit im Auto warten musste, bis es losging. Tali hatte sich schneller runtergefahren als Zara!

Als sie sich wieder gefangen hatte und Ruhe einkehrte, war dieses möglich!

Beweisfoto: ICH HAB DIE LEINE LOSGELASSEN!!! Auf dem Foto nicht mit drauf der Spike, welcher gar nicht so weit von Zara entfernt stand!

Noch ein Beweisfoto! Ich hatte Zara an der 5 Meter Schlepp und diese recht häufig NICHT in meinen Händen 😀 !

Das Haupt-Thema für uns an diesem Tag waren: Ressourcen! Zara neigt dazu, Ressourcen anderen Hunden gegenüber massiv zu verteidigen. Spielen mit Spielies in Gegenwart anderer Hunde, Hunde anschauen können, Spielie ruhig anschauen können, spielen, danach entspannen und andere Hunde beim Spielen zuschauen – all das war möglich! Und – ich durfte Zara dabei berühren! Sie hat sich sogar einmal an mich gedrückt *hach* !

Eine Herausforderung der besonderen Art ergab sich aus dem „Flirt“ von Amira und Tali *g* ! Ich hatte die Chance mit Zara zu trainieren, dass ein anderes Mädchen direkten Kontakt zu IHREM Tali aufnahm und dieser sich ebenfalls sehr interessiert zeigte 😉 ! Das alles in recht kurzer Distanz zu ihr! Tali hatte sogar die Möglichkeit am Ende des Treffens noch mit Amira zu spielen! Da ging mein Herz wirklich auf!

Solche Momente wie der gestrige Tag sind das, was ich als „Glück“ empfinde! Den Moment genießend und ganz bei ihm sein!

Ich danke allen an dieser Stelle nochmals dafür, dass ihr mich so glücklich macht! Und dir Gerd tausend dank dafür, dass du die Fotos gemacht hast und dass du mir und Zara das überhaupt ermöglicht hast! Ein Jahr… die Zeit vergeht! Ich möchte keine Minute davon missen!

Die INUTO-Website ist online!

Die Website von INUTO ist online! http://www.inuto-hundeschule.de/

Und ich kann es noch gar nicht glauben!  Auch wenn meine Hundeschule jetzt schon seit einiger Zeit läuft, fühlt es sich mit der Website jetzt so richtig komplett an!

Beim Weihnachts-Essen vor ein paar Wochen kamen wir in gemütlicher Runde auf das Thema Website. Da ich mich selber nur im Standard-Wordpress auskenne, dachte ich an ein Baukasten-System. Mittlerweile gibt es da durchaus nette Lösungen!

Mein Bruder sagte – ne, das geht gar nicht… Ich fragte ihn – kannst du denn Webseiten erstellen? Er antwortete – neeee 🙂 .

Sein Bereich ist Grafik-Design und Foto-Bearbeitung. Bruderherz‘ Motto ist jedoch – was du nicht kannst ist es oft wert, gelernt zu werden :D!

Ich hab ihm komplett freie Hand gelassen und das jetzige Design ist ganz allein sein Werk! Keine Templates, keine Ideen von mir – bis auf die Texte natürlich – nur Photoshop und ein Editor. Ich bin ganz schön dolle stolz auf ihn, dass er sich so weit ins HTML reingearbeitet hat, dass diese Website möglich wurde!

Sie hat keine Super Spezial-Funktionen, aber sie ist klein, fein und unser 😳 ! Wir hatten beide sehr viel Spaß beim Entdecken dieser neuen Welt, welche von mal zu mal größer und weiter zu werden schien!

So weit es ging, haben wir die Seite auf verschiedenen Browsern getestet. Wir sind uns aber nicht sicher, dass sie überall einwandfrei läuft. Habt Nachsicht, wenn etwas verquer erscheint!

Tali’s Welt wird jetzt wieder zu Tali’s Welt. Die Zeit der Übergangslösung ist vorbei *yippieh* !

Und nun wünschen wir euch viel Spaß beim Stöbern!

Nicole und André

Dr. Ute Blaschke-Berthold über den „Social Support“ – Trösten erlaubt!

Dr. Ute Blaschke-Berthold (CumCane®) hat auf Facebook einen wichtigen Beitrag zum Thema „Angst und Trösten“ geschrieben! Ein Thema, welches gerade auch jetzt zum nahenden Jahreswechsel aktuell ist! Mir liegt es sehr am Herzen! Steht euren Hunden bei, wenn sie Angst haben und ignoriert sie nicht! Gebt ihnen Social Support!

Mit freundicher Genehmigung von Dr. Ute Blaschke-Berthold:

Update von Ute vom 14.12.2014 am Ende des Textes zum Thema Vorbereitungen und Werkzeuge!

Unvermeidlich … Silvester!

Nicht nur am 31. Dezember wird das neue Jahr lautstark begrüßt, sondern bereits Tage, ja Wochen vorher bemerken wir, dass Krach machen für viele Menschen offensichtlich ein selbstbelohnendes Verhalten ist. Für viele Tiere allerdings bedeutet dies eine Konfrontation mit Angstauslösern. Knallgeräusche lösen bei vielen Tieren Schreck und Angst aus, weil es Geräusche sind, die sehr plötzlich sehr intensiv auftreten. Das Gehirn eines Hundes ist darauf vorbereitet, auf genau solche Reize mit Alarmiertheit, Anspannung, Vorsicht und Fluchtverhalten zu reagieren.

Jeder Hundehalter sollte sich darauf einstellen, dass sein Hund auf Knallgeräusche reagiert. Auch Hunde, die bislang nicht offensichtlich ängstlich reagierten, könnten beim nächsten Feuerwerk betroffen sein. Denn Angst wird durch viele verschiedene Faktoren graduell abgeschwächt oder verschlimmert. So werden unterschwellig vorhandene Ängste auch für den oberflächlichen Beobachter offensichtlich, wenn der Hund zusätzlich krank ist, mit Stressoren in seinem Umfeld zu tun hat, gerade mitten in seiner Jugendentwicklung steckt oder aber zu altern beginnt.

Egal wann, wie und wo ein Hund beginnt, Angst zu zeigen, die Empfehlungen für den Umgang mit dem Tier in diesen Situationen ähneln sich sehr. Der zentrale Punkt dieser Anleitungen lautet: Ignorieren Sie Ihren Hund, wenn er Angst hat, trösten Sie ihn keinesfalls. Trösten würde dem Tier zeigen, dass seine Angst berechtigt ist. Und so handeln viele Hundehalter gegen ihre Intuition und kümmern sich nicht um ihr Tier in den Stunden seiner Not.

Was ist dran?

Nun, zuerst stellt sich die Frage: WAS ist Trösten? Wie sieht es aus? Ist es ein typisch menschliches Verhalten oder hat es Wurzeln im Tierreich?

In der Verhaltensbiologie gibt es für das Phänomen des Tröstens einen Fachausdruck, Social Support! Das bedeutet „Soziale Unterstützung“ und ist eines der Kriterien für kooperatives Verhalten in Gruppen. Menschen zeigen dieses Verhalten, aber auch viele andere Tiere, die in Gruppen leben, sind dazu fähig, geben und holen sich Social Support. Social Support bedeutet, Gruppenmitgliedern in stressenden Situationen durch körperliche Nähe und Zuwendung zu helfen. Körperliche Nähe und Zuwendung durch Bindungspartner senkt Blutdruck, Herzfrequenz und Spiegel der Stresshormone, und hilft, beängstigende Situationen besser zu bewältigen. Würde Social Support zu einer Verschlimmerung von Angstzuständen führen, hätte sich dieses sozio-positive Verhalten im Verlauf der Entwicklungsgeschichte nicht erhalten können! Keine Gruppe kann es brauchen, dass ihre Mitglieder immer ängstlicher werden.

Hundehalter sollten sich am Wissen über Sozialverhalten orientieren und ihren Tieren ausreichend Social Support geben, um ihnen durch die stressende Silvesterzeit zu helfen. Alles, was den Hund wirklich entspannt, ist Social Support und damit erlaubt. Ignorieren oder gar Wegschicken beschädigen die Beziehung zwischen Mensch und Hund, und sind darüberhinaus auch noch asozial!

Udate von Ute: Vorbereitung und Werkzeuge!

Nicht mehr lange …
… und es wird wieder an allen möglichen und unmöglichen Stellen knallen, zischen, stinken. Die Vorbereitungen auf diese für viele Hunde schwierige Zeit sollten jetzt abgeschlossen sein. Es ist eine gute Idee zu überprüfen, ob Du wirklich an alles gedacht hast!

1. Nimmt der Hund seine Sicherheitszone in der Wohnung wirklich an? Verknüpfe sie nach wie vor sorgfältig mit Beschäftigung durch Kauartikel und Futterspielzeug sowie mit Maßnahmen zur Entspannung wie ätherische Öle und Musik.

2. Hast Du den Hund vertraut gemacht mit Thundershirt oder Körperbandagen? Experimente mit einem Hund in der Silvesternacht verschlimmern meist seinen Zustand! Hilfsmittel müssen vertraut gemacht werden, bevor sie helfen sollen.

Ohrenschützer wie die Mutt Muffs dämmen Geräusche um 20 – 30 Dezibel. Auch mit diesem Hilfsmittel sollte der Hund vertraut gemacht werden, bevor es wirklich laut wird.

Du möchtest Deinem Hund durch Massagen helfen? Auch diese entspannende Maßnahme muss vorbereitet sein. Beobachte Deinen Hund während der Massage: Woran kannst Du erkennen, dass er sich wirklich entspannt? Atmet er langsamer? Fühlt sich seine Muskulatur weicher an? Bekommt er einen „Schlafzimmer-Blick“? Legt er sich bequemer hin? Bietet er Dir bestimmte Körperbereiche an?

3. Ist eine unterstützende Medikation vorbereitet? Nahrungsergänzungen, Pflanzenpräparate und psychoaktive Medikamente benötigen oft eine Vorlaufzeit von 10 – 14 Tagen, um ausreichend wirken zu können.

L-Theanin, Melatonin, Tinkturen von Baldrian und Passionsblume und (für Fälle starker Angst) Benzodiazepine wie Alprazolam wirken dagegen schnell und können situativ eingesetzt werden.

Dein Tierarzt hat ein Präparat mit den Wirkstoff Acepromazin (z.B. Vetranquil, Sedalin, …) verschrieben? Bitte, verwende es nicht! Acepromazin wird heute nicht mehr in der Verhaltenstherapie verwendet, weil es bessere Alternativen gibt. Ausserdem soll es NICHT BEI GERÄUSCHANGST gegeben werden!

4. Es ist nicht möglich, vor den Knallgeräuschen wegzulaufen! Ständig nach neuen Spazierwegen zu suchen, kann gerade für einen ängstlichen Hund sehr belastend sein: „Neu“ ist immer aufregend und in vielen Fällen auch anspannend und bedrohlich. Suche eine Strecke aus, die Dein Hund gerne läuft, und strukturiere sie mit Bereichen der Entspannung und beruhigenden Interaktionen.
Wichtig sind auch Bereiche, die mit Action verbunden sind: Ball, Frisbee, Suchspiele, Buddeln. Diese Strukturierung hilft Deinem Hund, Knallgeräusche während des Spazierengehens besser zu verkraften. Sie helfen auch, eine Flucht nach Hause oder zum Auto ohne Zwang zu unterbrechen.

5. Viele Hunde haben an den Tagen um Silvester herum zu viel Angst, um Urin und Kot ausserhalb der Wohnung absetzen. Ihnen hilft das Einrichten einer Lösestelle möglichst nahe an der Haustür! So eine Stelle kann leicht etabliert werden, allerdings braucht es etwas Geduld. Gehe mit Deinem Hund nach draussen zu der vorgesehenen Lösestelle, wenn es seine Zeit für den Absatz von Urin und Kot ist. Warte mit ihm dort solange, bis er sich löst. Wenn es an dieser Stelle erst einmal nach ihm selber riecht, wird es immer schneller gehen. Gehe danach immer erst einmal in die Wohnung zurück, bevor Du Dich für den Spaziergang mit dem Hund bereit machst. Zu Beginn wirst Du Dich etwas gemein fühlen, weil der Hund erst zu seinem gewohnten Spaziergang kommt, nachdem er sich an der neuen Stellen gelöst hat. Es ist aber unbedingt notwendig, dass es diese Lösestelle gibt: Sie ist nicht verknüpft mit Spazierengehen – denn davor wird der Hund sich wegen der Knallerei fürchten. Und sie ist mit Erleichterung verbunden! Beides wird Deinem Hund an den schlimmsten Tagen helfen.

Hast Du etwas in dieser Liste gefunden, das noch bearbeitet werden sollte? Dann hast Du noch einige wenige Tage Zeit. Nutze sie sinnvoll, es ist wichtig. Angst ist keine Lappalie, Angst macht krank!

Verhaltensunterbrechung mit dem Geschirrgriff

Verhalten unterbrechen

Macht man sich das Training mit positiver Verstärkung zum Ziel, wird man unweigerlich mit der Frage konfrontiert – Was macht man, wenn der Hund unerwünschtes Verhalten zeigt? Es kommt im Alltag unweigerlich mal zu Situationen, in denen man den Hund nicht vorher abfangen kann, da die Zeit zum rechtzeitigen Reagieren zu knapp ist.

In diesen Fällen muss man doch das Verhalten unterbrechen? Unerwünschtes Verhalten verschwindet in den seltensten Fällen einfach durch ignorieren, da es z.B. oft eine stark selbstbelohnende Komponente enthält. Ist man jetzt doch auf aversiv wirkende Hilfsmittel wie Trainingsdiscs, Wasserspritzflaschen und Leinenrucke angewiesen? Muss man den Hund bedrohen und ängstigen? Die Antwort ist – nein!

Durch das Auslösen eines positiv aufgebauten Alternativverhaltens (z.B. Sitzen, Zurückkommen, Stoppen) lassen sich viele, auch unerwünschte, Verhaltensreaktionen unterbrechen. Für die zuverlässige Ausführung bedarf es jedoch eines ausgiebigen Trainings, damit der Hund sie auch in vielen Situationen ausführen kann! Die konditionierte Entspannung und der Geschirrgriff sind uns daher eine große Hilfe!

Erstarren – rückgerichtete Aggression

Bevor wir seinerzeit den Geschirrgriff trainierten, wurde Tali beim Griff ins Geschirr in für ihn aufregenden Situationen entweder komplett steif und ließ sich nicht mehr ohne starke körperliche Einwirkung unsererseits von der Stelle bewegen oder er schnappte nach hinten Richtung Hand, welche ihn festhielt oder er wurde noch frustierter und lauter.

Heute reicht oftmals die Ankündigung des Signals für den Griff und Tali kann sich vom Auslöser lösen. Dieses gibt uns die Zeit z.B. ein Alternativverhalten abzufragen, die Distanz soweit zu vergrößern, bis er wieder ansprechbar und aufnahmefähig ist und die Situation bewältigen kann oder ihn einfach während des Festhaltens zu entspannen. Dieses Signal erreicht ihn in erregenden Situationen selbst dann, wenn das positiv aufgebaute Umorientierungssignal/Alternativverhalten nicht mehr greift. Bei Zara setzte ich ihn gerne ein, um sie auf nette Art und Weise aus einem Mäusebuddelrausch zu bekommen.

Kleinschrittig und überlegt

Wichtig ist, beim Training sehr sorgfältig und kleinschrittig vorzugehen und den Griff ins Geschirr mit sehr angenehmen Konsequenzen für den Hund zu verknüpfen! Gerade auch, wenn der Hund schon zur rückgerichteten Aggression neigt! Bei starker rückgerichteter Aggression empfiehlt sich das Training des Griffs über die Leine.

Der Geschirrgriff wirkt über negative Verstärkung in Kombination mit sehr Angenehmen als Gegenkonditionierung während der Einschränkung. Der Griff ins Geschirr senkt das Erregungsniveau des Hundes und seine Bewegung nach vorne wird gestoppt.

Auch wenn er sorgsam aufgebaut wurde, enthält der Geschirrgriff die negative Komponente der körperlichen Einschränkung! Es ist wirklich hilfreich, dieses Training unter Anleitung eines guten Trainers oder mit jemandem, der Erfahrungen mit dem Geschirrgriff hat, zu beginnen!

Hier ein Zusammenschnitt einiger Szenen mit Tali aus den letzten Monaten, Juni-Nov. 2011, in welchen wir den Geschirrgriff anwendeten. Das Video ist eine neue Version des alten. Ich habe zwei Szenen auf Wunsch entfernt zum Schutze der Privatsphäre weiterer Beteiligter. Diese Ausschnitte beinhalten KEINE Trainingsanleitung! Distanz geben, Rennen, wieder-zum-Hund-schauen-dürfen und Entspannung sind die seinerzeit von uns oft genutzten Belohnungen resp. Alternativen, da Tali draußen kaum bis gar nicht Futter nehmen konnte und Futter keine Belohnung für ihn darstellte. Wir greifen seitlich ins Geschirr, da ich mit 60kg gegen 50kg Hund stehe und kaum Chance hatte Tali am Geschirr zu halten, wenn ich den Rückensteg nahm. Zudem war es mir wichtig eine Möglichkeit zu finden, wie ich Tali aus dem Fixieren anderer Hunde herausbekommen konnte, wenn er sich „verloren“ hatte.

Anne Rosengrün, Trainerin im Cumcane-Netzwerk, hat eine schöne Anleitung zum Aufbau geschrieben:

http://www.hundeservice-nuernberg.de/der-geschirrgriff-ein-universelles-abbruchsignal/

Der Geschirrgriff wurde von Dr. Ute Blaschke-Berthold und Dieter Degen (CumCane®) entwickelt.

Dieses sind Links zu interessanten Diskussionen zum Thema „Geschirrgriff“ auf Facebook:

https://www.facebook.com/groups/209060100497/10150953941750498/

https://www.facebook.com/groups/209060100497/10150955766040498/

Hier von mir ein aktueller Nachtrag zum Artikel:

https://umtali.wordpress.com/2012/05/25/das-bin-ich-das-sind-wir-zu-verbergen-haben-wir-nichts/